Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1877)
- Date
- 1877-10-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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987 Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. In Jlglatt (Mähren) sind 14 jüdische Lehrer an 8 Communalschulen angestellt. Dieser erfreuliche Fortschritt führt jedoch sein Uebel mit sich. Wie uns berichtet wird, maßten die jüdischen Lehrer am D i' Unterricht ertheilen. Die Schulen begannen an diesem Tage und die Lehrerkonnten sich nicht vertreten lassen. (W. Jsr.) Holland. Haag. Nach holländischen Gesetzen werden Fremde, die über ihre Existenzmittel sich nicht ausweisen können, sofort mit Gefängniß bestraft und zwar so lange, bis die nöthigen Papiere herbeigeschafft sind. Bei Mittellosigkeit wird der Fremde durch die Polzei über die Grenze geschafft. Erst neulich wurde mit zwei russischen Glaubensgenossen so verfahren. Dieß veranlaßt mich, arme Wanderer auf dieses Gesetz aufmerksam zu machen, L. S. Feuilleton. David Leb Magdeburger. Prager Ghettobild aus dem letzten Viertel des vor. Iah rhunderts. *) Von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel". VIII. Am andern Tag stand Samuel Thorsch, der Vorsteher der Altneusynagoge vor dem Oberstburggrafen. Trotzdem er vom Primator Frankl die nöthigen Unterweisungen erhalten, und dieser ihm nachdrücklichst erklärt hatte, alle Verantwortlichkeit zu übernehmen, befand er sich doch in einem hohen Grade von Aufregung. Es war tu jenen Zeiten keine Kleinigkeit,' den Unwillen eines Oberstburggrafen auf sich zu laden. Damals besaß der Schwache in Oesterreich keinen Schutz gegen den Mächtigen. Dieser konnte die Gesetze ganz nach seinem Willen und Wunsche auslegen, — und Vergewaltigungen gröbster Art, gehörten zu den gewöhnlichsten, alltäglichsten Vorkommnissen. Allerdings hatte der große unvergeßliche Kaiser Josef, den Thron seiner Väter mit dem ernsten Willen *) Jeder Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden, Uebersetzungsrecht Vorbehalten. bestiegen, jene herrlichen Prineipien der Menschengleichheit, in des Wortes edelster Bedeutung zur Geltung zu bringen, jene herrlichen Principien, welche erst dreiviertel Jahrhunderte später unter der Regierung des ritterlichen Kaisers Franz Josef zur vollen lebendigen Wahrheit wurden; aber seine Zeit begriff ihn nicht;.und erfand nicht jene große Zahl treuer, fähiger, seine edlen Absichten, richtig erfassender und mit Liebe und Eifer vollführcnver Diener, welche nothwendig war, um dem großen weiten Reiche rasch alle jene Segnungen, die ihm sein großer Monarch zudachte, theilhaftig werden zu laffsn und plötzlich neues warmes Blut in alle Pulsad'rn des riesigen Staatskörpers einströmen zu lassen. Alle Mißbräuche, die Kaiser Josef zu Ohren kamen, wurden sofort abgeschafft; aber, nicht alle Mißbräuche konnten an sein Ohr gelangen; und viele hundertjährige Gewohnheiten einer eingefleischten despotischen Büreaukratie waren nicht in kurzer Zeit gründlich zu entwurzeln. Thorsch trug die Tracht jener Zeit; einen schwarzen Rock, schwarze Seidenhosen und Strümpfe, Schuhe mit silbernen Schnallen. „Hat er meine Entschließung bezüglich des Schofarblasens in der Altneusynagoge an den hohen Feiertagen erhalten?" frug der Oberstburggraf barsch. „Euer Excellenz unterthänigst aufzuwarten, und wird, wie sich dies von selbst versteht, dem hohen Befehle pünktlich gehorsamt werden." entgegnete Thorsch anfänglich fest, aber am Schluffe des Satzes gerieth seine stimme doch in ein bedenkliches Schwanken. Der Oberstburggraf sah ihn scharf an, er verstand ihn nicht, aber das Princip des Unfehlbarseinmüssens für einen österreichischen Beamten jener Zeit, war bei diesem selbst so eingewurzelt, daß er auch dem gering geachteten Jaden gegenüber, keine Schwache zeigen, diesen nicht erkennen lassen wollte, daß er ihn nicht verstehe; und er überließ es diesem, die Angelegenheit durch einige Worte, die er nothwendig seiner Antwort anfügen mußte, zu erläutern. „Euer Excellenz geruhten zu befehlen," fuhr der Synagogenvorsteher mit einer Verbeugung fort, „daß David Leb Magdeburger an einem der hohen Feiertage in der Altneusynagoge den Schofar blase. Es ist wohl Euer Excellenz bekannt, daß der höchste und gefeierteste aller jüdischen Festtage, der Bersohnüngstag ist, ein Tag der vollständig und ausfchlußlos der Gottesverehrung und dem beschaulichen Leben gewidmet wird. Wir glaubten," wieder zitterte Thorsch's Stimme ein wenig, trotzdem ein leichtes Lächeln über fein Gesicht huschte, „daß wir den hohen Intentionen Euerer Excellenz am