Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1877)
- Date
- 1877-10-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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1036 — „Wie ich erfahren Hab, daß man Rehling in Ketten nach Prag ins Kriminal gebracht hat, bin ich gleich hinübergeloffen zum Oberstborggrafen und Hab ihn nm Gotteswillen, gebeten, er soll nit d'erlaben, daß man den braven, schwachen Menschen schlagen thut. Ich Hab gesagt „Excellenzleben" bin ich ein ehrlicher Mann? — is wahr as ja?! aber bevor ich mich mörderisch schlagen7 * *) laß, sag ich lieber, was einer nur haben will, meinetwegen — daß ich in der Bunzlauer Kirche eingebrochen .... dann Hab' ich ihn gebeten, daß er mich mit dem Gefangenen reden lassen soll." „Das wird der Oberstburggraf wohl nicht gestattet haben, mit einem in Untersuchungshaft Befindlichen darf Niemand allein sprechen." „Ich Hab ja nit gewollt mit ihm allein reden. Ich Hab gesogt, lassen Sie meinetwegen den Herrn Kriminalrath dabei sein. Sagt der Oberstburggraf: Eigentlich soll ich gar nichts in der Affaire hineinreden , das geht seine Excellenz, den Herrn Appellationspräsidenten an — indessen, Sie wissen, der Oberstburggraf ist in Böhmen, was Sie bei uns in der Gemeinde sind, waß er redt, das geschieht , und so hat er mich zu Rehling ins Gefängniß gelaßt; nur der Kriminalrath is mit gegangen." „Das ist höchst interessant," rief Frankl, den einfachen Menschen fast mit Bewunderung anblickend, „was haben Sie da gesprochen?" „Erst gar nichts, denn die Thränen sind mir über die Backen gelaufen, wie ich den braven Menschen Hab gesehen in eisernen Ketten, als wenn er e wild Thier wär' — ein Mensch, der in seinem Leben keinem kein Wasser getrübt hat; — dann Hab ich ihn zerküßt, und sag zu ihm: Bru» 7) Tie Tortur war in Oesterreich zur Zeit, wo unsere Er- > rähluug spielt, schon ausgehoben; aber noch bis zum Beginne i der konstitutionellen Aera war es dem nntcrsuchenden Richter ge-! startet, den Angeklagten, sobald er sich in Widersprüchen verwickelte,! als Strafe dafür, daß er gelogen, Stockprügel geben zu lassen. Diese Besugniß wurde, wie allgemein bekannt, oft mißbraucht. Vvlc Untersuchungsrichter ließen auch da, wo sie Verstocktheit nur vermutheten, Stockschläge appliciren. Allerdings muß gestanden werden, daß dieses drastische, die Menschenwürde schändende Mittel in vielen Fällen zu einem günstigen Resultate, das heißt zum Geständniß der Wahrheit, führte. derherziger sag mir, und geb' mir darauf TekiaS Kaf3) bei Deinem Chelek leolom habo2), daß Du unschuldig bist bei der Sach! Sieht er mich an und sagt: So wahr wie ich will einst mekabbel Pne Sch'chine fein10 *), nein! nun Herr Primator ist der Mann schuldig? „Was hat der Rath dazu gesagt?" „Werden Sie es glauben, daß der Richter, was da hat am meisten geschrieen, daß Rehling den Diebstahl gekauft hat, auf einmal wankelmüihig geworden ist? Endlich frag ich ihn: Du Unseliger! was hast Tu um zwölf Uhr bei Nacht auf der Gaß zu thun gehabt? Tagt er: Und das d'errath's Du nit? es war die letzte Nacht, die lewone mekadesch zu sein11)!" Wie hernach der Herr Rath hat im Kalender Nachsehen lassen, is richtig herausgekommen, daß es die letzte Nacht war, und es is auch herausgekommen, daß bis dorthin der Himmel immer umwölkt gewesen ist. Reb Eisik Rehling ist ein sehr frommer Mann und hat mit aller GewaltI2) die Mitzwe 13 *) erfüllen wollen." „Das ist merkwürdig; aber warum hat er das nicht bei Gericht ausgesagt." „Er hats gesagt, aber man hat's ihm nicht geglaubt, man hat darüber gelacht, und an e Haar hätt er darüber noch Schlag' bekommen. Nachdem ich nun eisenfest überzeugt war, fuhr Magdeburger fort: „daß Rehling ganz unschuldig war, Hab' ich gebeten, man möcht mich mit dem Einbrecher auch reden taffen, und sehen Sie, Herr Primator, der Kriminalrath selbst hat gesagt man soll's d'erlaben, nur hat er und der Gefängnißgeistliche dabei sein sollen." . Sie können sich nicht denken, wie lebhaft mich diese Erzählung interessirt, und wie ich Sie mit je em Augenblicke höher schätzen und achten lerne," meinte Frankl .... „also, weiter, wenn'S gefällig ist." (Fortsetzung folgt.) 81 Handschlag, Eid. 9) Antheil am jenseitigen, zukünftigen Leben. 10) vor Gottes Herrlichkeit erscheinen. 11) Die Bcncdiction über den Neumond sprechen. 12) um jeden Preis. 13) religiöse Uebung. A N Z E I G E N. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. £)u dem 1. Januar oder 1. Februar nächsten I «O wird ein verheirateter Schächter, der zugleich einige Kinder in der Religion unterrichten kaum gesucht. Festes Gehalt 450 Mk. Reflectirende wollen sich spätestens bis den 1. Nov. d. I. melden nub Nr. 2583 bei der Exped. d. Bl.