Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1877)
- Date
- 1877-10-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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1009 die Wochenschrift geschriebene Originalarbeit wäre!!! Die Erzählung „das Perlenhalsband" ist, mit geringen Varianten im „Israelit", Beilage zu Nr. 16 des IV. Jahrgangs (1863) veröffentlicht*). Raphael Kirchheim und Treuenfels, würdige Dioskuren." Mainz, 11. Oct. Wir waren so glücklich, an das Central» Comitv zu Amsterdam für die j Armen, Nothleidenden rc. im heiligen Lande, heute I wiederum 3479 M. 22 Pf. zu übersenden Die! Summe der von uns in diesem Jahre gesammelten und übersandten Spenden betrügt nunmehr '63,686 M. 25 Pf. — Die Nachrichten aus dem heiligen Lande lauten immer noch sehr betrübend; die Theuerung hat eher zuals abgenommen und die Entwerthung des russischen Geldes hat weitere Fortschritte gemacht. Auch fließen des Krieges halber die Gaben aus Rußland sehr spärlich, während der größte Theil der jüdischen Bevölkerung Palästinas auf diese angewiesen ist. Wir fühlen uns daher veranlaßt, die geehrten Wohlthäter zu bitten, um der vielen andern Hilferufe willen unsere bedauernswerthen Brüder im Laude unserer Väter nicht zu vergessen und sie trotz anderer, allerdings ebenfalls dringenderNothschreie stets und immer reichlich zu bedenken. Aus Cöln wird das nachstehende, ergötzliche Geschichtchen berichtet. Bei Gelegenheit der Anwesenheit Sr. Majestät, des Kaisers, in unsrer Stadt wurden die Spitzen der katholischen und der protestantischen Geistlichkeit zur kaiserlichen Tafel befohlen. Als Herr Dr. Frank, Rabbiner der isr. Gemeinde zu Coln, das erfuhr, hatte er nichts Eiligeres zu thun als um die Gnade zu petitioniren, daß auch er zur kaiserlichen Tafel zugelassen werde. Auf den Vortrag des Oberhofmarschalls, entgegnen Se. Majestät lächelnd: „Was will denn dieser Rabbiner an Meinem Tische? Er darf ja doch nicht mit Mir essen.? — „Verzeihung, Majestät," erlaubte sich ein anwesender hoher Beamter zu bemerken, „es gibt hier in Cöln zwei israelitische Gemeinden, eine orthodoxe und eine reformatorische; Dr. Frank ist ein aufgeklärter Rabbiner, der sich wahrscheinlich über die alten Vorschriften hinwegsetzt." — „Nein, nein," erwiderte der Kaiser, „Ich will Niemanden veranlassen, die Gesetze seiner Religion zu übertreten, auch nicht einen Reformrabbiner. *) Sie heißt dort „die Perlenschnur". Herr Dr. Frank erhielt den Bescheid, daß Seine Majestät nickt befohlen habe, den jüdischen Geistlichen einzuladen. $ e n i 1 1 e t p n« David icb Magdeburger. Prager Ghettobild aus dem letzten Viertel des vor. Jahrhunderts.*) Von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel". X. Und es war Erew Jomkipur *). In dem Gemeindrhause in der Prager Judenstadt herrschte erhöhte Thätigkeit, da die Amtslocalitäten an diesem Tage nur Vormittags geöffnet blieben. Wieder saß Primator Frankl in seinem Zimmer als David Zehnthomer eintrat und meldete: „David Leb Magdeburger bittet dringend einige Worte mit dem Herrn Primator zu sprechen." „Er soll nach Jomkipur kommen, ich bin zu beschäftigt." „Ich Hab' ihm das auch gesagt; — aber er besteht darauf, er sagt, er müsse mit dem Herrn Primator vor Jomkipur sprechen, sonst könne er an diesem Heilgen Tage keine Ruhe finden." ..So laßt ihn eintreten." Magdeburger schritt ernst in das Kabinet des ersten Vorstehers. Dieser rief ihm zu: „Ich bitt' Euch David Leb, . ... . ich Hab gewaltig viel zu thun, faßt Euch kurz, — was wollt Ihr?" „Ich komme Erew Jomkipur," sprach dieser fest, „weil man an diesem Tage jenen, die einem wehe gethan haben, vergeben soll, und ich möchte daher, bevor der große Tag, der herannaht, anbricht . — auch mit dieser Angelegenheit fertig sein. Ich bin aber ein offener, ehrlicher, wenn auch, wie ich jetzt leider sehr spät einsehe, dummer und unwissender Mensch, mit dem Jeder, dem's für gut bedünkt, seinen Spott treibt., ich kann Niemanden verzeihen, wenn ich mir's nicht zuvor vom Herzen geredt Hab." Frankl war aufgestanden. Es ist etwas eigenthümliches um ein verletztes Menschenherz, die beleidigte Menschenwürde erweckt den echten, rechten Stolz, und es wollte dem Primator schier bedünken, als spräche Magdeburger heute ausbündig klug und vernünftig. *) Jeder Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden» Uebersetzungsrecht Vorbehalten. i) Vortag des Versöhnungstages.