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Der Israelit · 1877-10-24 · Heft 43 (24.10.1877) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 43 (24.10.1877)
Date
1877-10-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1033 Der junge Mann, mit diesem gerichtlichen Akte noch nicht zufrieden, kam vorgestern mit mehreren Israeliten aus Fraustadt nach Glogau, wo unter Beihilfe eines Arztes der bekannte rituelle Akt vollzogen wurde. Auf Grund sorgfältiger Erkundigungen erfahren wir, daß weder der Rabbiner noch ein Beamter der hiesigen jüdischen Gemeinde von dem Vorgänge in Kenntniß gesetzt worden sind und auch nicht zugegen waren. Die Frauenstädter sind mit dem aufzunehmenden jungen Manne nach Glogau gekommen und haben den rituellen Akt hier vollzogen, weil sie befürchteten der Vorgang würde in Fraustadt zu großes Aufsehen erregen. Der Bekehrte soll ein Oekonom und aus Schrada gebürtig sein. Italien. la Victoire einige Minuten vor Beginn de- Gottesdienstes am Kol Nidre - Abend mit Büchsen in der Hand am Eingänge des Tempels Geld gesammelt. Dieser Pariser Gebrauch, obgleich wohlthätige Zwecke verfolgend, scheint uns in diesem feierlichen Augenblicke nicht am richtigen Platze zu sein und ist ohne Zweifel in keiner Synagoge auf dem weiten Erdenrund eingeführt.! Mehrere große Zeitungen haben auch dieses-! mal unglaubliche Dummheiten über unsere Festtage j geschrieben. So hat die , Liberts ', welche sogar! Juden zu Redacteuren hat, folgenden Unsinn veröffentlicht: „Man weiß, daß der Jom Kippur eingesetzt worden, um bei der jüdischen Nation das Andenken an die Zerstörung des Tempels zuJerusalem durch Titus zu erhalten." Neapel. Von dem soeben verstorbenen Cardinal Erzbischof von Neapel, Riaria Sforza, weiß die „Nazione" in Florenz folgende interessante Geschichte mitzutheilen: „Während der Regierungsjahre Ferdinands H. brach in Neapel die Cholera aus, die täglich zahlreiche Opfer forderte. Alles, was nur die Stadt verlassen konnte, floh, auch die Kgl. Familie that dasselbe und begab sich nach Gaeta. Nur Einer harrte muthig auf seinem Posten aus, und dieser war der genannte Cardinal-Erzbischof. Derselbe verkaufte damals alle seine Hab« seligkeiten, ebenso auch seine Equipage, um aus dem Erlös dafür die Armen der Stadt zu unterstützen. Bald darauf ging auch dieser Erlös zu Ende und nun ersuchte der Cardinal brieflich seinen Souverän, er möge für ihn bei der Bank in Neapel auf einen Wechsel von 60,000 Ducuten gut stehen. Ferdinand II., der diesem Kirchenfürsten seiner großen Popularität wegen nicht besonders geneigt war, schlug diese Bitte rundweg ab. In seiner Noth wendete sich nun der Erzbischof an den damals in Neapel lebenden Baron Rothschild. der sich sofort bereit erklärte, einen Wechsel desselben nnd zwar im Betrage von 100,000 Ducaten zu giriren. Nach Verlauf eines Jahres hatte der Erzbischof seine Schuld von 100,000 Ducaten schon getilgt, und er richtete dann an Baron Rothschild ein Dankschreiben, das dessen Familie noch heute aufbewahren dürste. Ferdinand II. suchte später seinerseits wieder den Erzbischof mit sich auszusöhnen, indem er ihm den Groß-Orden seines JanuariuS-Ordens verlieh! Frankreich. Paris. Auch dieses Jahr, schreibt „Univ. JLr.", haben Angestellte des Tempels in der Straße England. London. Von dem mit der Vermessung des westlichen Palästina beschäftigten Lieutenant Kitchener ist in London ein Telegramm eingelaufen, welches die Vollendung des Werkes anzeigt. Kitchener war mit seiner Gesellschaft im Januar abgereist, um noch etwa tausend englische Quadratmeilen im Norden und zweihundert im Süden zu vermessen. Vor Ende dieses Jahres wird die Expedition in London wieder eintreffen. Ausgenommen eine Frist von fünfzehn Monaten, die in den Jahren 1875 und 1876 auf Bureau-Arbeiten verwendet wurden, ist die Vermessung seit dem Januar 1872 in stetem Fortschritte gewesen. Ihre noch zu schreibende und der Welt bald vorzulegende Geschichte ist reich an Ereignissen, Abenteuern und Rettungen, nicht minder reich an Berichten von ununterbrochener Arbeit. Gleich beim Anfänge drohte ein Mißlingen durch eine Krankheit, die den Capitän Stewart zwang, nach England heimzukehren. An seine Stelle trat Herr Tyrwhitt Drake bis zur Ankunft des Lieutenants Conder. Im dritten Jahre der Vermessungsarbeiten fiel Herr Drake dem Klima, Mangel und der Anstrengung zum Opfer. Nach seinem Tode zog Lieutenant Kitchener aus, sich der Gesellschaft als zweiter Commandant anzuschließen. Im vierten Jahre (Juli 1875) ward die Expedition bei Safed angegriffen und mußte vorläufig nach England zurückkehren. England hat jetzt das Material zu einer Karte in Händen, die der Welt eine Topographie Palästina's geben soll, die zum erstenmale die Bibel-Topographie völlig verständlich machen wird. Die Karte wird aus 26 Bogen bestehen, jeder mit einer eigenen Beschreibung. Bon den wichtigsten Ruinen find besondere genaue Pläne vorhanden.

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