Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1877)
- Date
- 1877-10-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1025 welcher die orthodoxen Rabbinen Ungarns den new über das Seminar ausgesprochen, berechtigt auch zu der Annahme, daß sie sich zu gemeinsamen Schritten in Bezug auf positive Thaten ermannen mm bw nnp onn5? Noch (in Reform - Rabbiner als Talmud- Verthtidiger. (Fortsetzung statt Schluß.) Nach diesen Proben, wird es einleuchten, daß es nicht der wissenschaftliche Werth oder vielmehr Unwerth dieser Talmudvertheidigung ist, welcher uns veranlaßt von ihr Notiz zu nehmen. Nach dieser Seite hin verdiente höchstens die gelegentlich unserer Besprechung der vr. Joel'schen Gutachten über den Talmud, angedeutete Auffassung des talmudischen Sittengesetzes noch eine Erwähnung. Der Vers. spricht sich an vielen Stellen über diesen Punkt unzweideutig aus; wir führen nur folgenden Passus aus der Vorrede an: „Was nun zuerst die Agadah betrifft, so enthält sie neben den herrlichsten Sittensprüchen, die freilich zum Gesetze erhoben sind, und daher streng genommen wieder zur Halachah gehören, — S. Maim. die ersten Abschnitte des Misch. Thora — wovon einen kleinen Theil die Jedem zugänglichen „Sprüche der Vater" bieten, Erfahrungen und Lebensregeln, deren tiefe oft erprobte Wahrheiten Niemand verkennen kann rc." — Die unerhörten Extravaganzen der vr. Joel'schen Gutachten, jedoch nicht milzunehmen, ist noch lange kein wissenschaftliches Verdienst. Das Interesse an dieser literarischen Leistung beruht vorzüglich in den verschiedenen Ausfällen, die der Herr Verf. bei jeder Gelegenheit, gegen das orthodoxe Judenthum der Gegenwart macht, und welchen wir uns daher noch ein wenig zuwenden wollen. S. 219 wird das Verfahren unserer „Frommen" getadelt, das nur die Erschwerungen aus den verschiedensten Zeiten dilletantisch zusammen zu klauben verstehe, ohne die Zeit und die Geschichte zu kennen und ihren Zusammenhang mit der religiösen Form auch nur zu ahnen, das in seiner ganzen Blöße, als das religiöse Leben zerstörend, zur allgemeinen Kenntniß gebracht werden soll. Unsere „Frommen" sind doch wohl unsere Orthodoxen, denen drei Seiten weiter, merkwürdigerweise gerade im Gegentheil zum Vorwurf gemacht wird, daß sie bestimmten Verboten nicht die weitere Ausdehnung vindiciren, so daß eben für unsere Orthodoxen noch Manches verboten sein müsse, was sie thatsächlich nicht als verboten erachten. (S. 222 Anm ). — Wenn man auf Reformrabbiner und ihre literarischen Produetionen, überhaupt eine fragen könnte, so dürfte man sich über diesen Widerspruch billig wundern und annehmen, daß die eine Behauptung die andere aufhebt. Aber wir wollen auf die Details ihrer Seßhaftigkeit halber ein wenig eingehen. Was das Zusammenklauben von Erschwerungen betrifft, so liegt es in dem ganzen Charakter eines solchen Stockorthodoxen begründet, daß er aus purer Stockorthovoxie — religiöse Gewissenhaftigkeit , nennt er es heuchlerischer Weise — im practischen Leben nnom aufsucht und bethätigt, und in seiner Verwegenheit dabei selbst den Herrn Bezirksrabbiner von Landau geradezu belächelt, um den mildesten Ausdruck zu gebrauchen, wenn jener ihn einen ~Pm lenna P’dd deßhalb nennt. Er zieht es vor nach dem Beispiel des Stockorthodoxen Akabia ben Mahalel *), lieber ein Thor zu scheinen, als ein yan zu sein; einen yan nennt nämlich der von Ihnen vertheidigte Talmud (Chulin 4äb.) einen solchen, welcher Erleichterungen zusammenklaubt. Mit solchem Eigensinn — Ernst der religiösen Ueberzeugung nennen die Orthodoxen das — läßt sich nicht weiter rechten. Noch schlimmer aber steht es mit dem Vorwurf, daß die Orthodoxen Zeit und Geschichte nicht kennen und von ihrem Zusammenhang mit der religiösen Form nicht eine Ahnung haben. Sollte das uns vorliegende vpus jemals einen orthodoxen Juden in die Hände ge* rathen, was wir im Interesse beider nicht wünschen wollen, so würde er zu diesem Vorwurf etwa folgende dreiste Glosse machen: „Lieber Herr Grünebaum, da befinden Sie sich denn doch auf einem gründlichen Holzweg, wenn Sie ernstlich glauben, wir Orthodoxen wären so albern, wie Sie uns gerne haben möchten. Was in aller Welt heißt denn das, wir verständen nicht den Zusammenhang der Zeit und Geschichte mit der religiösen Form? heißt das etwa, wir verstehen nicht, wie Sie dies z. B. auf S. 221 thun, den Gräz'- schen Unsinn nachzubeten, der aus einem Rabbi Josua einen Mann der goldenen Mitte macht, der einen Rabbi Josua Aussprüche in den Mund legt, 1) Die Hyper-Orthodoxie derselben wird Edujoth V. 6. mit den Worten bezeugt: „Die Vorhofhallen des Tempels umschlossen keinen in Israel, der an Weisheit und Scheu vor der Sünde Akabia ben Mahalalel gleichgekommen wäre.