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Der Israelit · 1877-10-03 · Heft 40 (3.10.1877) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 40 (3.10.1877)
Date
1877-10-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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956 Cohen erzählt: „Den Soldaten war erlaubt, 24 Stunden lang zu plündern, und das war das Signal für die Bulgaren, über uns herzufallen. Die Russen haben uns Juden nichts gethan, ja, als sie die Schlechtigkeit der Bulgaren gesehen, haben sie. uns geschützt. Weil wir vier Tage, in Frieden lebend, unsere Geschäfte fortsetzen, unfern Handel wie früher betreiben konnten, haben wir uns auf nichts Arges vorbereitet; wir haben nichts verborgen, nichts für die Flucht vorbereitet, wir lebten wie früher. Plötzlich haben die Bulgaren angefangen, uns zu quälen. Der Eine hat Geld verlangt, der Andere Waare, der Dritte Gerüche. Wir sahen, daß sie Böses wollten und gaben ihnen, was sie verlangten, um sie zu beschwichtigen. Sie gingen fort, aber nur um ein zweites Mal mehr zu verlangen. Als wir unser Geld hergegeben, kamen sie in die Häuser, durch die Thüren und Fenster sind sie eingedrungen und was im Haus war, haben sie fortgetragen, bis auf den letzten Lössel, bls ans den Teppich, der den Boden bedeckte. Das war noch nicht genug. Darauf gingen sie über die Magazine. Eines der größten war das von Besusan. Sie sagten, er habe darin Türken versteckt, er solle es öffnen Sie nahmen die Schlüssel und plünderten das Magazin vollständig aus. Dann hatten wir wieder einige Tage Ruhe.' Da kam der Samstag. Abends waren wir Alle im Hofe des Tempels. Bulgaren kamen herein und verlangten Geld von uns, es waren ihrer fünf. Einer hatte einen Revolver in der Hand, die Anderen stellten sich an die Thüren. Was Jeder von uns bei sich hatte, gab er her. Samuel Canettl, den reichen Saraph (Wechsler), der mit einem Konstantinopeler Haus in Compagnie steht, den führten sie fort und erschlugen ihn im Felde. Sonntag war Ruhe. Moniag kamen sie wieder über uns, nchmen unser Vieh, unsere Pferde und singen an, uns zu schlagen und aus unseren Häusern fortzutreiben. „Lauft nach Schipka," schrieen sie, weil sie glaubten, daß dort die Bulgaren noch ärger uns mißhandeln werden. Wir schrieen um Hilfe, da kamen russische Soldaten herbei und sagten die Bulgaren fort; aber Einige von uns lagen schon todt auf dem Boden! Es sind dies Celebon Assa, Juda Leivi, David Hadjl, Juda Assa, Bochor Berach, Salomon Berach d. I., Michael Samas, Cham Sabath Berach und seine Frau. Wir wehklagten und liefen fort. Die russischen Soldaten und die Lieferanten, welche Juden sind, gaben uns Brod und mietheten Wagen, welche uns nach Schipka führen sollten. Vor der Stadt überfielen uns wieder die Bulgaren, sie schändeten vor unseren Augen eine Frau Masellow, die Tochter des Awram; Sultan«, die Tochter des Celebon , des Arztes; Rena, die Tochter des Isaak Berach; Letztere starb in Folge der Gewaltthat; Sarah, die Tochter des Awram Lewi und die Frau Sarah des Präsente Maser. Die bulgarischen Kutscher raubten uns Alles, was wir noch hatten und zu Fuß mußten wir nach Schipka wandern. Der russische General empfing uns gut, gab uns einen Brief, daß wir guie Leute sind und daß man uns nichts thun sollte und ließ uns nach Gabrowa führen; dort bekamen wir wieder einen Brief nach Ticnowa und von dort kamen wir ungehindert bis nach Rumänien. Die russischen Juden versorgten uns mit Brod und verschafften uns von Strecke zu Strecke Wcnen, und Dank ihrer Hilfe sind wir hier. Aber 12^ von uns sind in Kasanlik geblieben und Niemand weiß, was aus ihnen geworden." Ich habe fast wörtlich mitgetheilt, was ich von den genannten Personeir vernommen habe. Die israelitisch - türkische Gemeinde und die „ Alliance Jsraölite" h.ier sind bereits in Thätigfeit, um sich der Flüchtigen anzunehmen. Daß unser Generalconsul sich für sie auf meine Bitte verwenden wird, habe ich bereits erwähnt. Ein Aufruf wird den Wi.mer Journalen speciell zugesendet werden, weil man an das Herz der Wiener nie vergebens appellirt; dies war der erste Gedanke, den das türkisch - Israel. Cornite hier gefaßt hat. Ich zweifle nicht, daß von allen Seiten Gaben für diese Unglückticher. einfließen werden. Aus'Bukarest, 17. Sept., berichtet man dem „Pesther Lloyd": „Vorgestern kamen hier 359 spanische Juden an, welche der Niedermetzelung durch die Vulgaren und Kosaken in Kasanlik entrannen. Mehr als die zweifache Anzahl ward hingeschlachtet. Was mir über deren Leiden von Betheiligten erzählt wird, übersteigt jeden Glauben. Durch die Proklamation des Großfürsten, welche allen türkischen Einwohnern ohne Confessionsunterschied Schutz und Sicherheit versprach, in Vertrauen und Sorglosigkeit eingewiegt, kehrten sie aus den Wäldern um Kasanlik zurück. Sie blieben so lange unbehelligt, als die russische Armee dort war. Bei Abzug der Russen in die Schlacht gegen Karabunar begannen jedoch die Bulgaren und Kosaken unter der Aegide der russischen Polizei mit beispielloser Bestialität ihr Bluthandwerk. Mädchen wurden unter den Augen der eigenen Eltern geschändet und dann hingeschlachtet; Säuglinge wurden mit Lanzen an Thüren und Thoren geheftet, Männer bei lebendigem Leibe geschunden, Greise gepfählt. Eine Abteilung russischer Leuchtenberg-Dragoner, welche glücklicherweise durch Kasanlik marschirte, machte dem Btutbade ein Ende. Zur Sicherheit befahl der Commandant, die Juden nach Schipka zu transportiren. Die Bulgaren - Polizei fesselte

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