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Der Israelit · 1877-10-10 · Heft 41 (10.10.1877) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 41 (10.10.1877)
Date
1877-10-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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976 Ich bitte, geehrter Herr Doctor, mir über diese Angelegenheit recht bald Ihre geschätzte Meinung zu übermitteln. Mit Hochachtung Isaak Eichelbaum." Wir wollen nun die hier angeregte Frage einer gründlichen Besprechung unterziehen. Schon vor circa 6 Jahren wurde uns mitgetheilt, daß Glycerin zur Bereitung von Bier verwendet wird. Wir wandten uns damals an unsern seitdem leider verstorbenen Freund, den Direktor des Vereins für chemische Industrie, Herrn Heinrich Dieze, und baten um dessen Beihilfe bei Eruirunz der Angelegenheit. Derselbe, damals gerade im Begriff, eine Reise durch Süddeutschland (namentlich Bayern) und die Schweiz zu machen, zog überall die sorgfältigsten Erkundigungen ein, was ihm als wissenschaftlich gebildetem, gediegenem Fachmanne sehr leicht wurde. Das Resultat vieser Erkundigungen und Nachforschungen war folgendes: In allen größeren und bedeutenderen Brauereien wurde kein Glycerin verwendet. In kleineren Brauereien kam es allerdings vor, daß, wenn bei der Fabrik..tion ein Fehler geschehen mar, man diesen durch Beimischung von ganz geringen Quantitäten von Glycerin zu repariren suchte. Diese Beimischung müsse aber verschwindend klein und gering sein, weil sonst das Bier einen widerlichen Beigeschmack erhalte, der namentlich nach dem Genüsse desselben hervortrete. Jeder Sachkundige sieht ein, daß nach dieser Darstellung des Sachverhalts eine Befürchtung in Bezug auf den Genuß des Bieres von Seiten gottesfürchtiger Israeliten nicht mehr vorlag. Kam es überhaupt nur in den seltensten Fällen vor, daß Glycerin dem Biere beigemischt wurde, und war selbst in diesen seltenen Fällen die Beimischung eine verschwindend kleine, so lag überhaupt ein hd’x mm nicht vor. Anders verhält es sich nach dem mehrfach erwähnten Artikel der „Gartenlaube". In den jüngstverflossenen Jahren scheint die Verfälschung der Lebensmittel reißende Fortschritte gemacht zu haben. Es wird behauptet, daß die Beimischung von Glycerin eine ganz gewöhnliche Manipulation sei und als Surrogat für Malz — sieben Liter Glycerin sollen einen Centner Malz ersetzen — vorkomme. Es tritt also an uns die Frage ernstlich heran, ob der Genuß von Bier künftig noch gestattet sei oder nicht. Wir müssen uns zunächst darüber klar werden, was das Glycerin eigentlich ist. Jedes Fett besteht aus einer Fett- oder Oelsäure (Stearinsäure) und einem basischen Körper, dem Lipyloxyd; bei der Bereitung von Seife wird die Stearinsäure aus dem Fette ausgeschieden, damit sie sich mit einem Kali verbinde. Diese Verbindung der Stearin-Säure mit Kali gibt Seife, während' das bei der Verseifung zurückbleibende Lipyloxyd in Verbindung mit Wasser Glycerin oder Oelsäure ergibt. Es ist dies eine widerlich süß schmeckende, farblose Flüssigkeit, die bei starkem Erhitzen sich in das übelriechende Aerolein zersetzt. Der üble Geruch eines ausgeblasenen Talglichts ist nichts als das in dem Talg enthaltene, sich in Aärolein zersetzende Glycerin. Nach unsrer unmaßgeblichen Ansicht ist der Genuß des Bieres trotz etwaiger Beimischung von Glycerin dennoch erlaub:. Unsere Gründe dafür wollen wir im Nachstehenden erörtern. Nach einem für die religiöse Vorschrift feststehenden Grundsätze hört n'^J nra, Fleisch oder Fett von einem gefallenen Thiere, dann auf verboten zu sein, wenn es derart ungenießbar wirD, daß sogar der Hund es nicht mehr verzehrt 2^2 rö'jsü. (Vergleiche Abodah Sarah 68a, Bechorvth 23b Cholin 71a, Nasir 50a, Noda Bijehuda Tbeil 1., Jorc Deah, Response 26). Es treten die verbotenen Substanzen beim Verseifen schon in einen Zustand, der sie ungenießbar macht. (Vergleiche Zemach Zedek, Response 47, der aus diesem Grunde dem Seifensieder gestattet, die Masse zu schmecken, vorausgesetzt, daß er das Aufgenommene sofort wieder aus dem Munde entfernt sausspucktj). Das beim Verseifen gewonnene Glycerin ist völlig ung-nießbar; der Hund würde sich mit Abscheu abwenden, wenn man ihm Glycerin vorsetzen würde. In der That wurde noch vor 20 Jahren das Glycerin als völlig unbrauchbar weggeschüttet, und erst unserer Zeit war es Vorbehalten demselben zur Verfälschung der Nahrungsmittel und zu anderen Zwecken eine Verwendung' zu ermöglichen. Es ist das Glycerin demnach keinenfalls ein iid\x, ob es ein pan iid’x, wollen wir dahingestellt sein lassen. Eine andere Tbatsache ist die, daß das Glycerin nur in verhältnißmäßig geringen Quantitäten dem Biere beigemischt werden kann, so daß die Masse des Bieres bedeutend mehr als das Sechzigfache der Glycerin-Beimischung betragen muß; es wird also von vornherein bü2. Hierbei ist jedoch zu erwägen, daß das Glycerin dem Biere einen süßlichen Geschmack verleihen soll; demnach wäre

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