Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1877)
- Date
- 1877-09-05
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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873 ihm im Guten.Er wird vielleicht gar nit e so eschlechter Mensch fein; er is vielleicht nur e Gaffenjung — ich bitt Ihnen. Excellenzlebeu," rief Magdeburger mit steigender Angst —, „as es Ihnen um Gottes willen nit einfallt ihm deshalb aus dem Dienst zu geben, wie sagt der Talmud? „Man darf keinen nit bestrafen, wenn man ihn früher nit gewarnt hat!" Dem Grafen gefiel dieser milde, rein menschliche Sinn, denn daß Magdeburger nicht ein falsches Mitleid affectirte, erkannte sein scharfer menschenerkennender Blick. „Ja.das ist eine Ungezogenheit, die leider häufig genug vorkommt," meinte er, „das wird aufhören", er griff an den Glockenzug, der Kammerdiener trat ein. „Excellenz befehlen?" „Jäger Franz soll kommen." Einige Sekunden später trat dieser ein. Als Leibjäger kannte er seinen Gebieter genau, und die Physiognomie desselben schien ihm nichts Gutes zu verheißen. „Kennt er den Mann?" frug der Graf auf Magdeburg deutend. „Zu Befehl Excellenz?" „Wer ist das?" „Der Hausjud beim Portier Kubitschka, Euer Excellenz zu Befehl." „Sag er mir Franz, hat ihn der Mann je beleidigt oder gekränkt?" Der Jäger ward leichenblaß und ließ den Kopf auf die Brust sinken. „Schau' er mir ins Gesicht." befahl der Landes-Chef, „und antwort er — ja oder nein; — aber wahrheitsgemäß!" „Nein!" lallte der Jäger. „Also sag' er mir! warum läßt er den ehrlichen Juden, der ihm nichts in den Weg legt, nicht in Ruh? warum verhöhnt, verspottet, kränkt er ihn? — Der Mann ist mir lieber als tausend solche Hundsfötter wie er! ... . Also, Franz, laß er sich das gesagt sein, daß er den Mann nicht mit einem Worte, nicht mit einer Miene beleidigt. Der Mann wird jetzt täglich herüberkommen, daß er ihn stets artig und zuvorkommend grüßt. Er hat ihn, sobald er ihn sieht, artig zu grüßen, und je nach der Tageszeit zu sagen: Guten Morgen oder guten Abend Herr Magdeburger; .... verstanden? — Wenn ich noch eine Klage in dieser Richtung gegen ihn höre, so ist er sofort meines Dienstes entlassen, und wird zur Straf-Compagnie assentirt. — Jetzt kennt er meinen Willen .... Noch eins, — dieser wackere Jude hat für ihn gebeten, sonst hätte ich ihn gleich zum Teufel gejagt. Er kann ihm, bei Gott, danken .... Schöne Wirtschaft das, wenn sich das einer meiner Diener in meinem Haufe unterfängt, was soll dann der Pöbel, die Gaffenjugend thun? da wäre ja bald kein Jude in Prag seines Lebens sicher! — also hat er sich's gemerkt? „Zu Befehl Excellenz!" stammelte den Jäger mit Thränen der Wuth in den Augen, und mit erstickter Stimme. Das weiche Gemüth des Juden fühlte — vielleicht unverdientes Mitleid mit dem so hart angelassenen, er wollte ihn nicht ungetröstet gehen lassen. § Excellenzlebeu" sagte er „verzeihen Sie jhm's, ich verzeih' ihm's auch — wirklich; und wenn ich gewußt hätt', daß Sie sich so ärgern werde«, — und ihm's gar so tüchtig herunterputzen werden, so wahr soll ich leben und gesund sein — ich hält lieberfter geschwiegen.Franzleben kommen Sie morgen zu mir hinüber, ich schenk Ihnen eine prächtige Tabakspfeife — kost mich selbst blanke vierthalb Gulden — weil Sie durch mich Red' gekriegt haben — ich wohn am Dreibrunnenplatz Nummer Eilf im dritten Stock . . . „Geh' er! herrschte der Oberstburggraf den Jäger an. „Und geben Sie Achtung, wenn Sie zu mir hinüberkommen, die Stieg is finster, as Sie sich Gott behüt nix machen; so viel is die ganze Pfeiff' nit werth," rief Magdeburger dem abziehenden Jäger nach. „C’est un homme tres - honnet, mais un peil trop bete,“ meinte der Oberstburggraf halb lächelnd, halb ärgerlich. „Dann hätte ich noch eine Bitte, Excllenzleben," fuhr Magdeburger verschämt fort. „Sind Sie mit unserm Primator Herrn Frankl bekannt?" Graf Lazansky würdigte den dummen Menschen keiner Antwort, Magdeburger betrachtete dies als eine Bejahung, und fuhr eifrig fort. „Haben Sie die Gnad, und geruhen Sie ihm unterthänigst zu sagen, ob es nit könnt sein, daß ich etwas e kleines Amtl, so , . . . nix für Geld, nur aus Ehre — könnt haben — was immer für e Amtl — nur etwas. — Es ist wahr, ich bin ein unwissender Mensch, mein Vater war ein blutarmer Mann, seit meinem zehnten Jahr' Hab ich mich, seit meinem vierzehnten, wo der Vater gestorben ist, auch die Mutter und drei kleinere Geschwister ernähren müssen, ich Hab nie nix lernen können; — aber ich bin immerein ehrlicher, rechtschaffener, braver Mensch gewesen — keiner auf der Welt kann sagen, ich hätt ihm je einen halben Kreuzer unrecht gethan. Ich habe mich geplagt seit meiner frühesten Jugend, ich kanns nicht erzählen wie .... und Hab, Gott weiß es, viel Unrecht erduldet im