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Der Israelit · 1877-10-24 · Heft 43 (24.10.1877) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 43 (24.10.1877)
Date
1877-10-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1028 religionsgesetzlichen Seite der Frage nimmt, in einer Correspondenz aus „Süddeutschland" Suft;1 2) ist aber tactvoll genug, die Person des Dichters unangetastet zu lassen. Dieser Aerger hat für unS daher nur insofern Interesse, als er dafür zeugt, daß unsere Darstellung auch nach dieser Seite hin den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Dagegen läßt sich die hier erscheinende „Neuzeit" angeblich „Aus Hessen" einen Artikel als Widerlegung des unserigen schreiben, der in Folge seiner Rohheit wohl einzig in den Annalen einer ehrenhaften Journalistik dasteht. Man könnte zur Widerlegung dieser Gehässigkeiten nichts Besseres thun, als durch Abdruck des ganzen Artikels ihn der Verachtung eines möglichst großen Leserkreises preisgeben, wenn die Spalten eines ehrenhaften Blattes nicht dadurch besudelt würden. Daß aber ein Wiener Blatt, mit dem pompösen Namen „Neuzeit" an der Spitze, das sich „Wochenschrift für religiöse Culturinteressen" nennt, ein solches Attentat auf die billigsten neu - und alt-zeitlichen Culturinteressen begeht, wie es durch einen solchen Auswuchs rohesten Fanatismus geschehen ist, kann Nicht scharf genug gebrandmarkt werden. Ueber die Beschimpfung der Mosenthal'schen Familie, über die höhnische Bezeichnung des verstorbenen Dichters als „jüdischen Schiller" und die sonstigen Verleumdungen des Heimgegangenen gehen wir stillschweigend hinweg. Ein Artikelschreiber, dessen Geschreibe von Ausdrücken, wie: Trotz- und Heuchelorthodoxie, unfläthiges Jesuitenblatt, Sudelblatt, orthodoxe Niedertracht rc. wimmelt, kann einen Mosenthal und Familie nicht beschimpfen. — Wir wenden uns nur gegen folgende dreiste Auslassung: „Aber so viel ist gewiß, daß Alles, was gegen den ehrwürdigen Landesrabbiner dort vorgebracht wird, einfach erlogen ist. In der Casseler Synagoge bestehen außer Orgel und deutschen Gebeten keine lithurgischen Aenderungen, der Friede zwischen dem hochachtbaren Rabbiner und den Gemeindeältesten war keinen Augenblick getrübt."^ 1) Als Vers, der betr. Correspondenz wird uns ein im Badischen domicilirender Breslauer naknhaft gemacht. — Red. 2) Auf diesen Satz folgt in der genannten Correspondenz folgender Passus: „Die Gemeinde weiß diesen Priester Gottes zu schützen, und dieser war von jeher eonservativer Gesinnung und ein Schirmvogt der guten alten Sitte." Wir wollen zur richtigen Würdigung dieser dreisten Behauptung dem Gedächtuiß des Redactzprs der „Neuzeit" ein wenig zu Hilfe kommen. Derselbe hielt bei der Augsburger Synode eine Rede gegen Revision des Schulchan Aruch. Der nach ihm auftretende Redner war Herr Landrabbiner Dr. Adler in Cassel, welcher sich in demselben Sinne aussprach und seine Meinung mit folgenden Wir haben dem gegenüber zu bemerken, daß wir unsere früheren Angaben nach jeder Seite hin vollständig aufrecht halten. Sollten jedoch von berufener Seite dieselben bestritten werden, so werden wir nicht anstehen, die sämmtlichen uns von vollständig glaubwürdiger Seite mitgetheilten Aenderungen in der Casseler Synagoge mitzutheilen, sowie den Wortlaut sammt Unterschriften jenes Synagogen - Anschlags des Gemeinde - Aeltesten- Collegiums zu veröffentlichen, in welchem dasselbe seine Amtsniederlegung mit der Unmöglichkeit motivirt, neben dem derzeitigen Landrabbiner zu amtirkn. Türkei. Avrianopel. Das „Adrianopler britische Comitö zur Unterstützung der Flüchtlinge vom Kriegsschauplätze" hat bis zum 17. d. 1237 Flüchtlingen dauerndes Asyl gegeben, nämlich 755 türkischen Frauen und Kiydern, 321 Israeliten, 161 Bulgaren (Frauen und Kinder). Außerdem sind für mehr als Lstr. 600 Kleider an ca. 2000 Flüchtlinge, die keine permanente Hilfe empfangen, ausgetheilt worden. Palästina. Jerusalem. Unser Glaubensgenosse, Herr Joseph Krieger, wurde zum Chef-Sekretär Sr. Excellenz, des Pascha von Jerusalem, ernannt. (Schaare Zijon.) Feuilleton. Licht ii»L Schatte». Erzählung von Friedrich Rott. VII. DaS junge Mädchen schaute nachdeukend zu Boden. „ES würde mir schwer, sehr schwer wer- Worten motivirte: „Was soll denn dann (im Falle einer Revision) bleiben? Die Gebote der Schaufäden, der Tephilin, des Sabbats, soviele Hinzusetzungen und Umzäunungen, an die jetzt kein Mensch mehr denkt, geschweige, welche er als Gesetz ansieht. Das Alles würden wir ganz natürlich bei der Revision herausnehmen und nur hineinthun, was wir als das Geistige, als wahre Religion betrachten. Dazu brauchen wir keinen Schulchan Aruch." (S. 164 der Verh. der zweiten isr. Synode.) Netter Schirmvogt, daS! — Red.

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