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Der Israelit · 1877-09-05 · Heft 36 (5.9.1877) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 36 (5.9.1877)
Date
1877-09-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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863 Hamburg. Hrn. vr. B. Neumann Hierselbst, ehemaligem Oberarzt am Mayer-Rothschild- Krankenhause in Jerusalem, ist vom Kaiser von Oesterreich für sein demselben überreichtes Werk: „Die heilige Stadt und ihre Bewohner", welches s. Z. auch in d. Bl. besprochen wurde, die österreichische goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen worden. Oefterreichisch - Ungarische Monarchie. Einem im „ungarischen Schulbote": „Aus Frim's*) Idioten - Anstalt in R.-Palota" betitelten Artikel entnehmen wir: Zur Zeit des letzten Berichtes im Januar 1876 waren 3 Zöglinge in der Anstalt. Hinzugekommen sind bis heute 1 l; 10 Knaben und 1 Mädchen. Die Gesammtzahl der gegenwärtig in der Anstalt befindlichen Zöglinge beläuft sich auf 9, nämlich 8 Knaben und 1 Mädchen. Abgegangen sind 3 Knaben. Von den Ausgetretenen waren 2 bildungsfähig. Im Juni l. I. konnten 2 Zöglinge konfirmirt werden. Der eine brachte schon etwas Schulkenntnisse mit, war körperlich im Verhältnisse zu seinem Alter aber sehr zurück. Der Zweite war im Stande, Erzählungen aus dem Gedächtniß niederzuschreiben und hat die Schulgegenstände wohl so gut als ein normal entwickelter Knabe erfaßt. Weil er Lust zur Tischlerei hat, ließen ihn seine Eltern noch weiter in der Anstalt um das Handwerk zu erlernen, in welchem er auch schon etwas leistet. An dem richtigen Orte und unter gehöriger Aufsicht werden diese beide Knaben, an denen die Bildungsanstalt ihr Ziel erreicht hat, ihr Brod mit verdienen helfen. — Ohne Schulunterricht sind 4 Zöglinge, 3 Knaben und l Mädchen, weil sie stumm sind, die übrigen 5 werden in 2 Abtheilungen unterrichtet. Von diesen 5 nehmen 2 nur an einzelnen Unterrichtsstunden Theil und für alle Unterrichtsstunden bleiben somit noch 3. Wir find dem auf Erfahrung gegründeten Grundsatz, daß die Schule das Hauptbildungs¬ und Erziehungsmittel für unsere Kinder .ist, treu geblieben. Sie füllt deswegen auch die meiste Zeit des Tages aus. Vormittags von 8—V-12 mit einer halbstündigen Pause, und Nachmittags von 2—4 Uhr, mit Ausnahme des Samstags Nachmittag. Unterrichtsgegenstände sind: Biblische Geschichte, Anschauungsunterricht, Ungar, und deutsch Lesen, Schreiben und Sprachlehre. Zeichnen, Formlehre, Rechnen, ung. Geschichte, Geographie, Singen und Turnen. Die Zöglinge haben die Hauptgeschichten der biblischen Geschichte erfaßt. Unsere Arbeitstätten sind die Werkstätte und von Beginn des Frühjahres bis in den Spätherbst die Gärten. Es saot diese Art der Beschäftigung unseren Kindern sehr zu und wird von der Mehrzahl mit Lust und mit Eifer ausgeführt. Im Winter werden die Geschicklichkeit der Hände, die Arbeitskraft und die Arbeitslust geübt, eine kleine Abtheilung verfertigt Laubsägearbeiten. In dieser Weise suchen wir unsere Aufgabe, Geisteskräfte in unseren Pflegebefohlenen zu wecken und möglichst zu bilden durch Unterricht und Arbeit zu erreichen. Was ist daneben für die Erziehung der Kinder gethan? Es half darin der Unterricht mit, ein Hauptmoment der Erziehung ist aber die ganze Anstaltsordnung und das Einfügen deS Einzelnen als Glied in die ganze Kette. Unbewußt und darum am wirksamsten ist dieser Zwang, dem Groß und Klein sich zu unterwerfen hat. Ein kleines, nicht ansehnliches Ding unsere Anstaltsglocke, und doch, was übt sie für eine Macht, in unserem Hause aus, wie bringt sie Leben in alle Glieder, wenn sie ihr Stimme zum zweitenmal ertönen läßt und damit zum Speisesaal führt! Hier muß unsere Erziehung gewöhnlich zuerst einsetzen. Was verzogen ist, kann hier gezogen werden. Durch Zutheilen oder Abziehen?' Nein! aber wieder durch die allgemeine, ernste, mit Verständniß und Liebe gehandhabte Ordnung. Leidenschaften, der Größeren besonders, lernt man hier am besten kennen und sie darnach behandeln. Brodneid regt sich nicht bloß bei Großen, sondern auch bei Kleinen, es ist aber wohlthuend, Zufriedenheit und Bescheidenheit bei Vielen sich mehr entwickeln und die Herrschaft über die niederen Triebe erlangen zu sehen. So arbeitet sich, wenn auch klein und unscheinbar, bei unseren Kindern durch äußeren Zwang innere Freiheit durch, und sie ist es, die wir mehr oder weniger bewußt zu erreichen suchen. Es hilft dazu das Spiel im Freien, das Turnen und die größeren und kleineren Spaziergänge. Zutraulichkeit und ein fröhliches kindliches Wesen ist unseren Kindern in der ihnen zusagenden Umgebung gewöhnlich eigen, und war unser Bestreben, diesen Zug im Allgemeinen zu erhalten und dadurch unser Haus den Zöglingen zu einer nutzbringenden Heimath zu machen. Von den gegenwärtig bei uns befindlichen Zöglinge sind 4 Juden, 4 katholisch und 1 evangelisch. Aus Budapest stammten 4, aus den übrigen Theilen Ungarns 4 und 1 aus Wien. Die Zahlungen sind von fl. 300—600. Auch zahlen 3 je fl. 200. Freistellen besitzt die Anstalt noch nicht. ') Frim ist Israelit.

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