Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1877)
- Date
- 1877-09-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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seine Brust war mit Orden übersäet. Magdeburger war anderthalb Stunden später, als er gesollt, gekommen, und die Unterhandlungen und seine langweiligen Erzählungen hatten viel Zeit in Anspruch genommen, die Gräfin hatte so viel Vergnügen und auch Unterhaltung gefunden, daß sie gar nicht mehr daran dachte, von ih^em Gemahl überrascht werden zu können. Uebrigens lag ihr auch unter den bewandten, sich so günstig gestaltenden Umständen nichts daran, und sein Erscheinen war ihr jetzt sogar angenehm. Sie trat dem Grafen einige Schritte entgegen und reichte ihm ihre Hand, die dieser galant an seine Lippen führte. Magdeburger hatte sich schon bei der Oberstburggräfin förmlich eingebürgert, er hatte seine ursprüngliche Scheu vollständig abgelegt und war furchtlos und zutraulich geworden; aber der Oberstburggraf, in seiner funkelnden goldstrotzenden Uniform, die hohen Orden, die imponirende Gestalt; Alles das machte einen tiefen Eindruck auf ihn, verschüchterte ihn und er trat erschrocken einige Schritte zurück. — Magdeburger war, ich habe das schon mehrmals wiederholt, ein sehr eitler Mensch; trotz seiner großen Verlegenheit und Befangenheit wollte er doch beweisen, daß er ein Mann von gutem Benehmen sei. Er suchte nach einer hübschen Redensart, mit der er den Oberstburggafen begrüßen wollte, und da fiel ihm in dem Momente des Schreckens keine andere ein, als: „Ich wünsche wohl geruht zu haben," welche Worte in Anbetracht der vorgerückten Tageszeit nicht völlig passend erschienen, und auch ein leichtes Lächeln auf dem Gesichte des Oberstburggrafen hervorriefen. „Qui est ce drole-lä ma chere?“ frug der Graf lachend. Die Gräfin erzählte französisch kurz die Geschichte, die Magdeburger selbstredend nicht verstand. Nur die hervorragende Momente, die er aufzufassen vermochte, nämlich wenn der Name Zappert genannt wurde, und einmal als die Gräfin im Feuer des Gespräches mit der Hand leicht auf ihn deutete, markirte er mit einem höchst vergnügten Lächeln und zwinkerte auch äußerst verständnißinnig mit den Augen auf den Oberstburggrafen. Das Kammermädchen war, gleich nach dem die Anwesenheit des Oberstburggrafen bemerkt worden war, geräuschlos verschwunden. Grafen Lazansky waren diese Mittheilungen sehr erfreulich. Der Zufluß eines unerwarteten Capitals kam ihm in dem Momente gar herrlich zu statten. Die Dame hatte ihren Bericht beendet, und der Blick des hohen Herrn, der im Lande Böhmen die Stelle des Kaisers mit solcher Machtfülle ver- &72 trat, haftete mit Wohlwollen, ja fast mit Bewunderung , an dem schlichten, braven Manne, der sich trotz allen Druckes, trotz aller unverdienten Verachtung ein biederes Herz, ein redliches, edles Gemüth bewahrt hatte. Hör' er mal, Magdeburger!" begann nun der Oberstburggraf „meine Gemahlin hat ihn für seine Mühe bezahlt, und wie ich sehe, ist er auch vollkommen zufrieden . . . ." „Ob ich zufrieden bin! — so e Gesund auf mir und auf Ihnen, wie ich zufrieden bin!" Der kaiserliche Statthalter in Böhmen war nicht gewohnt, daß ihn irgend ein Mensch in seiner Rede unterbrach, und er mußte wider Willen über den unmanierlichen Menschen lächeln, „aber damit soll unsere Erkenntlichkeit noch nicht zu Ende sein" fuhr er fort. „Vor Allem soll er unser Hausjud werden und Alles was bei uns gebraucht wird, soll nur durch ihn bezogen werden . . . ." „E so e Glück auf mir und mein Weib; as Sie Excellenzleben sollen bedient werden, — nobel!" „Hm!" räusperte sich der Oberstburggraf, den die fortwährende Unterbrechungen ermüdeten, „so laß er mich doch zu Ende reden .... er ist ein braver Kerl — er hat aber sonderbare Manieren, fall er mir doch nicht jeden Augenblick ins Wort!" „As Sie befehlen, Excellcnzleben, ich soll nix reden, werd' ich nix reden, werd' ich still sein wie e Mäusl; reden Sie gesunderheit weiter," unterbrach ihn der Unverbesserliche von Neuem, der Oberstburggraf und seine Gemahlin lachten, und ich glaube, lieber Leser, wenn wir anwesend gewesen wären, — wir hätten wohl auch lachen müssen. „Wenn er ein Anliegen, einen billigen Wunsch hat, den ich zu gewähren im Stande bin, soll er erfüllt werden, mag es nun, mich persönlich, oder als Landes-Chef betreffen; — also wenn er etwas haben will, kann er's auch gleich Vorbringen." Magdeburger wurde feuerroth vor Vergnügen, er war — das fühlte er — plötzlich der Günstling des höchsten Beamten, des St llvertreters desKaises im Lande, geworden, und er wollte sich auch gleich etwas erbitten. „Euer Excellenz, vor Allem möcht ich Sie gnädigst bitten, dem Judenfeind, dem Jäger Franz unterthänigst zu befehlen, as er mich soll in Ruh' lassen, wenn ich herüberkomm', .... ich Hab kein Leben vor ihm, bald blöckt er die Zung auf mich heraus, — bald spottet er den Juden nach und — ich Hab ihn in mein Leben nit beleidigt, ich Hab gar kein Wort mit ihm gesprochen! — Ich will ihm nit schaden, ich bin kein rachgieriger I Mensch nit — aber Excellenzleben. sagen Sie's