Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1877)
- Date
- 1877-10-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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959 — nehm' Er mir's nicht übel — fast noch wichtigere sind als Seine. Also red* Er deutlich heraus, was Er denn eigentlich von mir will — und dann stör* Er mich nicht weiter . . . Also, soll ich den Samuel Thorsch wegen Mißachtung der höchsten Landesbehörde zu einem Monat Gefängniß bei Wasser und Brod verurtheilen? so red* Er doch . . . Er —" (dummer Kerl, dachte d^r Oberstburggraf, ohne es auszusprechen). Aber der biedere Magdeburger zuckte empor wie die Löwin, der man ihr Junges rauben will. „Nit schlecht!" rief er erschrocken, und vor Angst stockte ihm einen Moment der Athem. „So sollen Sie und ich gesund und geruht sein — wie ich Vas nit zuzeb* -- das war' noch schöner als schön! Für die Müh*, was sich Thorsch mit der Synagoge nimmt, kehr") man ihn noch einsperren! Noch e Gut's von Ihnen, Excellenzleben, as Sie noch sagen bei Wasser und Brod," fuhr Magdeburger ingrimmig und ironisch fort; „tommer^) geben Sie ihm, Excellenzleben, e ganzen Monat gar nix zu essen . . . Haast e Spekalation!" „Jetzt reißt mir aber wirklich schon die Geduld; jetzt hör' ich Ihn schon eine volle halbe Stunde an und weiß noch immer nicht, was Er will," rief der Graf. „Also sag* Er mir, was würde E r an meiner Stelle thun . . . aber, wenn es Ihm gefällig ist, mach' Er's so kurz ... als es Ihm eben möglich ist . . „E so! das sind wieder andere Red* — so hör* ich Ihnen gerne — also, Euer Excellenzleben, Sie müssen um den Thorsch schicken, und geruhen ihm gnädigst zu sagen: Mein lieber Herr Thorsch..." 4) sollte. 5) vielleicht, etwa. „Nun, die Worte braucht Er mir gerade nicht in den Mund zu legen; die Stylisirung werd* ich schon allein zuweg* bringen; sag* Er mir nur rasch den Inhalt" — und der Oberstburggraf stampfte schon ein wenig mit dem Fuße. Magdeburger war offenbar durch Diese rüde Unterbrechung außer Fassung gebracht, und der herrliche Periodenbau, den er sich mühsam construirt hatte, war aus den Fugen gerissen. Herr David Leb Magdeburger fing daher wieder von vorne an. „Sie müssen geruhen ihm zu sagen: Mein lieber Herr Thorsch; das is gar nit schön von Ihnen — as Sie sich aus dem braven David Leb Magdeburger e Narren machen — und lassen ihn auf dem Almemor hinaufgehen in Kittel und Häub'l un lassen ihn nit blasen — was heißt das — ist das eine Benehmung? — wenn Sie hätten haben wollen, daß er soll nit blasen, so red* ich gleich ritzrothe Rüben6) heraus — un mach* keine Schweigereien un Falschheiten — und . . . dann muffen Sie ihm sagen, as . . Magdeburger schien dem Oberstburggrafen noch eine recht lange, ergiebige Instruction ertheilen zu wollen; aber dieser erhob sich nun lachend, klopfte Magdeburger gütig und vertraulich auf die Schulter und sagte scherzhaft: „Lieber Magdeburger, ich glaube jetzt, nach Seiner lichtvollen Auseinandersetzung, Seine Intentionen vollständig erfaßt zu haben, geh* Er jetzt mit Gott," und als der Schwätzer trotzdem doch noch weiter plauderte, läutete der Oberstburggraf und befahl dem eintretenden Amtsdiener: „Ich laß den Herrn Gubernialrath Baron von Heunet bitten . . ." „Also, Excellenzleben, e guten Tag un e gut Jahr!" (Fortsetzung folgt.) 6) deutlich, unzweideutig. ANZEIGEN. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Stelle-Gesuch. Für ein Mädchen, das seine Ausbildung in höheren Anstalten genossen, vermöge dieser sowohl in Elementarfächern, als auch in deutscher, englischer und französischer Sprache und Clavier Unterricht ertheilen kann, auch große Gewandtheit in weiblichen Handarbeiten besitzt, wird passende Stellung in einem israel. Pensionat oder in einer gntenFamilie gesucht. Näheres auf Francoanfragen unter R. O. postlagernd Worms. [2430