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Der Israelit · 1877-10-10 · Heft 41 (10.10.1877) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 41 (10.10.1877)
Date
1877-10-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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988 besten entsprechen, wenn wir den David Löw Magdeburger am Schluffe dieses Tages, nach dem herrlichen ergreifenden Schlußgebete, wo sich jeder Jude erhoben, gestärkt, getröstet fühlt, wenn wir ihm am Schluffe des Versöhnungstagcs die Funktion des Schofarblasens übertragen .... oder sollten wir zu unserem Bedauern den Befehl Eurer Excellenz mißverstanden haben? — ich wäre unglücklich!" „Was will denn eigentlich dieser Dummkopf, der Magdeburger" flüsterte der Oberstburggraf leise vor sich hin — „Der Esel!" wahrscheinlich erscheint dem bescheidenen Menschen die Ehre zu hoch — na! der komische Jud' wird vor Freuden springen! dem Vorsteher gegenüber legte er sein Gesicht in die ernstesten Falten und sagte gnädig mit dem Kopfe nickend verständnißinnig: „Nein! — gerade das habe ich gewünscht — genau das entsprach meinem Willen; . . . - aber ich wollte ihm eigentlich etwas ganz anderes sagen, — was war's denn? .... richtig! — Wir erwarten hohen Besuch aus Wien. Seine kaiserliche Hoheit, Erzherzog Franz, wird unsere Hauptstadt mit höchst Dero Besuch beglücken und bei diesem Anlässe auch alle Merkwürdigkeiten Prags in Augenschein zu nehmen geruhen. In der Judenstadt wird höchst Derselbe auch die Altneusynagoge besichtigen. Ich wollte ihm das nur früher sagen, damit er's weiß und Alles gehörig in Stand setzt. Ich hab's vorgezogen ihm das mündlich mitzutheilen, weil es noch nicht ganz bestimmt ist, ob uns das hohe Glück des höchsten Besuches zu Theil wird, und ich — nun die Bewohnerschaft, die diesem beglückenden Ereignisse mit loyalem. unterthänigem Jubel entgegensehen würde, nicht möglicherweise bitter zu enttäuschen, vorläufig nichts an die Oeffentlichkeit dringen lassen will, wonach er sich auch zu richten hat ..... Er hat mich wohl verstanden? „Vollkommen Excellenz," entgegnete der Vorsteher mit einer tiefen Verbeugung, erleichtert aufathmend. Der Oberstburggraf nickte, zum Zeichen, daß die Audienz beendet, leicht mit dem Kopfe, und Thorsch schied unter tiefen Verbeugungen. Das war noch viel besser ausgefallen als er erwarten durfte! „Primator Frankl ist doch der klügste Mann aus Erden," dachte der Synagogenvorsteher. IX. „Ich habe ihm etwas höchst Erfreuliches zu sagen." rief der Oberstburggraf dem eintretenden Magdeburger entgegen „ich Hab' mir den Altneusynagogenvorsteher herüberholen lassen. Er hat Lcm Manne bitter Unrecht gethan. Weiß er Magdeburger, welche Ehre man ihm zugedacht hat? — rath er einmal?" Magdeburger horchte erstaunt auf. Daß ihm feine Glaubensgenossen eine besondere Ehre erweisen wollten, hat für ihn den Reiz der Neuheit, er wurde mißtrauisch und schwieg. „Also sein Herzenswunsch soll erfüllt werden, er soll den Schofar blasen, — uud weiß er wann?" „Ich soll blasen? — was sind daS wieder für Ned? es ist doch Neujahr vorüber, — und bis über Jahr, zu Gutem, können mir schon hundertmal in Jerusalem sein!" Der Oberstburggraf lächelte überlegen, er mußte — wohlderechtigt — voraussctzen, daß das Blasen am Ausgange des Versöhnungstages eine so hohe Ehre sei, daß Magdeburger diese auch nicht im Traume erhoffe. „Also, Freund Magdeburger, er soll in der altehrwürdigen Altneusynagoge am Ausgange des Versöhnungstages blasen! — ist er jetzt zufrieden? . . . . Ist er glücklich?" Aber Magdeburger sah den Oberstburggrafen mit einem höchst trübseligen Gesicht an, und hatte alle Mühe, die Thränen, die in seinen treuen, ehrlichen Augen aufstiegen, niederzukämpfen; denn allen Jenen, die es etwa nicht wissen sollten, sei hiermit die Erklärung gegeben, daß während das Schofarblasen am Neujahrfeste ein biblisches Gesetz, und deshalb mit der Ausführung desselben stets die Würdigsten und Geehrteften betraut wurden; am Ausgange des höchsten Fasttages nur als Signal, als Zeichen nur ein einziger Ton geblasen wird, was keinen andern Zweck hatte, als den Schluß des Fasttages zu verkünden, anzuzeigen, daß nun wieder Speiß und Trank gestattet sei. Den einen Ton bließ der Synagogendiener, oder sonst irgend ein unbedeutender Mensch, — dieses Blasen hat gar keine religiöse Bedeutung. „Aber saperlot Mann! w.'s macht er denn für ein kläglich Gesicht, ist ihm das auch wieder nicht recht? — was will er denn eigentlich in tausend Teufels Namen?" Magdeburger stand da wie eine vom Blitz getroffene Ente — er sah, sein hoher Gönner, der Oberstburggraf, war über die Bedeutung dieses Aktes getauscht worden. Das was man dem Ex» cellenzherrn als hohe Ehre dargesteüt hatte, war für Magdeburger eine onenbare Verhöhnung. Aber der brave Kundschaftsgeber hatte ein gutes, edles Herz; wenn er die Sachlage vollkommen klar und wahr darstellm wollte, konnte der Oberstburggraf leicht in gerechtem Zorne entbrennen, und die Betroffenen konnten denselben, gar übel verspüren — und schweigen, ganzschwei-

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