Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1877)
- Date
- 1877-10-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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hiermit, die geehrten Leser dieses geschätzten Blattes recht dringend zu bitten, diese überaus wohlthätige Institution mit ihren Gaben reichlich bedenken zu wollen. F e n i l 1 t t o H* David Leb Magdeburger. Prager Ehettobild aus dem letzten Viertel des vor. Jahrhunderts. *) Von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel". VII. Montag, den zweiten Tag nach dem jüdischen Neujahrsfeste, stand Magdeburger, roth erhitzt, in dem Bureau des Oberstburggrafen, der in seinem Lehnstuhl sitzend eine Pfeife rauchte. „Ich bin kein Klatscher, kein Moßer^), kann gar nixrief er, „aber was zu arg is, is zu arg. Wie ich Hab' Excellenzleben Ihr Decort (Decret wollte er sagen) bekommen, bin ich zu meinem Nachbarn gegangen, weil ich deutsch Geschriebenes nit gut lesen kann (das war wahr, er hätte ruhig hinzusügen können, er könne auch Gedrucktes nicht lesen — es.wäre wahrhaftig keine Lüge gewesen), und geh' dann gleich zum Thorsch, was de is der Vorsteher von der Altneuschul', und sag' ihm mit der größten Feinheit: „Ich Hab' da eine Schrift von seiner Excellenz, worin er Ihnen unterthänigst befehlt, Sie möchten die Gnade haben, mich geruhen zu lassen zu blasen in der Altneuschul' . . meinetwegen am zweiten Tag Rosch- Haschono, was bei uns Israeliten heißt der zweite Tag von Neujahr — sagt er nit ja und sagt nit nein — hätt' er nur nein gesagt, auch gut — können wir beide. Sie, Excellenzleben, und ich, ihn nicht zwingen? er is doch Vorsteher, is wahr? nein!?" Der allmächtige Oberstburggraf, vor dem das ganze Land zitterte, lächelte ein klein wenig. „Aber," fuhr Magdeburger fort, „er sagt nit nein, weil er sich geforchten hat vor Ihnen, Excellenzleben — er geht hin und schweigt. Mein' ich, es is ihm recht. Wie man am zweiten Tag Neujahr mit dem Leinen — das heißt bei uns Israeliten das Vorlesen aus der Thora — fertig is, zieh' ich mir, wie sich's gebührt, mein'n Kittel und *) Jeder Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden, Uebersetzungsrecht Vorbehalten. 1) Denunciant. Häub'l an — wissen Sie, was das is, Excellenzleben? das sind weiße Sterbekleider, warum? wenn man thut blasen oder vorbeten an den hohen Feiertagen, muß man ganz aussehen wie wenn man todt war'. Wie ich dann schön pomalich hinaufgeh' auf den Almemor ^), steht oben mein lieber Rebbe Reb Mosche Lasch, auch in Kittel und Häub'l — nun, was soll ich thun? So!l ich sagen, i ch will blasen, wenn Reb Mosche Lasch will blasen? Geh' ich wieder herunter — stellen Sie sich vor, Excellenzleben, — un muß mir mein'n Kittel un Häub'l ansziehen! Sie, Excellenzleben, lachen;" fuhr Magdeburger eifrig fort, als der Oberstburggraf ein leichtes Mundverziehen nicht zu unterdrücken vermochte; „aber so e Gesund aus mir, Excellenzleben, wie Sie nit lachten, wenn S i e in Kittel und Häub'l, mit dem Schofar unter'm Arm, auf dem Almemor hinauf tanzten — und sähen den Rebbe Reb Mosche Lasch oben stehen, und er . . Der Oberstburggras fing jetzt an ganz gehörig und tüchtig zu lachen. Die lebhafte Fantasie Magdeburgers , der den ersten Cavalier des Landes, den Grafen Lazanski, das Almemor der Altneu- Synagoge betreten sah, um mit Mosche Lasch bezüglich des Widderhornblasens zu concurriren, erschien ihm doch zu komisch. „Was also meint Er, Magdeburger, soll ich jetzt thun," frug der Gras, nachdem er sich die Lachthränen von den Backen gewischt hatte, „dieser Samuel Thorsch . . . oder wie der Mann heißt, verdient wohl eine tüchtige Lection, — denn wenn der Herr Synagogenvorsteher glaubt, er brauche meine Entschließungen gar nicht zu beachten, so befindet er sich in einem für ihn gefährlichen Jrrthume!" Mageburger erschrak heftig. „Um Gotteswillen, Sie werden doch nit, Excellenzleben, dem guten, braven Menschen etwas zu Leid thun wollen?" Wieder mußte der allgewaltige Mann wider Willen lächeln. „Weiß Er, Magdeburger, Er fängt an, mich zu tyrannisiren. Er ist ja ein förmlicher Despot . . . Um Alles in der Welt, sag' Er mir nur, was Er denn eigentlich haben will; denn ein so feiner Kopf wie Er wird es doch begreifen, daß ich neben seinen Bläsereien auch noch etwas Anderes im Kopfe habe. Das Königreich Böhmen ist ja hübsch groß, und darin gibt es neben Seinen Affairen immer auch noch andere, worunter einige 2) langsam, ein jüdisch-böhmisches Wort. 3) Tribüne mitten in der Synagoge.