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Der Israelit · 1877-10-24 · Heft 43 (24.10.1877) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 43 (24.10.1877)
Date
1877-10-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1035 keine Bewilligung erhalten hatten; und dafür hatt' er fünf Jahre im Kriminal sitzen sollen." „Wer hat sich in dieser Angelegenheit bei Ihnen verwendet?" frug der Primator. Das Hochdeutsch war dem guten Magdeburger zuerst nicht vollkommen verständlich, aber der Sinn ergab sich fast von selbst. „Was braucht man sich da zu verwenden? ich bab die Geschichte in Schul erzählen hören, und bin gleich zum Oberftburggraf hinübergeloffen, da, Hab ich mir freilich erst die Oberstbürggräfin zu Hilfe nehmen müssen. Hrst hat der Graf nix davon hören wollen, aber nach langen Reden und Sagen und Weinen, hat er sich wieder direkt an unfern Kaiser Joses gewendet, — das is ein Stück Zucker von e Malchus^) — und in vierzehn Tagen war vom Kaiser ein Decret da, was ist darin gestanden: Ich verordne, daß die Untersuchung gegen den Jenikauer Rabbiner sofort niedergeschlagen, derselbe aber eindringlich ermahnt werde, sich in der Folge genau an die gesetzlichen Vorschriften zu halten." „Da muß' Ihnen der Jenikauer Rabbiner wohl herzlich gedankt haben?" „Wie soll er wissen, as ich seinetwegen mit dem Oberstburggrafen geredt Hab?" frug Magdeburger ganz verwundert, in seiner alten, üblen Gewohnheit eine Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten, zurückfallend. „(£ Gegenstand," fuhr er dann gleichmüthig fort, — „das is noch leicht gegangen, aber Eisik Rehling, wie ich den aus'n Kriminal befreit Hab, das hat große Arbeit gekostet." Der Primator sah Magdeburger groß an, er begann — nicht vor dem einfachen, dummen Kundschaftgeher; aber — vor dem Menschen mit dem großen edlen Herzen Respekt zu bekommen. „Wenn ich nicht irre," meinte er, „war dieser ein Goldschmidt, fälschlich als Hehler bei einem großen Kirchendiebstahl angeklagt?" „Ja; — aber ich haö den Menschen genau gekannt, weil wir beide als kleine arme Kinder miteinander im Kinder - Beth - Hamidrasch 5 6) gewesen sind." „Ich bitte Sie, lieber Freund," rief Frankl mit völlig verändertem Tone „nehmen Sie doch Platz und erzählen Sie mir das ganz umständlich. Wenn ich auch nur Primator der Prager Judengemeinde bin, so interessire ich mich doch lebhaft für Alles, was den einzelnen Juden in Böhmen betrifft. So lange wir noch unter diesem harten Drucke leben, herrscht immer eine Solidarität un¬ 5) Regent, Monarch. 6) Armenkinderlehrhaus. ter den Gliedern ein und derselben GlaubenSgenoffenschaft. — Wie war das?" Magdeburger verstand zwar den Sinn dieser Worte nicht, aber sie kamen ihm, er wußte sogar nicht warum, ausbündig schon vor. „Das war so. In der Jungbunzlauer Kirche war nächtlicherweife eingebrochen und ein großer Diebstahl begangen worden. Man hat den Dieb endlich erwischt; aber man hat nur noch einen Theil der entwendeten Gold - und Silbergeräthe bei ihm gefunden. Nun hat man den Menschen schrecklich mißhandelt und geschlagen, damit er gestehen soll, wem er die andern gestohlenen Sachen verkauft hat, und da hat der Dieb endlich gesagt, daß er sie an Eisik Rehling verkauft hat; — da ist gleich eine große Commission hinausgekoprmen, hat den unschuldigen Menschen überfallen und gleich ist er eingesperrt worden." Frankl runzelte die Stirne. „Wenn die Untersuchungs - Commission keine Judicien gefunden hat, so konnte sie den Rehling nicht in Verhaft nehmen." „Nix haben sie gefunden, Herr Primatorleben," rief Magdeburger eifrig, „nit was in ein Aug hineinfallen kann; aber Red Eisik ist der einzige Goldschmidt in der Gegend, und das Unglück für den guten Menschen war, daß ihn zwei ordentliche, glaubhafte Bunzlauer Bürger spät in der Nacht, in welcher man in der Kirche eingebrochen hat, auf einem freien Platz stehen gesehen haben." „Das ist in der That auffallend." unterbrach ihn der Primator lebhaft, „denn das Eine muß ich sagen, so sehr ich alle meine Kräfte aufbiete, einen unschuldig Angeklagten seinem unverdienten Schicksale zu entziehen, den Schuldigen will ich in keinem Falle dem strafenden Arme der Gerechtigkeit entziehen, wenn dieser auch beim Juden manchmal härter zuschlägt als er sollte. Allein der Jude, der in unserer Zeit ein Verbrechen begeht, ist auch doppelt schuldig, er hat auch an .seinen Glaubensgenossen gefrevelt, die für das Vergehen des Einzelnen immer moralisch, oft, sogar tatsächlich verantwortlich gemacht werden." „Was fällt Ihnen ein! Sein Sie gesund und stark." unterbrach Magdeburger den Primator eifrig. Reb Eisik Rehling ist ein ausgezeichnet braver Mensch! — man hat ja zuletzt gesehen, daß er ganz unschuldig war." „Wie so gelang es Ihnen den Mann zw retten?" „Gott is mit mir gewesen, denn, ich bin ja sonst gar nicht so auszespitzt," antwortete Magdeburger mit rührender treuherziger Bescheidenheit.

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