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Der Israelit · 1877-09-12 · Heft 37 (12.9.1877) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 37 (12.9.1877)
Date
1877-09-12
Page
– (sequence 20)
Language
German
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906 sie Verfolgungen erduldet und obwohl sie in alle Ereignisse der alten und neuen Geschichte verwickelt gewesen, so haben sie dennoch die Merkmale ihrer Nationalität nicht verloren. — Sie haben sich wohl vermengt, aber niemals vermischt mit den Nationen, die sie gefangen gehalten. Sie waren das Saatkorn, von welchem andere Nationen Größe und Stärke erhalten haben. „Durch deinen Samen sollen alle Volker der Erde gesegnet werden." — So war einst das ihnen gegebene Versprechen, und dieses Versprechen wurde gehalten, denn jedes Volk der Erde ist gesegnet worden durch diese herrliche Nation. — Es überrascht vielleicht Viele, zu erfahren, daß gerade unsere Civilisation in der Wüste ihren Ursprung hat. Es ist die Religion des Judenthums, welche zuerst eine göttliche Regierung und ein Gefühl für die Menschheit lehrte. DaS gehört den Hebräern und dem hebräischen Gemeinwesen. Von eben diesem verachteten Volke entnehmen wir unsere geistige Nahrung und in der That auch die Fähigkeit, etwas verachten zu lernen. Eine der größten Ideen der hebräischen Gemeinschaft ist „die Familie". — In keinem andern Punkte war ein größerer Ernst als in der Erziehung der Kinder und dieses wird bis auf den heutigen Tag fortgesetzt. In der Sorgfalt für Kinder sind auch die Juden von heute noch unübertroffen. — Die Tugend der Industrie und der Arbeit wurde von je gefördert in diesem orientalischen Volke. Während die Aristokraten aller Nationen bis auf unsere Zeit die Arbeit verachteten, lebt auch unter den Juden von heute noch ihr altes Sprüchwort: Daß einen Sohn aufziehen ohne Gewerbe, soviel heiße, als ihn zum Diebe erziehen. Die Juden gaben der Menschheit die Entwickelung der Männlichkeit nach der praktischen Seite; denn der wahre Sinn ihres Wortes „Rechtschaffenheit" ist gleichbedeutend mit unserm Worte „Männlichkeit " — DaS jüdische Volk erzog Männer, die ihres Gleichen in ihrer Zeit nicht gefunden haben. Während die Griechen weltberühmte Tempel errichteten, schufen die Hebräer Männer, und eS war das wahre Gebot ihrer Religion, so und nicht anders zu handeln. Das jüdische Volk war das Muster eines Volkes, daS eine Männlichkeit anstrebte, feiner und nobler, schöner und thatkräftiger als bisher bestanden. Die Griechen gaben uns eine Philosophie des Schönen. Das Wahre, das Schöne war es, was die Griechen erstrebten, niemals aber das Gute. Die Juden suchten das Schöne und Gute im Menschen und fanden es. „Kein Volk hat uns besser gelehrt, Ausdauer zu üben, als das jüdische. Jahrhunderte lang waren sie verfolgt. Aus Spanien wurden mit einem Male 70,000 Familien vertrieben. Gab eS in Deutschland den „Schwarzen Tod", so brach ganz Deutschland in eine offene Rache gegen die Juden aus. Und dennoch durchlebte diese merkwürdige Rac? im Glauben an ihre Religion alle Verfolgungen. Eben durch ihren Kampf um Freiheit, durch ihre Ausdauer in Leiden haben sie die Hoffnungen der Menschheit überall gestärkt. England bezüchtigte sie der Bigotterie, und ihr Feldzug um die Bürgerrechte in jenem Lande und ihr endlicher Sieg gehört zu den vornehmsten Unternehmungen für Freiheit in Euern und meinen Tagen. Sie brachten Fortschritte zu Wege in der Wissenschaft und in der Civilisation. Nirgendwo stehen sie Jemandem nach in Gelehrsamkeit , in der Philosophie, in Malerei, in Musik und in allen schönen Künsten. — Im Berhältniß zu ihrer Zahl haben sie so viele Staatsmänner als irgend eine andere Nation auf Erden geliefert. — Von allen Nationen unter der Sonne sollte gerade dieses Volk am wenigsten beleidigt werden. Wessen hätte sich der Hebräer zu schämen nöthig? — Etwa dessen, daß sie außergewöhnlich industriös find? Wohlan, lasset den Jankee zuerst den Stein werfen! Oder, daß sie wunderbar kühn im Handel find? — Haben sie aber je 10,000,000 Dollars auf einmal vom Stadtschatze gestohlen?*) Liegen Juden auf karäon wartend in unseren Gefängnissen, im Geheimen über ihr gestohlenes Gut disponirend? — Keinen einzigen Juden werdet Ihr unter ihnen finden! — Bezahlen sie nicht ihre Schulden zur Zeit? — O, höret Ihr Jankees, ob je solche Sprache auf Erden geführt wurde! — Ist daS wahr, daß sie leben von dem, was Ihr fortwerfet? — Ist es wahr, daß sie selbst da noch Geld machen können, wo Ihr bankerott geht? — Schande für Euch — nicht für sie, wenn dem so. Nun glaube ich allerdings, daß es Juden gibt, die in Versuchung gerathen; ich glaube, daß es Unredliche unter ihnen gibt. Aber ich glaube auch, daß verhaltnißmäßig weniger unter ihnen als unter uns sind, und daß, wenn man ihre Wagnisse in Betracht zieht, sie eine größere Anzahl Vertrauensmänner beim Schluß der Dinge liefern, als wir. Kein Platz in dieser Regierung» keine Stelle *) Spielt auf einen gewissen Tweed an , der kürzlich dem Stadtschatz N.-Ndie genannte Summe ausführte.

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