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Der Israelit · 1877-10-17 · Heft 42 (17.10.1877) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 42 (17.10.1877)
Date
1877-10-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1000 Nichts liegt dem Judenthume ferner als eine Verachtung der irdischen Güter wie sie einige Schulen der alten Weisen lehrten und wie sie die Grundlage einer weitverbreiteten Religion, die noch heute herrscht, bildet. Auch das Judenthum will nicht, daß wir uns nach Reichthum sehnen; er führt Wohlleben und Mühseligkeit mit sich, setzt seinen Besitzer dem Neide aus, erzeugt Erschlaffung des Geistes, Hoffahrt und Uebermuth. Hat Dich aber Gott mit Glück gütern gesegnet , so vermeide die damit verbundenen Gefahren und genieße die reinen Freuden, die der Reichthum zu gewähren im Stande ist. Verwalte das Dir anvertraute Gut, in pflichtmäßiger Thätigkeit und in edler Demuth, für das Wohl Deiner Mitmenschen. Gebrauche die irdischen Güter und bedenke dabei, daß sie nicht für immer Dein Eigenthum bleiben, gebrauche sie als ein zur himmlischen Heimath wandernder Pilger. Von Rabbi Samuel Hamagid, dem Großvezier des Königs von Granada, wird erzählt, daß einst sein König ihm ein Verzeichniß seiner Besitzthümer abforderte. Der König fand die ihm mitgetheilten Summen zu klein und forderte Rechenschaft. „Mein Herr und König," sprach der Münster, „Du verlangst zu wissen, was ich besitze. Alles, was Deine Gnade mir verliehen, gehört nicht wirklich mir; es kann mir wieder genommen werden. Und selbst, wenn ich es behalte bis an mein Lebensende, so muß ich, wenn der Tod mich ereilt, es Andern überlassen. Nur das, was ich zu guten und edlen Zwecken verwendet habe, gehört wahrhaft mir; das kann mir Niemand nehmen; es wandert mit mir ins Jenseits. Deßhalb habe ich als meinen Besitz nur das verzeichnet, was ich gebraucht habe, um Hungrige zu sättigen, um Kranke zu pflegen, um Verarmende der Noth zu entreißen, um' das Studium der Gotteslehre zu fördern, um Gotteshäuser zu erbauen." Und der König umarmte und küßte den treuen Verwalter und bat ihn, auch den Herrscher von Granada zu lehren, solche ewige Besitzthümer zu erlangen. In der Hand des Edlen ist der Reichthum ein überschwenglicher Segen für die Welt. Die Augen der Welt richten sich gern nach dem Glanze des Goldes und der irdischen Größe. Der Unbemittelte steht oft mit seinen schönsten Thaten im Dunkeln. Was aber der Reiche und Vornehme thut, wird gepriesen, und weil es gepriesen wird, nachgeahmt. Daher kann der Reiche oft noch mehr Gutes durch sein Beispiel wirke« als durch seine That. Es ist nur ein einziger edler Zug, den wir aus dem an herrlichen Thaten so reichen Leben unsres erhabenen Stammvaters zu schildern versucht haben. Noch leuchtet uns sein großes Beispiel, noch heute, nach vielen Jahrtausenden, und es wird leuchten, so lange die Himmel über der Erde dauern. Möge es recht Vielen vergönnt sein, ihm nachzuahmen. Noch kill Nrsorm - Nabdiller als Talmud- Vcrthki-igcr. (Fortsetzung.) Bei Beurtheilung des Talmud geht das uns vorliegende Buch von dem Grundsätze aus, daß nur diejenigen seiner Aussprüche von Werth seien, welche nicht in offenbarem Widerspruch mit der bl. Schrift und der in ihrem Geiste entwickelten Tradition seien *). - Zu dieser Ansicht bekennen auch wir uns. jedoch protestiren wir gegen diese Fassung, welche schließen läßt, daß der Talmud in der That Aussprüche enthalte, welche sich im offenen Widerspruche mit der Thora befinden. Es mag dies aus den ersten Anblick Manchem so scheinen, aber schon Rabbenu Tam zu Baba Meziah 64 d., und noch deutlicher Rabbi David ben Samuel Ha-Levi sprechen den Grundsatz aus, daß unsere Weisen nirgends etwas verboten haben, was die Schrift ausdrücklich für erlaubt erklärt hat^). Daß aber der 1) S. 397 u. a, 2) Letzterer an drei verschiedenen Stellen seines Werkes am mu zu igpn O"I1 mi«, 'pp njn mv und ^113 '3 ttCfc'ö. — Besonders instructiv für diesen Grundsatz und seine scheinbaren Ausnahmen sind die -isiD onn n“w 12 "p, y'y. Die Lectüre der letztgenannten 7!3nvN möge Herrn Rabb. Dr. Ioöl besonders empfohlen werden, da er den von ihm (S. 6 seiner Gutachten) gerügten Jrrthum des Maimonides bctr. des Zinsverbotes als einen höchsteigenen daselbst constatirt finden wird. — In der ganzen talmudischen Literatur dürfte sich vielleicht nur eine einzige Stelle finden, aus welcher fich auf den ersten Blick in der That ein Gegensatz zwischen der Ha lach ah und dem Wortlaut der Schrift zu ergeben scheint. — Die Stelle befindet sich Sotah 16: &npon nrr nvpip rv>D'ipD — Wir verweisen zur richtigen Auffassung dieser Stelle auf R. David Nieto's nD»> ’Jß? mo; ji noo Nr. 27, woselbst diese Stelle trefflich erläutert und der Nachweis geliefert wird, daß gerade hier, wo die Halachah scheinbar das Schriftwort umgeht, die halachische Interpretation den wahren Sinn des Schriftworts erst eröffnet.

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