Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1877)
- Date
- 1877-10-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I £ 948 Nie gestattet er den sinnlichen Begierden in Leidenschaften auszuarten und durch ungestüme Herrschaft alle bessere Ueberzeugung zu vernichten oder zu entkräften. Er weiß, daß Leidenschaft die Vernunft unterjochen, das göttliche Heiligthum in seiner Brust zerstören, ihm die Besonnenheit, die edleren Kräfte, jede Tugend rauben würde. Er weiß, wie schnell eine anfangs leichte Neigung emporwächst, wenn sie nicht unterdrückt wird; er eilt, sie zu bekämpfen, damit er nicht, von der Gewohnheit hingerissen, von der Leidenschaft ergriffen werde. Im Schooße der Erde wächst dem Menschen das Brod, das ihn nährt, und auch die Krone, die des Königs Haupt schmückt, gehört dem Staube an. Der'Erde Gesetz ist ein ewiger Kreislauf; darum nimmt sie den Leib und die Krone zurück. Mit allen köstlichen Gaben waren die ersten Menschengeschlechter ausgestattet: Kraft, Gesundheit, Schönheit des Körpers, Frische des Geistes, eine nicht schwindende Jugend und ein fast tausendjähriges Leb.nsalter; aber die übersprudelnde Kraft, die maßlose Leidenschaft stürzte sie alle in das nasse Grab. Das Irdische gehört dem Staube an und kehrt zum Staube zurück; darum sollen wir lernen, unsre Leidenschaften zu beherrschen, und in Demuth nach dem Göttlichen streben. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 23. Sept. Dem Organe des Breslauerthums , der „Jsr. Wochenschrift", liegt em Literaturblatt bei, in welchem die Jünger der Breslauer Rabbinerschule bald das Buch Jonah Herunterreißen, bald das Buch Esther schlecht zu machen sich bemühen. Um ein Beispiel von der tiefen Gelehrsamkeit dieser Herren anzuführen, möge Folgendes hier erwähnt werden. In der uns heule zugekommenen Nr. 38 und 39 des „Jüdischen Literaturblattes" findet sich ein Aufsatz: „Eine schwierige Stelle in der Mischnah". Und was meint der fachkundige Leser, welche Stelle schwierig sein soll? Die einfache Stelle am Ende des Traclats Sotah, die jedes Kind übersetzen kann: bw itam mrp ^n. „Beim Herannahen der Zeit des Messias wird Galiläa zerstört werden und das Gibelan wüste liegen." Das Wort ist dem Gelehrten des „Jüd. Lit." unverständlich; man hat ihm gesagt, daß es mit „Kneter," zu vergleichen sei. Nun aber hat er ein altes Buch mit einer alten Karte von Palästina (Zürich, 1788) gefunden, in welcher eine Landschaft „Gebalena" verzeichnet ist. Hätte der gelehrte Herr besser die heilige Schrift studirt, so würde er gefunden haben, daß diese Landschaft im Buche Josua Cap. 13, V. 5, p«m, unter den noch uneroberten Ländern erwähnt wird; er würde ferner gefunden haben, daß die Bauleute aus dieser Landschaft die Steine für den Salomonischen Tempelbau behauen halfen (l. B. d. Könige Cap. 5, V. 32); und hätte er besser den Talmud studirt, so würde er gesunden haben, daß die Commentatoren Korban Edah und Pne Moscheh zur Stelle im Jeruschalmi als Ortsnamen mit direktem Hinweis auf Josua Cap. 13, V. 5 erklären; er hätte dann der Züricher Landkarte zur Erklärung der Mischnah nicht bedurft. Mainz, 28. Sept. Wir haben heute an das Central-Comitö der Alliance Jsraelite universelle zu Paris 10t,0 Mark zum Besten der unglücklichen Glaubensgenossen in Bulgarien abgesandt. Mainz, 28. Sept. Für die Abgebrannten in Wilkomir haben wir heute 2000 Mark an das Comite in Memel abgeschickt; es befinden sich darunter 1000 Mark von Herrn Bezirks-Rabbiner Dr Adolph Salven di zu Dürkheim a. d. H. Die Summe der von uns für die nochleidenden Glaubensgenossen zu Wilkomir gesammelten und übersandten Spenden beträgt nunmehr 6000 M. Frankfurt a. M., 19. Sept. Es liegt uns der „Vortrag und die Verwahrung" vor, welche der Vorstand der hiesigen israel. Gemeinde in Betreff des Entwurfes einer Verwaltungsordnung für das Hospital zum heiligen Geist an den Magistrat gerichtet hat. Es wird darin constatirt, daß der vorliegende Entwurf, weit entfernt, die in Betreff der bei Israeliten befindlichen christlichen Dienstboten noch bestehenden mittelalterlichen Ausnahmebestimmungen hinwegzuräumen, den jetzigen Zustand noch verschlimmere. Bisher haben allerdings die Israeliten für ihre christlichen Dienstboten bezahlen müssen, wie auch die christlichen Nichtbürger. Jetzt sollen die christlichen Nichtbürger vollständig den Bürgern gleichgestellt werden. Die Israeliten aber sollen für ihre christlichen Dienstboten nicht nur bezahlen, sondern es sollen die Letzteren überhaupt nur ausgenommen werden, „insofern es die Räumlichkeiten und Mittel des Hospitals" gestatten. Da der Kreis der Aufzunehmenden sich durch die neue Verwaltungsordnung überhaupt bedeutend erweitert, so kommt diese Ver-