Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1877)
- Date
- 1877-10-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XVIII. Jahrgang, M 41» Der Israelit. Ein Zentral-Organ für das orthodoxe Judenthum. Hcrausgegeben von Vr. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 10. Oktober 5638 (1877). Diese Zeitung' erscheint wöchentlich einmal. Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs io Reichs - Mark. Man abonnirt ganzjährig» halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die Petitzeile oder deren Raum.— Oestcrreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband oro Jahrgang 12 Reicks-Mark oder 7 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt. Leitende Artikel: Glycerin im Bier. — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Eorresyondenzen: Deutschlands Mainz. Vom Rheine. — Oest. - Ungar. Monarchie: Aus Komorn. — Frankreich: Paris. — Feuilleton: Licht und Schatten. Ipgatk der ersten Aeikager Leitender Artikel: Noch ein Reform-Rabbiner als Talmud-Vertheidiger. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Colberg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Jglau. — Holland: Haag. — Feuilleton: David Leb Magdeburger. Znhatt der zweiten ZSeitage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Rußland: Baranow. — Palästina: Jerusalem. — Amerika: New-2)ork. — Leitender Artikel. Glycerin im Per. Mainz, 2. Oktober. Seit einer Reihe von Jahren wird von gewissenlosen B-auern das Bier mit Glycerin, einem aus thierischen Fetten gewonnenem Stoffe, vermischt; diese Thatsache, bisher ein öffentliches Gebeimniß, hat durch einen Artikel in Nr. 36 d. I. der „Gartenlaube" die weiteste Verbreitung gefunden. Wir erhalten darüber die nachfolgende Zuschrift: „Insterburg, 17. Sept. 1877. Herrn Rabbiner vr. Lehmann, Mainz, i Geehrter Herr Doktor! Ich erlaube mir, Ihnen eine religiöse Frage; zu unterbreiten, in der Heffnung, daß Sie mir dieselbe geneigtest und gerne beantworten werden: Die vorletzte „Ga-tenlaube^ brachte einen in- ' teressanten Artikel über Biervcrfälschungen, worin! zur Evidenz nachgewiesen wurde, daß ein großer! Theil der deutschen Bierbrauereien aus verschiedenen, namentlich aus Billigkeitsgründen dem Biere Glycerin zusetzt. Diese M.inipulation wird von den betr. Brauern durchaus nicht als das, was sie ist, nämlich als eine Verfälschung angesehen, im Gegentheil: die weitverbreitetsten Organe (u. A. eine in Wien erscheinende Brauerei-Zeitung) halten den Zusatz von Glycerin als etwas selbstverständliches und zweckmäßiges. Nun wird Letzteres bekanntlich aus Fett — bezw. Abdeckereiabgängen — gewonnen. Empört sich dagegen nicht der Mensch, so doch der Jude. Das Einzige, was j wir unterwegs oder im Gasthause genießen können, wird uns auf diese infame Weise verpönt. Dem Juden d»s Bier entziehen, heißt fast: ihn aus der öffentlichen Gesellschaft verbannen. Jeden Schritt, den wir dagegen unternehmen, und wir müssen gegen diese Infamie agitiren — thun wir auch im Interesse des allgemeinen Wohles, denn der oben erwähnte Artikel der „Gartenlaube" hat gleichzeitig nachgewiesen, daß Glycerin unverdaulich und daher dem Körper schädlich ist.