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Der Israelit · 1877-09-12 · Heft 37 (12.9.1877) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 37 (12.9.1877)
Date
1877-09-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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898 Entschuldigung, wenn ich es ergebenst wage, einen kleinen, durch die Ueberlast der Geschäfte leicht entstehenden Gedächtnißfehler zu corrigiren. Es waren mehr diese Angelegenheiten; die, — wenn ich mich so auszudrücken wagen darf — die allerhöchste Unzufriedenheit hervorriefen. Seine Majestät, Kaiser Josef, soll, wie mir aus glaubwürdiger Quelle mitgetheilt wurde, geäußert haben: „Man kann mir gewiß nicht vorwerfen, daß ich die Geistlichkeit und die landständischen Körperschaften, in einer das Staats- und Gemeinwohl, schädigende Weise bevorzuge; aber Recht muß deshalb doch Recht bleiben; und meine Beamten haben sich strenge an das Gesetz zu halten. Die jüdische Angelegenheit, Excellenz, scheint somit — wenigstens nicht allein — die allerhöchste Unzufriedenheit erregt zu haben; und der Dank für die Rüge wäre demgemäß nicht an meine Adresse; sondern an die hochlöblichen böhmischen Herren Stände und das hochwürdigste Wischehrader Domkapitel zu richten." Frankl machte eine kurze Pause. „Das muß ich Ihnen sagen , wir Prager Juden können Gott danken, daß Sie uns vertreten," lief Seckeles lebhaft. Der Primator fuhr in seinem Berichte fort: »Der Excellenzherr schien einen Augenblick erstaunt und verstimmt zu sein. „Sie sind, wie ich sehe und höre, fast allwissend. Mit Ihnen mag ich nicht dispuliren; ich sehe schon, ich ziehe bei Ihnen immer den Kürzern, antwortete er dann, freilich Sie sind sehr beliebt in Wien, sogar beim Kaiser, dieser sill ja gesagt haben: Schade, daß ich ein Jahrhundert zu früh geboren wurde. In einem Säculum, wäre es mir möglich gewesen, den Juden Frankl zu meinem Minister zu machen, heute wag ich's nicht, so lange ich lebe, würde ich ihn halten; aber, wenn mich Gott plötzlich abberufen würde, gäbe es jetzt in Oesterreich Finsterlinge genug, die ihm dann das unverdiente Schicksal des württemberg'schen Premier- und Finanz- Ministers Süß-Oppenheim zu Theil werden lassen wollten. „Ist das wahr?" frugen die beiden Vorsteher überrascht, wie aus einem Munde. „Ich will Euch meine Antwort an den Oberst- Lurggrafen mittheilen," entgegnete der Primator. „Ich sagte: Excellenz, um Ihnen zu beweisen, daß Sie meine Wissenheit zu überschätzen die Gnade haben, gebe ich Ihnen mein Ehrenwort, daß mir diese Aeußerung unseres hohen Monarchen, die, bei der hohen Toleranz unseres allergnädigsten Herrn und Kaisers, und seiner allergnädigsten huldreichen und nachsichtigen Beurtheilung meiner Person, allerdings nicht geradezu unmöglich erscheint, nicht bekannt war; aber, fuhr ich dann weiter fort, Euer Excellenz wollten ja die Gnade haben, einen Candidaten für den in unserem Rabbinerkollegium leergewordenen Platz zu bezeichnen. Bei entsprechender Eignung wird die Gemeinde keinen andern wählen. — Dürfte ich mir wohl den Namen desselben erbitten? „Der Oberstburggraf»" fuhr Frankl lachend fort, „schien von meinen Worten nicht sehr entzückt zu sein; er nagte wieder an der Unterlippe, dann stieß er — fast leise hervor:" .David Löw Magdeburger ist ein Mann, der der Judengemeinde alle Ehre macht." — Einen Augenblick, glaube ich, daß er den Gesprächstoff wechseln will und auf David Leb Magdeburger, auf diese ehrliche Haut, nur so zufällig zu sprechen kommt, aber als er nach einer kurzen Pause fortfahrt: Freilich, der redliche Mann ist zwar, wie ich glaube, kein Mann der jüdischen Religionswissenschaft; aber ließe sich diesem Uebelstande nicht etwa dadurch abhelfen, daß man ihm einen tüchtigen Adjuncten zur Seite setzt?" — Was sagt Ihr dazu, meine Freunde, seine Excellenz , der Herr Oberstburggraf, schlägt uns Magdeburger zum ersten Prager Oberj rriften vor!" Die Beiden lachten und auch Frankl stimmte herzlich ein. „Ich habe," nahm der Primator nach kurzer Pause wieder das Wort, „dem Landes-Chef auseinandergesetzt, daß es mir auch beim besten Willen nicht möglich wäre, seinen Wunsch zu erfüllen, und ihm auch offen gestanden, daß mir überdies hierzu der gute Wille gänzlich fehlt, ich habe ihm daS so deutlich erklärt, daß er sich selbst von der völligen Unausführbarkeit seines Projectes überzeugte. Er steht natürlich von feinem unsinnigen Vor« haben ab." „Befand er sich nicht in gereizter Stimmung, als Sie ihn verließen?" frug Austerlitz. „Nein, im Gegentheil in der besten." „Wie so kam das?" frug Seckeles. „Wenn Ihr mir das tiefste Stillschweigen versprechet, will ich Euch auch das aufklären. Der Oberstburggraf hatte noch meines Beistandes in einer Privatangelegenheit bedurft. Sein Schwager, der jüngste Bruder und Liebling seiner Gemahlin, Graf Julius, ist ein liebenswürdiger Teufelskerl, der nur der üblen Gewohnheit anheimfällt, zehnmal so viel Geld zu verbrauchen, als er zu verzehren hat und so viel Schulden zu machen, als — er eben geborgt bekommt. Alle Augenblicke steckt der Bursche in Verlegenheit, bis hinter den Ohren. Einmal hat der Onkel, Graf Lrdebour, einmal der Oberstburggraf, einmal — vor einem halben Jahre hat sogar die Oberstburggräfin, einen alten Schmuck verkauft, um ihm aus der Patsche

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