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Der Israelit · 1877-10-03 · Heft 40 (3.10.1877) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 40 (3.10.1877)
Date
1877-10-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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957 die Leute zu je Zweien, in langer Kette miteinander verbunden, zusammen siebzig. Auf freiem Felde angelangt, wurden sie jedoch durch dieeskortirenden vier russischen Soldaten nackt entkleidet und nun begann man sie abzuschlachtcn. Eines der Opfer, unbemerkt entkommen, traf auf russische Truppen, erzählte die Vorgänge und bewog den Commandauten, Hilfe zu schicken. Die ausprengenden Dragoner fanden nur noch den dritten Theil bei Leben. Diese sammt den in Kasanlik Zurückgebliebenen wurden unter Bewachung von Russen durch 34 Tage zu Fuße, theilweise ganz nackt, hierher transportirt. Mehrere starben während des Transportes in Folge der Strapazen, Mißhandlungen und Nahrungsmangel. Das physische Aussehen der hier Angekommenen, welche im Tempelhof liegen, spottet jeder Beschreibung. Alle sind bis auf die Knochen abgezehrt, starrend vor Ungeziefer und Schmutz, ihre Kleidung, halb verfault, hängt in Fetzen, die meisten sind mit Hieb¬ und Stichwunden bedeckt. Aus allen Gesichtern starrt Apathie und zeigten sich erschreckende Wahnsinns-Symptome. Alle gleichen vollständig wandelnden Leichen und bieten einen wahrhaft erschütternden, herzzerreißenden Anblick." Der Zufluß von Flüchtlingen nach Adrianopel hat seit den günstigen Waffenerfolgen der Türken beinahe ganz aufgehört, nachdem dieselben die Summe von 20,000 überschritten hatten. Ein Theil der Flüchtlinge ist wieder nach Kasanlik, Jeni- und Eski-Saghra zurückgekehrt, während die Zurückgebliebenen theils aus den Mitteln des obgenannten Vereins, theils auf Kosten der Stadtbewohner erhalten werden, von denen jeder etwas Vermögliche, der nicht vier Flüchtlinge iu Verpflegung und Wohnung nimmt, monatlich zwei türkische Pfund zur Bestreitung der diesbezüglichen Auslagen beitragen muß. Juden allein flüchtet en nach Adrianopel über tausend Seelen, die, obwohl siet äglich über taufend Piaster zu ihrer Erhaltung benöthigen, dennoch von der dortigen Judengemeinde beinahe ausschließlich versorgt werden. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Stratzburg. Die Verwaltung der israel. Gemeinde zu Straßburg und das Consistorium des Nieder-Elsaß haben ein Circular in Bezug auf die Errichtung einer neuen Synagoge dahier veröffentlicht. Der Bürgermeister hat eine große Betheiligung an den Baukosten Seitens der Stadtbehörde in Aussicht gestellt. (Un. Jsr.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pesth. Am wurden dahier im Tempel der israel. Gemeinde 12,000 fl. zu Gunsten der türkischen Verwundeten gespendet. (W. Jsr ) Frankreich. Paris. Der jüngst verstorbene Hyppolyte Worms hat den israel. Institutionen zu Paris 62,000 Frs., der Gemeinde Metz 100,000 Frs., derjenigen zu Bordeaux 2000 Frs., dem 9. Arrondissement zu Paris 11,000 Frs. hinterlassen. Der Betrag der Schenkungen zu wvhlthätigen und religiösen Zwecken, für Diener, Beamte u. s. w. erreicht die Höhe von 440.000 Frs. (Un. Jsr.) England. Bterdford. Der vor Kurzem verstorbene Karl Semon, Israelit, ehemaliger Bürgermeister der hiesigen Stadt, stand in so hohem Ansehen bei den Einwohnern der Stadt, daß sein Begräbniß auf Kosten der Stadt veranstaltet wurde. Er hatte auf eigne Kosten ein Hospital für 12,000 L. errichten lassen und es der Stadt geschenkt; ferner versichert man, daß sein Testament Vermächtnisse zu Gunsten der Schulen der Stadt im Betrage von 30—40,000 L. enthalte. (Un. Jsr.) Palästina. Jerusalem. Die vier Monate lang verschlossen gewesenen Gebäude der "np’3 - Gesellschaft sind wieder eröffnet und vollständig zu einem Hospital eingerichtet worden. Ein französischer Arzt wurde angestellt, und bereits hatten mehr als 100 Kranke Aufnahme gefunden, die später als geheilt entlassen werden konnten. An der Spitze der Gesellschaft stehen thatkräfrige Männer, die Zeit und Geld opfern, um das Spital in Stande zu halten. Seit der Wiedereröffnung wurden per Monat 600 Franken verausgabt. Viele Kranke, die keine Aufnahme finden können, erhalten an bestimmten Tagen der Woche unentgeltlichen Rath und Arznei vom Arzte. Die Mittel der Gesellschaft reichen aber nicht hin, um die Kosten des Spitals in bisheriger Weise zu bestreiten. Der Vorstand ist auf die gütige Unterstützung der wohlthätigen Glaubensgenossen des Auslandes angewiesen und erlaubt sich derselbe

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