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Der Israelit · 1877-09-19 · Heft 38-39 (19.9.1877) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 38-39 (19.9.1877)
Date
1877-09-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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913 Böse ist aber nicht Selbstzweck; der jnn ns», das ist ja der \m, muß kämpfen gegen den Menschen, im Menschen, damit dieser aus freiem, eigenem Antriebe, aus eigener Kraft zu siegen im Stande sei. Und wird der jnn ns» besiegt, dann ist seine Zeit gekommen, rmp non, Loblieder zu singen am Throne Gottes, denn auch er ist ja nichts als eine Wirkende Kraft im Dienste des Allherrn. Kein andrer Kampf ist so gewichtig, so bedeutungsvoll wie dieser. Der Kampf gegen den jnn ny ist es, der uns heute tiefer bekümmert als die Sorge um Leben und Eigenthum. Mächtig ist w'j bv ntv, jener Engel, der Efaw's Princip vertritt, auch in Israels Mitte; viele Söhne und Töchter unsres Volkes dienen ihm, sind von ihm überwunden. Wann wird die Zeit kommen, daß er, überwunden, Jubellieder anstimme am Throne Gottes, die Zeit, in welcher alle Völker das Hüttenfest feiern werden, indem sie alle anerkennen die Einheit Gottes? Von uns hängt es ab, diese Zeit herbeizuführen, indem wir uns bemühen, das Böse zu bekämpfen mit aller Kraft, indem wir Gottes heilige Gebote hochachten und sorgfältig erfüllen, indem wir unsre Kinder in der Gotteslehre und für die Gotteslehre erziehen. Wenn wir mit solchen Vorsätzen in die Gott-gebotene Hütte einziehen, so wird uns das Hüttenfest ein wahrhaftes Freudenfest werden. Zeitvngsnachricbten und Correspondenzen. Deutschland. Darmftadt, n"nj\ Gestern haben wir eine Frau in die Erde gebettet, die es verdient, daß ihr in diesen Blättern ein Nachruf gewidmet werde. Nach kurzem Krankenlager schied von uns Frau A. Haas Wwe., eine Zierde ihrer Familie und Gemeinde, nach zurückgelegtem 69. Lebensjahre. Sie gehörte zu den leider immer seltener werdenden jüdischen Frauencharakteren, die ihre höchste Freude finden in Erfüllung jüdischer Pflicht und Sitte und menschenfreundlichem Wohlthun. Sie war der Stolz ihres sel. Gatten, mit dem sie 46 Jahre in ungetrübter Ehe gelebt und dessen Haus sie mit der altjüdischen Weihe so zu umgeben verstand, daß man dasselbe gerne aufsuchte und sich heimisch darin fand. In diesem Sinne erzog sie die Kinder um so leichter, als sie in Allem ein lebendiges Vorbild war. r\2v und v"' wurden nicht nur streng gefeiert, sondern auch besonders ausgezeichnet; sie war unglücklich, wenn sie die Synagoge nicht besuchen und das Gotteswort nicht hören konnte. Die Psalmen las sie täglich und den Wochenabschnitt versäumte sie nie zu lesen und holte sich bei allen religiösen Zweifeln durch sofort Rath. Mit Glücksgütern reichlich gesegnet, fand sie einen hohen Genuß, Armen und Nothleidenden zu spenden und so beweinen nun gar Viele in ihr die stets sorgsame Spenderin; auch die Armen Jerusalems vergaß sie nie. Sie hatte ihre n^n-Büchse, in die sie Woche für Woche ansehnliche Gaben pN legte. So wie sie gelebt, war sie bestrebt, daß nach ihrem Tode gehandelt werde. Es fand sich ein Brief an ihre Kinder vor, der in der That rührend ist. Sie ermahnt sie, Frieden untereinander zu halten und stets in Liebe miteinander verbunden zu bleiben. Nie von der Frömmigkeit zu lassen und im regelmäßigen Synagogenbesuch — nicht nur während des Trauerjahres — dies zum Ausdruck zu bringen; denn nur in und durch Gottesfurcht könne man glücklich sein. Beigeschlossen war diesem Briefe eine namhafte Summe Geldes mit der Bestimmung, daß vorzüglich damit 4 min noib, die sie selbst namhaft machte, honorirt werden sollten, die während des Jahres zu ihrem Seelenheil nwvD ~)iyw lernen mödjten. Die Gefühlen der Trauer gab am Grabe Hr. Rabbiner Dr. Marx in tiefgefühlten Worten vollen Ausdruck. Er schilderte wahrheitsgetreu ihr Leben, kam zu dem trostreichen Resultate, daß ein Mensch, der so gelebt, eigentlich nicht gestorben, sondern in seinen edlen Handlungen fortlebe, uns Allen als Muster stets vorschwebe und uns auffordere, ihm nachzustreben. Der Hintritt einer solchen npns sei für uns, wie der Midrasch Tanchumi bemerke, *pi nrain Jwbn -pi ]»« ,n»D — eine Mahnung, so zu leben, daß auch wir nicht sterben, sondern fortleben und in Bezug darauf sinnig eine talmudische Erzählung (i"p roaira) deutend, die eines tiefen Eindrucks nicht entbehrte. Ein inposanter Leichenzug zeugte von der Liebe und Achtung, die der Heimgegangenen gezollt wurde! Sie ist nun beim himml. Vater und wird sich ihres Lohnes freuen; von den Kindern aber hegen wir die Hoffnung, daß sie das Testament der Mutter treu erfüllen werden, und das wird der schönste Nachruhm sein. Itt Berlin, im Sept. Die hier erscheinende „Germania", das Organ der katholischen Centrumspartei, veröffentlicht einen Judenhatz-Artikel, dessen einleitenden Sätze lauten: „Kol Israel begeht jetzt Iwieder seine großen Feste; viel zu klein sind die Synagogen geworden, und besondere Betloeale haben errichtet werden

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