Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1877)
- Date
- 1877-09-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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896 reihte. Der aus diesem Vorgänge resultirende Be* weissatz, wenn es eines solchen etwa noch bedarf, ist: daß man ein sehr orthodoxer Rabbiner sein und doch für gemeinnützige, Bürgerwohlfahrt fördernde Angelegenheiten ein warmes Herz haben, oder, um Alles in Allem zu sagen, ein guter Patriot sein kann! Oesterr.-Ungar. Monarchie. Czernowitz, 23. August. Wie glaubwürdige Reisende aus Jassy erzählen, überfielen Samstag Nachts dänische Kosaken einen jüdischen Schankbesitzer in einer dortigen Vorstadt, raubten demselben 20 Ducaten, verwüsteten, was sie konnten, mißhandelten ihn fürchterlich und schändeten dessen Frau, die in Folge dessen hoffnungslos daniederliegt. Man sucht den Juden durch Geldentschädigung zum Schweigen zu bringen. Montenegro. Fürst Nikita hat einem Correspondenten der „Pol. Corr." mitgetheilt. daß Baron Rothschild anfragen ließ, welche Unterstützungen die Verwundeten benöthigten. Der Fürst hat darauf geantwortet, daß namentlich die unzähligen Flüchtlinge, Wittwen und Waisen in einem Grade hilfsbedürftig sind, die aller Beschreibung spottet und Baron Rothschild seine Mildthätigkeit nicht werde besser anwenden können, als dieses Elend lindern zu helfen. Der Fürst drückte wiederholt seine Befriedigung darüber aus, daß das Welthaus seine ausgebreitete Wohlthätigkeit zum Erstenmale auch auf Montenegro auszudehnen bereit ist. Wir glauben, daß Baron Rothschild nicht Montenegro sondern der leidenden Menschheit zu Hilfe eilt. (W. Jsr.) Feuilleton. David tcb Magdeburger. Prager Ghcttobild aus dem letzten Viertel des vor. Jahrhunderts. *j Von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel". V. Es war ein heißer Sommertag. In dem Gemeind ehause der Prager Judenstadt, im Sessions¬ *) Jeder Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt rverde^ Uebersetzungsrecht Vorbehalten. zimmer saßen die beiden Vorsteher Lazar Seckeles und Jsak Austerlitz. Sie erwarteten den Chef der Gemeinde, den Präses des Vorsteherkollegiums, den berühmten Primator Israel Frankl. Dieser war zu ungewöhnlicher Zeit zum Oberstburggrafen berufen worden, und das hatte immer etwas — in den meisten Fallen sogar etwas Unangenehmes — zu bedeuten. Sie befanden sich daher in wohl berechtigter Aufregung. Freilich, Frankl war der Mann, der die Gemeinde wohl zu vertreten wußte. Mehr als sein Reichthum hatte ihm seine Klugheit einen solchen Einfluß verschafft, daß er eine, für jene Zeit völlig eigenartige Stellung einnahm. Er war bei allen hohen Beamten beliebt und da seine Connexionen bis an die Stufen des Thrones reichten, war er sogar von Manchen gefürchtet. Frankl befaß ein imponirendes Aeußere, war ein gewandter, stets schlagfertiger Redner, und halte durch sein kluges Vorgehen, den höchsten Beamten des Landes bewiesen, daß er, das Interesse seiner Glaubensgenossen am Kaiserlichen Hofe erfolgreich zu vertreten verstehe. „Ich zerbrech' mir vergeblich den Kopf, was der Oberstburggraf von uns will," meinte Seckeles, „wir waren ja erst vor zehn Tagen dort, ich war mit bei der Deputation, und da hat er uns ja recht freundlich empfangen." „Ich kanns erwarten," entgegnete Austerlitz, „ist es unangenehm, erfahr ich's immer früh genug; — ist's erfreulich, nun, so laß ich mich gerne überraschen Ucbrigens haben wir an Frankl einen Vertreter, wie jetzt keine zweite Judengemeinde der Welt." In dem Augenblicke hörte man das Rollen eines Wagens. „Ah!" rief Seckeles, „Frankl kommt." Kurz darauf trat dieser ein. Er war ein großer, kräftiger Mann von etwa fünfundfünfzig Jahren, mit ansdrucksvollen, energischen Gesichtszügen. Er kleidete sich modern, er trug gepudertes Haar und einen Zopf, einen feinen schwarzen Frack, kurze seidene Beinkleider, Schuhe mit silbernen Schnallen. „Was wollte der Oberstburggraf?" frugen die beiden Vorsteher wie aus einem Munde. Frankl lächelte verdrießlich. „Es wär' zum Aergern, wenn's nicht zum Lachen war' .... aber ich habe seiner Excellenz meine Meinung rund heraus gesagt. Vor Allem, um Euch vollkommen zu beruhigen; es ist nichts Besorgnißerregendes, und der Oberstburggraf steht von seinem Wunsche ab ... . Aber die Geschichte ist wahrhaftig werth, daß man sie ordentlich erzähle; — Euch, die Ihr Euch nicht mehr darüber zu ärgern braucht, wird sie erheitern."