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Der Israelit · 1877-10-17 · Heft 42 (17.10.1877) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 42 (17.10.1877)
Date
1877-10-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1005 der Sohn umgab sie mit einem Wohlstand, den sie nie gekannt und der ihr das oft ersehnte Glück gewährte, Nothleidenden Linderung zu schaffen. AchtungSwerthe Hilfsbedürftige aufzusuchen, ihnen zu helfen, sie zu stützen mit Rath und Tbat, das war seit bereis einer Reihe von Jahren ihre Hauptbeschäftigung. Seitdem er sich selbstständig etablirt hatte, besuchte er die Mutter alljährlich zweimal an den s. g. großen Feiertagen. Das Peßachfeft, Rosch Haschanah und Jom Kippur verbrachte er stets in der Heimath. In früheren Jahren hatte er Wiederholt in die Mutter gedrungen, zu ihm in die Residenz zu ziehen; doch sie hatte sich entschieden dagegen verwahrt. Dorthin, in's moderne Leben passe sie nicht; in der Gemeinde, in der sie geboren und erzogen, in der sie so viele Freuden und so viele Leiden erlebt, in der sie Jeden kannte und von Jedem gekannt war, hier wollte sie auch ferner leben und dereinst auch sterben. „Aber mit dem Letzteren," fügte sie stets lächelnd hinzu „hat es mit Gottes Hilfe noch lange Zeit. Deine Liebe verlängert mir das Leben, macht es mir auch doppelt begehrenswerth." Sie fühlte sich in der That so recht von Herzeu glücklich, doppelt glücklich, glücklich machend Mit dem Glücke ihres Sohnes. — Wie ihr Mutterauge leuchtete, wenn die Dürftigen, denen sie geholfen, segnend den Namen ihres Sohnes nannten. Es war an einem Sabbatnachmittag in der Omerzeit; in den Mittagsstunden war es drückend heiß gewesen; doch jetzt, nach dem Minchagottesdienste hatte ein frisches Lüftchen sich erhoben und fast sämmtliche Bewohner des Ghettos aus ihren Häusern gelockt, und wandelten sie nun festlich gekleidet in der Gasse in größeren und kleineren Gruppen laut plaudernd auf und nieder. In dem geöffneten Fenster ihrer im Erdgeschoß sich besindenden Wohnung lehnte Frau Rachel und schaute mit freundlich theilnehmendem Blick auf das rege Leben. Beständig hatte sie zu grüßen und den Lustwandelnden zuzunicken, hin und wieder blieben auch einige bei ihr stehen, sich nach ihrem Befinden zu erkundigen und mit ihr zu plaudern. „Gaten Sabbat, Frau Rosenbaum! Köstlicher Abend heute. Wie steht das Befinden?" „Ich danke Ihnen, Herr Neumann, mir geht es Gottlob immer gut, und wie geht es denn bei Ihnen? ist Ihre Lini schon wieder wohl auf?" „Es geht ihr G. s. D. bedeutend besser, und wird sie hoffentlich morgen schon das Bett verlassen dürfen; sie hat auch schon mehrmals nach Ihnen gefragt, Frau Rosenbaum." „Sieh, das freut mich herzlich, sowohl, daß es ihr beffer geht, als auch daß sie meiner gedacht; morgen wills Gott muß ich doch ein bischen bei ihr hineinschauen. — Doch k propos, Herr Neumann, ich muß Sie auf etwas aufmerksam machen. Ich glaube von Ihrer Frau gehört zu haben, daß Sie Ihren Milchbedarf von der Wittwe Levi nehmen, nicht wahr? „Freilich, freilich. Die Blümle Katz, von der wir früher die Milch nahmen, ist eine schlechte Person, die auch unerlaubte Milch für koscher verkauft; von ihr darf mir kein Tropfen Milch mehr ins Haus kommen." „Dachte ich mir's doch. Aber eben deßalb muß ich Ihnen mittheilen. daß ich gestern Nachmittag Ihre Köchin, die Peppi, mit einem Topf voll Milch aus dem Hause der Katz kommen sah." „Das ist ja unerhört!" rief Herr Neumann, „das muß ich sogleich meiner Fran sagen; dem Mädchen kann man ja kein Vertrauen mehr schenken." Frau Rachel hustete. „Sonderbar, die Peppi war drei Jahre in meinem Dienst, und ich habe nie über sie klagen können." „Ja, ja die Dienstboten, die Dienstboten — mit jedem Tage werden sie schlechter; bei Ihnen ist die Peppi ordentlich gewesen, und da sehen Sie nun, wie sie es bei uns treibt." Frau Rachel hustete wieder. „Ich denke, Sie werden es mir nicht übel nehmen, wenn ich Ihnen wiederhole, was die Peppi mir zur Antwort gegeben hat." „Bitte, bitte, im Gegentheil; es muß mir ja angenehm sein, das zu erfahren." „Sehen Sie, als i"g das Mädchen da gestern von der Katz herauskommen sah, da konnte ich mich nicht enthalten, ihr zu sagen, wie unrecht sie thue, daß sie Ihnen die, man kann wohl sagen, trefene Milch in's Haus bringt. Und was meinen Sie, das sie sagte? — sie lachte und sagte: ach, meine Herrschaft nimmt das nicht so genau wie Sie, Frau Rosenbaum. Bei uns muß jeden Sabbat Mittag die Christin Feuer anzünden, um das Essen zu wärmen." Herr Neumann war dunkelroth geworden. „Ich kann zwar nicht in Abrede stellen, daß bei uns am Sabbat das Essen gewärmt wird. aber trotzdem dulde ich nicht, daß mir verbotene Milch ins Haus gebracht wird. Ich werd's ihr zeigen, der schlechten Person." „Bester Herr Neumann, es steht mir zwar nicht zu, Ihnen Vorstellungen zu machen, aber Sie werden mir doch eine Bemerkung nicht übel nehmen, wir sind ja alte Freunde. Sie haben ganz recht, daß Sie dem Mädchen ernstlich Vorwürfe machen müssen, aber ich glaube es wäre doch noch viel

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