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Der Israelit · 1877-10-10 · Heft 41 (10.10.1877) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 41 (10.10.1877)
Date
1877-10-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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979 Zeitungsnachrichten nnd Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, im October. Die hier erscheinende „Moguntia' veröffentlicht aus einem alten Mainzer Tagebuche Notizen, unter welchen sich auch die nachstehende für die damaligen Zustände charakteristische befindet: „Oiroa Michaelis in Doctorem medicinae ereatus fnit Judaeus Homburg nomine . januis tarnen clausis et sine Insignibus prim frequentavit, examinatus fuit et demonstrationom medieam loeo disputationis fecit. Promittere debuit aegnotos monendi, de susceptiune sacramentorum. (Um Mich, (d I.1788) ist ein Jude Namens Homburg zum Doctor der Medicin ernannt worden, jedoch bei verschlossenen Thüren und ohne Auszeichnungen; er wurde vorher examinirt und machte statt einer Disputation eine medicinische Beweisführung. Auch mußte er versprechen, die Kranken zum Empfange der Sacramente zu mahnen)" Ein Tochtersohn jenes Pr. Homburg (die Familie nannte sich später Hamburg), Herr Banguier Joseph Fulda ist gegenwärtig einer der Vorsteher der israel. Religionsgesellschaft zu Mainz. Vom Rheine, im October. Es ist eine wohl nicht wegzuleugnende Thatsache, daß die Zahl der Nerven-, Gemüths- und Geisteskranken in neuerer Zeit bedeutend zugenommen hat, und daß der Grund dafür in den durch die Industrie uud allerlei politische und sociale Verhältnisse gesteigerten Anforderungen, die an den Einzelnen und die ganze Nation herantreten, zu suchen sei. Selbstverständlich ist es, daß auch unter den Israeliten, die nach ihrer Gleichstellung mit Andersgläubigen , besonders hervorragenden Antheil an den geistigen Fortschritten, an der Hebung der Industrie rc. genommen haben, derartige Kranke sich häufiger finden als früher. Während man nun, wenigstens in großen Städten, prächtige Krankenhäuser für körperlich leidende Israeliten errichtet, ist für die armen Geisteskranken wenig gesorgt; selbst schon bestehende jüdische Heil- und Pflegeanstalten sind kaum bekannt Und doch ist es gerade für Gemüthskranke, die in streng-jüdischen Häusern erzogen sind, ganz besonders nothwendig, daß sie in eine Anstalt kommen, in der sie die jüdischen Gebräuche von ihrer Umgebung befolgt sehen und selbst befolgen können, und jüdische Kost erhalten. Wie oft kommt es nicht vor, daß derartige Kranke den Genuß unerlaubter Speisen ganz verweigern oder doch damit eine große Sünde zu begehen glauben, für die ihre Krankheit die gerechte Strafe sei rc., Verhältnisse, die gewiß nicht günstig auf den Verlauf und die schnelle Heilung solcher Leiden einwirken. Es scheint mir deswegen gerechtfertigt auf die Heil- und Pflegeanstalt für isr. Gemüthskranke aufmerksam zu machen. die im Jahre 1870 von Herrn Meyer Jacoby in dem schön gelegenen und gesunden Orte Sayn errichtet wurde. Dieselbe, von einem großen Garten umgeben, ist auf das zweckmäßigste eingerichtet und steht unter der ärztlichen Leitung eines jüdischen Arztes, dcr seine Wohnung in der Anstalt selbst hat. Den Lesern des „Israelit", die in der traurigen Lage sind, für ein Mitglied ihrer Familie ein Asyl wählen zu müssen, können wir diese Anstalt bestens empfehlen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Aus Komorn macht man einem ungarischen Blatte von einem Vorfälle Mittheilung, der an und für sich sonderbar genug ist, dessen Motive überdies schwerlich auf Wahrheit beruhen dürften. Im dortigen israel. Tempel werden — so wird gemeldet — wie fast überall im Lande, die Sitze an dis einzelnen Gemeindemitglieder vermiethet. Kurze Zeit vor dem Verföhnungstage erklärte nun der Vorstand, daß Denjenigen, welche keinen Sitz gepachtet haben, der Eintritt in den Tempel verboten sei. Fünf jüdische Soldaten der Komorner Garnison begaben sich jedoch trotzdem am Versöhnungstage in die Synagoge. Sofort stürzten sich die /Anwesenden auf dieselben und versuchten ihnen die Bajonnete zu entreißen. Die Soldaten gaben dies selbstverständlich nicht zu, und es entspann sich binnen wenigen Minuten ein Faustkampf, an dem sich der größte Theil der Judenschast lärmend und fluchend betheiligte. Die Frauen liefen kreischend von der Galerie herab, doch fanden sie die große Thüre der Synagoge, in welcher der erbitterte Kampf tobte, verschlossen. Auf das Jammern der Frauen kam endlich die Wache herbei, welche mit gefälltem Bajonnet in den Tempel drang und daselbst die Ordnung herstellte. Die Israeliten liefen noch lange in ihren flatternden Gebetmänteln auf der Straße umher. Schließlich trat wieder andächtige Ruhe ein und wurde der Gottesdienst ungestört fortgesetzt. Frankreich. Paris. (Monatsbericht sSeptbr.) der „All. Isr. Univ.) .

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