Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1877)
- Date
- 1877-09-12
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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904 Berlin. Wie wir hören, hat der Rabbiner von Adrianopel der hiesigen israel. Gemeinde mitgetheilt, daß gegen 400 israel. Familien aus Furcht vor den anrückenden Russen Eski-Saghra verlassen und sich nach Adrianopel geflüchtet haben. Der Rabbiner ersucht die hiesige israel Gemeinde um eine Unterstützung für die hilflosen Familien, da die Gemeinde Adrianopel gegenwärtig nicht in der Lage sei, denselben eine ausreichende Unterstützung gewähren zu können. Berlin, 4. Sept. Der letzterschienenen Nummer der „Protest. Kirchenztg." entnehmen wir folgende Mittheilung: „Am 31. Juli feierte die Gesellschaft zur Beförderung des Christenthums unter den Juden ihr Jahresfest in der Dreifaltigkeitskirche. Der bei dieser Gelegenheit vorgetragene 54. Jahresbericht der Gesellschaft über das Jahr 1876 ist neulich im Druck erschieuen und vielen Geistlichen mit einem Circular übersandt worden, in dem es heißt: „Sie werden Daraus die Einsicht gewinnen, daß auch im verflossenen Jahre unsere Arbeit nicht geruht, sondern unter des Herrn Segen ihren stillen Fortgang gehabt hat." Wir haben diese Einsicht nicht gewinnen können. Die GesaMmt-Einnahme beträgt laut Rechnung 17,454 Mk. 71 Pf. Die Gesammt- Ausgabe 20,467 Mk. 77 Pf. Und das Resultat der Arbeit während des Jahres 1876? Wir finden es Seite 7 des Berichts. „Im Katechumenen-Unterricht hatten wir dreizehn einzelne Personen und drei Familien. Davon wurden entlassen oder gingen freiwillig neun. Getauft wurde ein einzelner Katechumene und eine ganze Familie von 6 Gliedern. Im Unterricht verblieben drei einzelne Seelen und zwei Familien." Die Gesellschaft zur Beförderung des Christenthums unter den Juden hat also im vergangenen Jahre einen einzelnen Katechumenen und eine Familie von 6 Gliedern, zusammen 7 Personen bekehrt mit einem Kostenaufwande von beinahe 7000 Thalern! Der Bericht sagt über den Erfolg der Jahresarbeit: „Mögen auch Manchen die Zahlen klein und gering sein, uns find sie genug. Wir freuen uns mit den Engeln Gottes, die sich freuen über einen Sünder, der Buße thut." Wir beneiden die Gesellschaft weder um ihre Freude noch um ihre „christliche" Anschauung, daß der Jude eo ipso Sünder ist." Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Krakau. Wie sehr die clericale Strömung in Krakau im Wachsen begriffen ist und in Kreise dringt, wo Intoleranz und Aberglauben ein um so gefährlicheres Gift sind, als sie auf den Geist der Heranwachsenden jungen Generation verderbend einwirken, hievon liefert das folgende, heute hier stattgehabte Factum einen wahrhaft traurigen Beweis. Der hiesige jüdische Banquier Herr Julius Epstein begab sick in die im hiesigen männlichen Seminar befindliche Normalschule, um daselbst anläßlich des demnächst beginnenden Schuljahrs seinen Sohn einschreiben zu lassen. Er traf hier noch mehrere andere Väter isr. Confession, die zum selben Zwecke erschienen. Als Herr Epstein den Schulvorsteher Herrn Josefcyk — der zugleich Director des gedachten Seminars zur Heranbildung von Lehrern ist — um die Einschreibung seines Sohnes ersuchte, antwortete ihm dieser, daß er dies nicht thun könne, weil der Herr Schuldirektor vor Allem christkatholische Kinder zu bevorzugen Anlaß habe. Die jüdischen Väter haben sich hierauf aus dieser „christkatholischen" Unterrichtsanstalt, zu deren Erhaltung wie auch zu Gehalte des gedachten judenfeindlichen SchuldirectorS die hiesigen Juden durch kommunale und Regierungssteuern beträchtlich beitragen, unverrichteter Sache entfernt. Herr Epstein, der eine solche Handlungsweise seitens eines SchuldirectorS in Krakau mit dem Geiste und Wortlaute der österreichischen Verfassung durchaus nicht übereinstimmend fand, begab sich unverzüglich zum Statthalterei-Delegaten Hofrath v. Bobowski und erzählte ihm den eben geschilderten Fall. Hofrath Bobowski versprach, die Sache im N ege Rechtens zu ordnen. Frankreich. Paris. Der Oberst Aim« Lambert ist zum Brigadcgeneral ernannt worden. Außer genanntem Herrn zählt die französische Armee noch zwei Brigadegenerale und zwar den Jnfanteriegeneral See und den Artilleriegeneral Brisac. Die diesjährige Verloosung für die isr. Wohl* thätigkeitsanstalten hat die Summe von 67088 Fr. eingebracht. (Arch. isr.) Paris. Die isr. Reservisten sind dieses Jahr gezwungen, die militärischen Uebungen am Neujahrsfeste mitzumachen. Trotzdem die Rabbinen sich um eine Dispensation verwandt haben, werden die isr. Reservisten nicht eutlassen, weil die Uebungszeit der Reserve an sich von 28 Tagen auf 20 Tage reducirt worden ist. (Arch. isr.) Rußland. Odessa. Der Umstand, daß das Bessarabische Gouvernement durch den kaiserlichen Ukas von