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Der Israelit · 1877-09-12 · Heft 37 (12.9.1877) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 37 (12.9.1877)
Date
1877-09-12
Page
– (sequence 19)
Language
German
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905 der Einberufung der Landwehr ausgeschlossen blieb, soll, wie man dem „Ssew Westn." aus Kiew mittheilt, von den Juden des südlichen Gouvernements benutzt worden sein. In Kiew geht das Gerücht, daß alle Juden, welche der Einberufung unterliegen, sich in verschiedene Gebiete des Bessarabischen Gouvernements haben überführen lassen. Wie weit dieses Gerücht sich für den ganzen Süden bestätigt, fügt der Correspondent hinzu, ist mir unbekannt, aber hier in Kiew gelang es uns wirklich nicht, unter den Einberufenen einen Juden zu erblicken. Wahrscheinlich ist auch dieses Gerücht Ursache zu den Unordnungen gewesen, welche hier im Centrum der Stadt vor der Duma wiederholt stattfanden. Die Einberufenen hatten sich in einer Zahl von gegen 50 vor dem Gebäude der Duma aufgestellt und kein Jude, weder zu Fuß noch zu Pferde, kam dort vorbei, ohne durchgeprügelt zu werden. Kaum hatte die Menge einen derselben erblickt, so warf sie sich mit Geschrei auf ihn, und das Prügeln begann. Es kamen Fälle vor, daß Wagen angehalten wurden und ihre Insassen, hier ansässige jüdische Kaufleute erster Gilde, geschlagen wurden. Wie man erzählt, soll ein Greis halbtodt geprügelt worden sein . . . Solches geschah vor der städtischen Duma. Die Polizei machte sich nicht geltend und man behauptet, einige ihrer unteren Char-- gen wären auch von den Einberufenen geschlagen worden. Diese Nichtswürdigkeiten gegen die Juden haben sich einer neueren Korrespondenz des „Nord. B." zufolge auch bei dem Empfang der Landwehrmänner im zweiten Stadttheil wiederholt. Die Polizei war dieses Mal zwar in größerer Zahl vertreten, beschränkte sich aber lediglich darauf, die am Stadthause vorübergehenden Juden fortzutreiben, wodurch die Landwehrmänner natürlich noch mehr ermuthigt wurden. Ließ sich aber dennoch einer unvorsichtiger Weise beim Stadthause blicken, so entging er sicher nicht den rohesten Gewaltthätigkeiten. Daß es bei der schmachvollen Haltung der Polizei und dem allgemeinen Haß gegen die Juden nicht zu größeren Exzessen gekommen, ist ein Wunder; übrigens kann man sich auch jetzt noch immer auf schlimmere Dinge gefaßt machen, denn schon haben einzelne Landwehrleute die Parole ausgegeben, in der ganzen Stadt umherzustreifen und auf Juden Jagd zu machen. Eine Wiederholung der vor drei Jahren in Odessa stattgehabten Katastrophe gehört daher nicht zu den Unmöglichkeiten. Schweden. Stockholm. Große Aufregung wegen einer Bekehrungsgeschichte war vor einiger Zeit in der hiesigen jüdischen Gemeinde. Ein 18jähriger jüdischer junger Mann, aus Polen gebürtig, wurde von seinen Verwandten vermißt und erst nach langen Nachsorschungen im Hause des protestantischen Geistlichen vr. Lindstrom entdeckt, der ihn zur Taufe überreden und zum Missionär ausbilden lassen wollte. Genannter Seelenfänger machte alle nur möglichen Schwierigkeiten, den jungen Mann herauszu^eben, bis es Herrn Rabbiner vr. Levysohn mit Hilfe der Polizei gelang, denselben den Händen des säubern Geistlichen zu entreißen. Der junge Mann bereute aufrichtig, daß er sich von vr. Lindstrom hat bethören lassen. (Jew. World.) Amerika. New-Nork Sie brachten kürzlich in Ihrem geschätzten Blatte einen Artikel aus Saratoga, wo man Herrn Seligmann aus einem Hotel verwiesen hatte, weil der Besitzer desselben, Mr. Hilton, keine Juden aufnehme. — Ich erhalte darüber aus New-Nvrk eine ausführliche Zuschrift, die es verdient, weiteren Kreisen mitgetheilt zu werden, weil sie zeigt, wie selbst die Kirche in Amerika für Herrn Seli, mann, und damit für die Sache der Juden überhaupt Partei genommen hat. Nicht allein die Presse, sondern auch die christliche Kirche in Amerika sprach öffentlich ihre Mißbilligung und ihren Abscheu aus gegen„solche mittelalterliche Porurtheile im 19. Jahrhundert." — Von der Kanzel herab suchte man dem Vorurtheile zu begegnen, das sich im Herzen des Volkes zu bilden drohte. Den größten Eindruck machte die Predigt des Mr. Beecher. Mr. B, einer der bedeutendsten Kanzelredner, ist in der Plymouth- Gemeinde, der reichsten und vornehmsten Amerikas, angestellt. Der „N.-I. Herald" schreibt unterm 25. Juni hierüber: „Die Plymouth - Kirche war gestern Abend sehr besucht, um Mr. Beecher über die Seligman- Hilton - Controverse zu hören. Am Schlüsse des Morgengottesdienstes hatte Mr. B. angekündigt, daß er am Abend die Angelegenheit in Bezug auf die Juden behandeln werde. Die Aufregung vor Beginn des Abendgottesdienstes war sehr groß. Es gibt ungefähr sieben Millionen Juden auf der Erde, sagte Mr. B. Sie befinden sich fast unter allen Nationen unter der Sonne und sie zeichnen sich vor allen andern Völkern besonders auch dadurch aus, daß sie meistens von diesen verachtet werden. Zweitausend Jahre lang haben

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