Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1877)
- Date
- 1877-10-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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978 Mrarischkr Aerichi. Die Geschichte des jüdischen Volkes und seiner Literatur vom babylonischen <xile bis auf die Gegenwart. Uebersichtlich dargestellt von Dr. 'S« Bae<k Rabb. der Synagogen-Gemeinde zu Lissa. — Lissa (Posen) 1877. T h. Scheibe lffche Buchhandlung. Jede neue Behandlung der Geschichte des jüdischen Volkes verdient die aufmerksamste Beachtung der jüdischen Presse, nicht nur wegen der Bedeutsamkeit des lange Jahrhunderte so spärlich beachteten Gegenstandes, sondern ganz besonders deßhalb, weil dieses so hochwichtige Gebiet der jüdischen Geschichtsforschung bis jetzt fast als ausschließliche Domäne der radikalsten Neologie angesehen werden muß, und jeder neue einschlägige Versuch deßhalb zu der Hoffnung berechtigt, daß er schlimmer als die Leistungen eines Jost, Geiger und Grätz jedenfalls nicht ausfallen könne, also unter allen Umständen einen Fortschritt bedeutet. — Aber selbst, wenn wir den umfangreichen geschichtlichen Forschungen dieses Triumvirats bereits eine jüdische Gesäichisdarstellung zu verdanken hätten, die kein verschwommenes Conglomerat von Wahrheit und Dichtung wäre, die nicht auf fast jeder Seite von tendenziöser und pietätloser Zustutzung der Quellen zeugte, so bliebe doch ein kurz-gefaßtes Handbuch der jüdischen Geschichte ohne „verwirrenden Notizenkram" ein dringendes Bedürfniß, wenn die Kenntniß der jüdischen Geschichte populär werden soll. Mit lebhafter Freude begrüßen wir daher die uns vorliegende erste Lieferung dieses Buches, und bedauern, daß es eben nur die erste Lieferung ist, die uns vorliegt. Denn wenn auch dieser erschienene Theil, der ganzen Aufastung des Geschichtsstoffes, der Art der Darstellung nach, auf eine gesetzestreue Auffassung schließen läßt, so wäre doch wenigstens ein Einblick in die erst für die letzte Lieferung in Aussicht gestellte Vorrede erwünscht gewesen. Ohne eine solche, welche die Principien des gesetzestreuen Standpuncts dalegr. ist man genöthigt, ihn aus dem Buche selbst zu folgern, was oft mißlich ist, und irrige Meinungen zu Ungunsten des Buches veranlassen kann. — Wir wollen dies an der Hand einiger Beispiele darthun. Wenn gelegentlich der Rückkehr aus dem babylonischen Exil nach Judäa ic. von Cyrus (S. 8.) gesagt wird: „Auf diesen König wiesen die unter den jüdischen Gefangenen lebenden Propheten als auf das Werkzeug hin, welches Gsich auserkoren, um Babylonien zu vernichten und die jüdischen Exulanten zu erlösen" — so enthält dieser Satz nichts Anstößiges, sobald wir aus des Vers, eigenem Mund darüber unterrichtet sind, daß seine Geschichte auf den Grundsätzen des traditionell überlieferten Judenthums basiren soll- J'.r dies aber nicht der Fall, müssen wir daher erst jeden einzelnen Satz nach dem religiösen und wissenschaftlichen Standpunkt seines Autors fragen, so vermißt man die Thatsache von der c. 150 Jahre schon vorher ausgesprochenen hierhergehörigeu, jesaianischen Prophezeihung, oder muß in den angeführten Worten eine indirecte Anerkennung der bibelkritischcn Legende vom Deutro - oder gar Pseudojesaias conslatireri. — Schwerer wiegt folgende Unterlassungssünde. — Die vorliegende Geschichte nimmt von mehreren wunderbaren Erscheinungen gewissenhaft in derselben Weise Notiz, wie sie sich in den talmudischen Quellen überliefert finden. Bei der Darstellung des Chanukahfestes aber suchen wir vergebens irgend eine Erwähnung jener wunderbaren Fügung, mit welcher im jüdischen Schriftthum die achttägige Dauer des cehanukafestes und seine Feier durch Lichtanzünden begründet wird. — Daß der Verf. dieses Factum mit Graetz für „eine dem babylonisch - jüdischen Kreise entstammte Sage von dem Oelkrügelchen" ansieht, läßt sich nach der sonnigen Haltung des ganzen Buches nicht gut annehmen, und doch ist das "Votio der Weglassung sonst kaum zu erklären. — Die Vorgänge, welche de.u Buge Esther zu Grunde liegen, also die Geschichte des Purimfestes . finden auffallenderweife ebenfalls gar keine Erwähnung. Diese und einige ähnliche Ausstellungen ausgenommen, können wir das Buch wegen seiner ganzen Auffassung des geschichtlichen Stoffes, der übersichtlichen Ordnung derselben und besonders wegen der sehr fließenden Diktion, nur lobend erwähnen. Es warm zu empfehlen, werden wir nicht anstehen, sobald es uns vollendet vorliegt, und den Erwartungen entspricht, die wir an dasselbe knüpfen. — Schon im Interesse unserer Schulen, denen ein übersichtlich geordnetes Handbuch der jüd. Geschichte sehr Noth thut, sehen wir mit Spannung der Fertigstellung des Buches entgegen, was nach der Versicherung der Verlags-Handlung noch im Laufe dieses Jahres geschehen soll. Das ganze Buch wird in fünf Lieferungen ä J Mk. erscheinen; um das Buch seiner Zeit jedoch als Schulbuch einführen zu können, wird eine Preisermäßigung geboten erscheinen.