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Der Israelit · 1877-10-24 · Heft 43 (24.10.1877) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 43 (24.10.1877)
Date
1877-10-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1082 ich jetzt, wo meine unvergeßliche Mutter die Augen geschlossen hat, die stets bereit war, unverschuldete Noth zu lindern, bereit, eine Stiftung für diesen Zweck ins Leben zu rufen. In dem Statut, welches ich der Verwaltung zur Norm geben möchte, habe ich dem Magistrat Rechte, aber auch Pflichten übertragen. Indem ich dem Magistrat dieses Statut überreiche, bitte ich denselben , dasselbe zu genehmigen und die nöthigen Schritte zu thun, um die Stiftung ins Leben zu rufen, wahrend ich mich verpflichte, nach erfolgter Genehmigung das Stiftungscapital von 300,000 Mk. dem Magistrat auszuhändigen. Berlin, 15. Sept. 1877. Löwe, Stadtrath." In § 1 des Statuts wird als „Zweck" der Stiftung angegeben: „Unversorgten und unbescholtenen Töchtern gebildeten Standes, deren Einkommen zu einem anständigen Unterhalte nicht ausreicht, eine jährliche Rente zu gewähren. Bei der Verleihung der Rente macht die Confession keinen Unterschied, die Empfängerin muß aber vaterlos und unverheirathet sein, das 40. Lebensjahr erreicht haben und in Berlin wohnhaft sein (Isr. W) Wasserburg, 9. Oct. Das Bezirksgericht Wasserburg hat den Braumeister des Grafen Montgelas zu Neumarkt a. d. R wegen Bier-Verfälschung durch Verwendung von Glycerin zu 8 Tagen Gefängniß verurtheilt. (Hoffentlich werden die Behörden aller Orten so gegen die Verfälschung der Nahrungsmittel energisch einschreiten. Red.) Filehne, 11- Oct. Die hiesige isr. Gemeinde hat einen sehr schmerzlichen Verlust zu beklagen. Einer ihrer edelsten und besten Männer weilt nicht mehr in ihrer Mitte. Herr L Engel entschlief jüngsten Sabbat zu einem bessern Leben in einem Alter von 63 Jahren. Durch den Heimgang dieses Biedermanns ist ein gar bedeutende und schmerzliche Lücke in hiesiger Stadt entstanden, und leider ist keine Aussicht, daß diese Lücke so rasch und so leicht wird aus gefüllt werden. Der Verstorbene, ein Schwiegersohn des hochgeachteten Rabbiners, R. Salomo Michael Struck b"i, vereinigte in sich die herrlichsten Tugenden und schönsten Eigenschaften. Er zeichnete sich nicht nur durch seine strenge Redlichkeit, Mildthätigkeit, Gastfreundschaft und seinen Gemeinsinn aus, er war auch ein wahrhafter, ernst, frommer Jehudi, der kein Opfer und keine Hingebung scheute, wo es galt, eine Mizwoh zu üben und ein religiöses Werk auszuführen. Er trug nicht nur erst Sorge, die Bürde einheimischer , verschämter Armen und Dürftigen zu erleichtern, was er besonders durch Erhaltung der D'Ji'a« npsDn man mit vieler Mühe zu erstreben suchte, sein weiches Gemüth. erschloß sich auch gern und willig Hilfesuchenden aus der Ferne, welche Alle bei ihm Unterstützung und Gewährung ihrer Wünsche fanden. Was Wunder, daß das Herz, welches so warm für alle Menschen schlug, für das Wohl und Heil seiner nächsten Umgebung erglühte! Er war ein eben so zärtlicher Gatte, als er ein äußerst liebevoller Vater gewesen, der keine Kosten und keine Hingebung scheute, seine Kinder zu gebildeten Menschen und zu echten Jehudim zu erziehen. Selbst — so weit es ihm möglich war — Thora lernend, hatte er auch das Glück, besonders Einen seiner Söhne als po^> heranreifen zu sehen; auch sonst suchte er zur Hebung und Förderung des Thorastudiums beizutragen, zu welchem Zwecke er auch eine größere Summe als nD’p pp bestimmte. Wie der leider für uns zu früh Entschlafene im Leben sich des Vertrauens und der allgemeinen Achtung zu erfreuen hatte, wovon die Gemeinde ihm einen kleinen Beweis dadurch gegeben, daß sie ihn in den Vorstand wählte, als dessen Mitglied er seine Amtspflichten eine lange Reihe von Jahren treu und gewissenhaft erfüllte, fand er auch nach seinem Tode eine Anerkennung seiner Verdienste durch das Geleite, welches ihm die ganze Gemeinde zur letzten Ruhestätte gegeben. Drei Redner sprachen an seiner Bahre. Im Trauerhause sprach der ehrwürdige Greis R. Gabriel Herzberg, ergreifende Worte, und am Grabe suchten der Schwager des Verblichenen, vr. Berliner, Docent am Rabbinerseminar in Berlin und der Ortsrabbiner vr. Stiebel die vielseitigen Verdienste des Verklärten hervorzuheben. Das große Weh und der tiefe Schmerz ob des erlittenen Verlustes waren auf den Gesichtern aller Anwesenden ersichtlich. Möge der Allgütige den tiefgebeugten Hinterbliebenen Trost senden, und möge unsere Gemeinde das Andenken des seltenen Ehrenmannes, durch Nachahmung seiner leuchtenden Beispiele zu würdigen ernst bestrebt sein. Posen- Ueber den Uebertritt eines Katholiken unserer Provinz zur jüd. Religion berichtet der „Niederschlesifche Anzeiger" unter dem 3. d. M. wie folgt: Vor Kurzem ist in der Provinz Posen ein etwa 24 Jahre alter Katholik vermittelst eines gerichlichen Aktes aus der katholischen Kirche aus — und zur jüdischen Religion übergetreten.

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