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Der Israelit · 1877-10-03 · Heft 40 (3.10.1877) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 40 (3.10.1877)
Date
1877-10-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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949 setzung der Jsraeliteu in die zweite Classe einer völligen Ausschließung derselben nahezu gleich. Gegen diese Bestimmung verwahrt der Vorstand sich auf das Entschiedenste. „Die hiesigen Israeliten," heißt es in der Eingabe, „hatten selten das Glück, aus denjenigen Räumen, in welchen der Senat tagte, die Initiative zu Verbesserungen ihrer Stellung hervorgehen zu sehen; wir hätten jedoch nicht geglaubt, daß auch derMagistrat eine mißbräuchliche Zurücksetzung der Israeliten nicht nur aufrecht erhalten, sondern noch zu verstärken und zu vergrößern sich entschließen werde, während man sich doch niemals gescheut hat, die israel. Bürger und Einwohner zu den Lasten und Steuern gleich den christlichen Bürgern heranzuziehen, auch wenn die dadurch aufgebrachten Mittel in erhaltchem Maße ausschließlich für Christen verwandt wurden (z. B. für den sog. allgemeinen Almosenkaften, Erhöhung von Dotationen christlicher Geistlichen, Erbauung des Dr. Senckenberg'schen neuen Hospitals rc.). — Wir hoffen hiernach, daß die Stadtverordnetenversammlung der Vorlage des Magistrats die Genehmigung verweigern und darauf bestehen werde, daß, wenn der Kreis der zur Aufnahme Berechtigten und die Zahl derjenigen, welche Gratisverpflegung ihrer Bediensteten fordern können, weit über die bisherigen Grenzen ausgedehnt wird, endlich auch einmal der Wegfall der Zahlungspflicht für christliche Dienstboten der Israeliten anerkannt und ausgesprochen werde; die Gehässigkeit dieser Sonderstellung würde gerade im Hinblicke auf die nach anderen Seiten reichlichst gespendeten Berechtigungen verstärkt und verschärft und ungleich tiefer und bitterer empfunden werden." Thorn, 14. Sept. Zu der am 17. d. beginnenden Schwurgerichtssitzung sind aus Thorn und dem Kreise fünf Israeliten als Geschworene einberufen. Da auf den 17. Sept. das israel. Versöhnungsfeft fällt, welches mit ununterbrochener zwölfstündiger Andacht begangen wird, so suchten die Betheiligten von dem Kreisgerichte eine Befreiung für den Eröffnungstag nach, wurden jedoch sowohl an dieser Stelle wie vom Appellationsgerichte in Marienwerder mit ihrem Gesuche abgewiesen. Die betheiligten Geschworenen beabsichtigen, trotz des abschlägigen Bescheides der Gerichte am Eröffnungstage nicht zu erscheinen und es auf eine Bestrafung wegen Nichterscheinens ankommen zu lassen, um alsdann die Angelegenheit durch alle Instanzen zu verfolgen. " (Ostd. Ztg.) Aus Thüringen. So ist er denn wieder einmal durchlebt, durchfastet und durchbetet der hohe und heilige Tag des Herrn mit seinen hehren Eindrücken, seinen gewaltigen Anregungen und seinem heiligenden Einflüsse; der Tag, der wie eine heilige Markscheide zwischen Vergangenheit und Zukunft in den Jahreswechsel unsrer Lebensjahre gestellt ist; dessen mit wunderbarer Klarheit und Innigkeit das Verhältniß zwischen Gott und Menschem als dem eines Vaters zu seinen Kindern, ausdrückende Einsetzung und Feier einzig dafteht in der Geschichte aller Religionen, wie Gott selbst einzig ist und sein heiliges Wort; der Tag, dessen erhabene Bedeutung von den Bekennern der verschiedensten Religionen anerkannt und geehrt wird. Bei den ernsten Gedanken und Erwägungen, welche an einem solchen Tage das religiös angeregte Gemüth des denkenden und fühlenden Israeliten durchziehen, ist es natürlich, daß dessen innerer Blick die in unsrem Jahrhunderte sich vollzogenen und vollziehenden Entwicklungsphasen des Judenthums durchwandert und dem altern Beobachter sich bei dieser Gelegenheit ein Vergleich zwischen Sonst ur.d Jetzt aufdrängt. Mit Schmerz muß er sich dann gestehen, daß der Vergleich in religiöser Hinsicht nicht zu Gunsten der Jetztzeit ausfällt, trotz des behaupteten Fortschrittes und trotz sogenannter Bildung. Damit soll keinesweges gesägt sein, daß in früherer Zeit Alles vollkommen und Nichts verbesserungsbedürftig gewesen sei. Man wird vielmehr gern zugeben, daß namentlich beim öffentlichen Gottesdienste jetzt auch in den kleinsten Gemeinden mehr Ordnung, Anstand und äußere Würde herrschend geworden ist, als solche früher vorhanden waren. Aber der alte Geist ist aus unfern Gotteshäusern gewichen; das ist das Traurige! „Aeittzere Würde," das ist eigentlich die einzige richtige Bezeichnung für die jetzige Gestaltung unseres öffentlichen Gottesdienstes. Aber die innere Gehobenheit, das innere Ergriffensein, die andachtsvolle Stimmung, von welchen in früheren Zeiten der Gottesdienst an den hohen Festtagen erfüllt war und getragen wurde. der nachhaltige Einfluß. den er dadurch auf das Leben ausübte: wohin sind diese gekommen? Sie klingen leider nur noch wie eine Mythe aus entschwundenen Tagen in unsere Zeit hinein! Und unsre reifere Jugend? Welche Blasirtheit trägt diese auch beim Gottesdienste zur Schau! Welchen Mangel an Gebetsbedürfniß, welche Kälte und Gleichgiltigkeit! Man kommt auf einige Stunden, des Gebotes der Wern, des Urtheils der Welt willen, um nur da gewesen zu sein, ohne inneren Drang und geht ohne innere Erhebung wieder von dannen. Wie anders war es doch in früheren Tagen! Früher lockte der Anblick des feuchten Nasses in einem Beterauge verwandte Perlen bei hundert Andern

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