Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1877)
- Date
- 1877-10-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447695-2447737--14226-2470126- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1024 In diesem Congreß hatte die neologe Partei eine ganz geringe Majorität, und diese entschied, daß das Geld zur Errichtung eines Rabbiner-Seminars verwendet werden sollte. Die Orthodoxen protestirten dagegen; sie wollten das Geld zur Errichtung von Volksschulen verwendet wissen. Die Sache kam vor das ungarische Parlament und wurde auch hier nicht entschieden. Nichtsdestoweniger wurde das Seminar errichtet und am 4. d. M. eingeweiht. Vorher schon hatten die meisten orthodoxen Rabbinen Ungarns in einer Collectiv- Erklärung das Seminar mit einem belegt, hatten erklärt, daß es verboten sei, die Kinder demselben zuzuführen und die aus demselben etwa hervorgehenden Rabbinen, Prediger und Lehrer in den Gemeinden mit Acmtern zu betrauen. Am 4. d. M. hatten sich die Neologen von nah und fern in Pesth eingefunden. Jevinek von Wien, Grätz von Breslau, Cassel, Lehrer an der Geiger'jchen Hochschule, von Berlin rc. rc. Von Nichtjuden waren die vornehmsten Beamten des Ungarlandes anwesend: der Premier-Minister Tisza, der Justiz-Minister Trefort, der Staats - Secretär Graf Majlath, der Oberbürgermeister von Pesth, der Stadthauptmann, der Rector und die Decane der Universität rc. rc. Es war eine große und glanzvolle Versammlung; der y.n *isp ist eben ein viir -j^d, ein großer König; der man ->L' dagegen ist nur ein armer Mann 'DDO w'tt (Koheleth c. 9 V. 15); was der jnn irr' ins Leben ruft, kündigt sich als Werk eines vinr mit großem Gepränge an, was aber dem wvi iL'seinen Ursprung verdankt, tritt dürftig und bescheiden ins Leben. Ällein die Werke des jnn iL' gehen bald dem Verfalle entgegen; während diejenige des man -isp wachsen *unö dauern. Zunächst wurde die Stiftungsurkunde verlesen. Darauf hielt Herr vr. Kohn, der ungarische Prediger an der Pesther Orgel - Synagoge, die Weiherede in ungarischer Sprache; dann sprach ein junger Seminarlehrer, Namens vr. Bacher, ebenfalls in ungarischer Sprache. Hierauf hielt Herr Professor vr. Grätz aus Breslau, der bekannte Geschichtschreiber und miro ico, eine Ansprache; nach ihm sprach der Lehrer an der Geiger'jchen Hochschule, Herr vr. Cassel aus Berlin, und zum Schluffe der Schriftsteller, Herr vr. Leopold Kompert aus Wien, der Verfasser von Christian und Leah. nntpo i^on wp'i, daß der obenerwähnte auch ein „Trinkmahl" veranstaltete, bedarf wohl kaum der Erwähnung; die in Pesth erscheinende Zeitschrift „Scheweß Achim" berichtet darüber eigenthümliche Dinge. Man wusch sich nicht die Hände, man sprach nicht den Segen über das Brod, man sprach am Schluffe nicht das Tischgebet; unter den vielen, vielen jüdischen Theilnehmern am Festmahle fanden sich nur drei, sage drei Rabbinen, welche — leise und schüchtern — jeder für sich allein, ohne pv'i.i nD"ü, das Tischgebet summten. Und das bei einem Festessen zu Ehren der Einweihung einer Schule zur Heranbildung künftiger Rabbinen! Was für Rabbinen sollen aus einer solchen Anstalt hervorgehen! Die an das Seminar berufenen Lehrer sind meistens bis jetzt ganz unbekannte Leute, ehemalige Schüler des Breslauer Seminars. Eine Ausnahme davon macht Her^ Rabbiner Moses Bloch, bisher Rabbiner in Leipnik. Derselbe, in hohem Greisenalter stehend und als rühmlichst bekannt , wurde stets zu den Orthodoxen gezählt. Was ihn veranlaßt hat, an dieses Seminar sich berufen zu lassen und dem Rufe Folge zu leisten, ist ein Räthsel, dessen Lösung vielleicht in der Macht des obenerwähnten -112 zu suchen ist. Das Seminar ist nun eingeweiht und hat seine Lehrthätigkeit eröffnet. Welcher vernünftige, ernstmeinende Jehudi wird leugnen, daß es eine große Gefahr für das ungarische wie für das nichtungarische Israel in sich birgt? Dieser Gefahr muß begegnet werden und zwar durch die Reorganisation der Jeschiboth pvQ v'8 ra NS3i inosro -vyn ntt wn uboi ddh der Dürftige, aber weise Mann, muß die Gefahr abwenden! Nicht mit Aechzen, Seufzen, Klagen, auch nicht mit Verbieten und Bannen kann der großen Gefahr begegnet werden, sondern nur durch positive Thaten. Es sind drei Dinge, die durchaus geschehen müssen. Erstens muß für eine ausreichende Unterstützung der lon n?ra an der Preßburger wie an den andern Jeschiboth gesorgt werden, damit die n’vjy , die Söhne der Armen nicht sich veranlaßt finden, dem Seminare zuzuströmen. Zweitens muß das Talmudstudium derart organisirt werden, daß außer dem rcw noch einige Hilfslehrer vorhanden seien, welche die jüngeren Talmidim und unfähigeren zum Haupt- -nyttf vorbereiten oder auch selbstständig unterrichten. Drittens muß den Jeschibah - Jüngern Gelegenheit geboten werden, sich ein gewisses Maaß profaner Kenntnisse zu erwerben, namentlich die deutsche und die ungarische Sprache derart zu erlernen, daß diese Sprachen grammatisch gesprochen und geschrieben werden. Sollte diesen drei Forderungen entsprochen werden, so wird das Seminar unschädlich sein und bleiben. Die wunderbar große Einmüthigkeit, mit