Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1877)
- Date
- 1877-10-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1034 Türkei. Konftarrlinopel. „Levant Herald" berichtet, daß Herr Baron v. Hirsch in Paris dem Herrn Beneziani. Präsidenten des hiesigen Comite's der „Alliance Isr. Univ., 100,000 Frs. zur Verfügung gestellt habe, welche für die jüdischen, mohamedanischen und christlichen Nothleidenden und Verwundeten auf dem Kriegsschauplätze verwendet werden sollen. Amerika. New-Aork. Nicht weniger als vier Missionsschulen, in denen 150 Schüler unterrichtet, gekleidet und zum Theile gespeist werden und sogar die Eltern nicht selten Geschenke erhalten, find dahier entdeckt worden. (Jew. Chr.) Feuilleton« David Lcb Magdeburger. Prager Ghettobild aus dem letzten Viertel des vor. Jahrhunderts. *j Von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel". (Fortsetzung.) Der Primator hatte die Mittheilungen Magdeburger's mit steigender Aufmerksamkeit augehört, die sonderbare Form, die er ihnen gab, verhinderte ihn nicht zu erkennen, daß die böhmische Judenheit in einer furchtbaren Gefahr geschwebt hatte. Frankl hatte bei allen Stellen Beamte, die von ihm gut bezahlt wurden, und ihm Alles, was bezüglich der böhmischen Juden beschlossen wurde, sofort zu berichten hatten, und in der That hatte er auch vor einigen Monaten Andeutungen empfangen, daß ein großer Schlag gegen die Juden geplant wurde, aber — so theilten ihm seine Quellen mit — die Spitzen der Behörden hüllten sich diesmal in tiefes, undurchdringliches Schweigen, so daß darüben nichts Näheres bekannt wurde. Die finstere Wolke war damals vorübergezogen, ohne sich zu entladen, und Frankl hatte schon angenommen, daß die ihm gewordenen, unbestimmten Nachrichten auf einem Jrithum oder einem Mißverständniß beruht hatten. »Was geschah weiter?" *) Jeder Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden, Uebersetzungsrecht Vorbehalten. „Am nächsten Tag, als ich hinüberkam, sagte der Oberstburggraf freundlich zu mir: „Magdeburger; er ist wirklich kein Gelehrter; aber gestern hat er recht gehabt, er hat den Nagel auf den Kopf getroffen, ich habe nach Wien, direkt an den Kaiser berichtet, daß strenge Maßregeln gegen die böhmischen Inden ihren Zweck verfehlen würden," — ich Hab mir die Worte genau gemerkt; — und vierzehn Tage darauf sagt er wieder: „Magdeburger! er hat seinen Glaubensgenossen und mir einen großen Dienst erwiesen, es war' das eine barbarische Maßregel gewesen. Der Kaiser hat jedes weitere, vom Landesgubernium vorgeschlagene Vorgehen gegen die Juden verboten; — und daß er Wort gehalten, und das Geheimniß treu bewahrt hat, — das gefällt mir ausnehmend gut von ihm." „Wie so wußte er, daß Ihr geschwiegen?" Hast e Schaile *)! wenn ichs verwässert2 3 4) hätt', wären Sie, Herr Primatorleben, nit gleich nach Wien gefahren? „Bei Gott! Magdeburger!" rief Franks betroffen , „Sie haben recht." Der Primator überdachte einen Moment das Gehörte, es trug so offenbar das Gepräge der vollsten Wahrheit, daß er nicht einen Augenblick an der Nichtigkeit der mitgetheilten Thatsachen zweifeln konnte. „Da haben Sie uns in der That einen großen Dienst erwiesen, für den wir Ihnen sehr dankbar sein müssenmeinte Frankl, indem er lebhaft Magdeburgers Hand ergriff „Aber Sie müssen in der That einen hohen Einfluß auf seine Excellenz ausüben!" „Der thut mir Alles zu gefallen, was nur möglich ist, lemoschol^), das mit dem Jenikauer Rabbiner, das werd' ich ihm mein Leben lang nit vergessen!" „Der Rabbiner in Jenikau? saß der nicht im Kerker?" „Freilich, der brave, feine Mann, hat sich, wie der Oberstburggraf sagt, gegen das Landesgesetz vergangen. Aber vor Gott und Menschen ist das kein Verbrechen. Er hat mehrere Brautpaare getraut, die Bräutigame waren zweit- und drittgeborene und hätten nach dem grausamen Landesgesetz, ewig ledig bleiben müssen^). Es waren brave gute Menschen, denen das Amt draußen, das beste Zeugniß gegeben hat, diese hat der Rabbiner getraut, obwohl sie vom Landesgubernium 1) Frage. 2) verrathen. 3) zum Beispiel. 4) ES war nur den erstgeborenen Juden gestattet zu heirathen, alle andern waren zum unfreiwilligen Cölibate verdammt.