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Der Israelit · 1877-10-03 · Heft 40 (3.10.1877) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 40 (3.10.1877)
Date
1877-10-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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952 Tage mehrere achtbare Gemeindemitglieder veranlaßt fanden, eine Sammlung für jene Opfer der bulgarischen Grausamkeiten zu veranstalten. Das Resultat dieser Sammlung, die übrigens noch nicht geschlossen ist, verspricht sehr befriedigend auszufallen. Baron Albert v. Rothschild betheiligte sich an der Collecte mit 1500 fl., Baron Kö n i gswarter mit 1000 st., Baron Springer mit 500 st , Ritter v. Ephrussi mit 300 fl., außerdem hatte die „Alliance Jsraölite" sofort einen entsprechenden Geldbetrag nach Bulgarien expedirt. Feuilleton. Ficht und Schatten. Erzählung von Friedrich Rott. IV. Es war Mittag, der Tisch war sabbatlich gedeckt; auf dem Teller des Hausherrn lagen zwei geflochtene Brode, von einer reichgestickten Decke verhüllt, daneben befand sich eine Flasche funkelnden Weines und ein silberner Becher. Ein großer duftiger Blumenstrauß erfüllte das einfache aber geschmackvoll eingerichtete Zimmer mit süßem Wohlgeruch. Der alte Grün, sein jüngster Sohn und seine Tochter befanden sich in demselben, doch noch nicht beim Speisen; denn der älteste Sohn war ganz gegen seine Gewohnheit nach Beendigung des Gottesdienstes nicht nach Hause gekommen und der Later konnte sich nicht entschließen, am Sabbat ohne seinen Lieblingssohn zu Tische zu gehen. In der sichern Voraussetzung, daß er doch nicht mehr lange ausbleiben werde, hatte er bereits in seinem Lehnsessel am Tische Platz genommen und war mit einem Buche in der Hand, den Sohn erwartend, eingeschlummert. Der alte Grün, ein rüstiger Sechziger, war noch immer ein schöner Mann, sein ältester Sohn sah ihm auffallend ähnlich, in jüngern Jahren mußte der Vater ganz wie er ausgesehen haben. Sie waren beide von gleicher Größe, hatten dieselben dunkeln feurigen Augen, dasselbe volle krause Haar, das bei dem Vater allerdings bereits vollständig ergraut, während es des Sohnes frisches Antlitz in dunkelm Blond beschattete; auch die Züge beider waren dieselben mit demselben heiteren geistvollen Ausdruck. Der jüngere Sohn hatte jedoch mit Beiden auch nicht die entfernteste Aehnlichkeit. Mit seiner schmächtigen Figur, seinem bleichen, scharf markire n Antlitz, seinem glatten, schwarzen Haar war er vielmehr ganz das Ebenbild seines Onkels, eines Bruders seiner verstorbenen Mutter. Und dieser Onkel, ein reicher Fabriksbesitzer in der Nähe der Stadt, hatte eine entschiedene Vorliebe für den Neffen, der in mannigfacher Beziehung ihm glich, und war es sein sehnlichster Wunsch, seine jüngste Tochter, das einzige Kind seiner zweiten Frau, und Haupterbin seines collosalen Vermögens, mit seinem Neffen zu vermählen; er Hatte daher seinen Schwager schon wiederholt aufgefordert, Eduard in sein Geschäft eintreten zu lassen, indem er die Versicherung gab, daß er dann auch für seine fernere Zukunft Sorge tragen werde. Doch der Vater, ein ernstfrommer Mann, hatte sich nicht entschließen können, den Sohn in ein Geschäft treten zu lassen, in dem er Sabbat und Feiertage hätte entweihen müssen. Eduard theilte zwar den Wunsch seines Oheims, doch bis vor ungefähr einem Jahre hatte er ohne Murren dem Willen seines Vaters sich gefügt. Seit jener Zeit jedoch hatte er die Bekanntschaft des israelitischen Seelsorgers, des Doctor G . . . gemacht und hatte diesen nicht nur als einen leutseligen, liebenswürdigen Gesellschafter kennen gelernt, sondern auch als einen Mann, der die schönsten , frömmsten Phrasen im Munde führte, und sich dennoch so Manches erlaubte, was Eduards Vater nimmer geduldet, so Manches zu übersehen schien, gegen das dieser eiferte. Das hatte den jungen Mann zuerst stutzig gemacht; doch allmählich, je vertrauter er mit dem Doctor G .... wurde, desto erbitterter wurde er gegen seinen Vater, der ihn, davon hielt er sich jetzt überzeugt, aus purer Laune um das Glück seines Lebens bringen wollte. Im Geschäft, im Hause seines reichen, lebenslustigen Onkels, in stetem Verkehr mit seiner reizenden Cousine, er konnte sich nichts Verlockenderes denken und grollte seitdem dem Vater und den Geschwistern, die in jeder Beziehung des Vaters Ansichten theilten. Rosa lehnte im geöffneten Fenster und blickte hinunter auf die Straße; dos ungewöhnlich lange Ausbleiben des Bruders fing an sie zu beunruhigen. Eduard ruhte im Fauteuil, in der Nische des andern Fensters. „Er kommt noch immer nicht," flüsterte sie unmuthig, „weißt Du nicht, Eduard, wo er sein mag?" wandte sie sich an diesen. Ihr ward keine Antwort, unwillkürlich trat sie einige Schritte näher und wiederholte ihre Frage und nun erst gewahrte sie in der Hand des Bruders ein Portefeuille, in das er einige Notizen niederschrieb. „Eduard!" flüsterte sie voll Entsetzen, „um Gotteswillen, was thust du?"

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