Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1877)
- Date
- 1877-08-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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838 begrenzt, war dazu bestimmt, allerlei Gemüse und Obst für die Klausgelehrten zu tragen und diesen die nothwendige Bewegung in freier Luft zu gestatten. All das ließ Rabbi Bärmann auS eigenen Mitteln erbauen und Herrichten; und ungleich andern Stiftern traf er keinerlei Bestimmung zu feinen Gunsten; nicht sollte sein Todestag feierlich begangen werden, kein Kaddisch sollte für sein Seelenheit gebetet werden — einzig und allein und ausschließlich ward die ganze Stiftung dem Thorastudium geweiht. Und nicht allein, daß er Grundstück und Gebäude aus eigenen Mitteln bezahlte, er stellte auch die nothwendigen Capitalien theils in Berlin, theils in Halberstadt sicher, damit von den Zinsen die Gehälter der Klausgelehrten bestritten werden sollten. Und so geschieht es heute noch; nur daß man die Zahl der Klausgelehrten schon vor vielen Jahren auf zwei reducirt hat, weil der Zinsertrag nicht mehr genügt, dreien Familien ihr Auskommen zu gewähren. Bei dem in der jüngsten Zeit ganz rapid gestiegenen Preise der Lebensmittel, genügen die Gehälter auch für zwei Familien nicht mehr, und es wäre sehr zu wünschen, daß von irgend einer Seite her das Stiftungs-Capital erhöht würde. Welchen Segen Rabbi Bärmann durch die Gründung der „Klaus" jetzt nun feit bald zwei Jahrhunderten verbreitet hat, ist gar nicht zu beschreiben. O, schöne Jugendzeit, o heilige Erinnerung — auch der Erzähler dieser Geschichte hat vor beinahe dreißig Jahren in Rabbi Bärmanns Klaus fleißig „gelernt." Wie oft habe ich mich in kalter Winterszeit an dem alten Ofen gewärmt, den Rabbi Bärmann einst hat setzen lassen und der noch heute steht! Es ist ein eiserner Ofen, in der Eisengießerei, die Rabbi Bärmann in Blankenburg am Harz angelegt hatte, gegossen. Die Eisenplatten tragen seinen Namen und den seiner Gattin und das Wappen, das ihm sein König — damals noch Kurfürst von Brandenburg — verliehen: einen Bär mit zusammengebundenen Tatzen, den ein Mann am Stricke führt. — Und in der Sommerzeit, da gingen wir. meine Mitschüler und ich und die Kinder der Klausgelehrten, nach vollendeter Tagesarbeit, in den Garten und spielten hinter den hohen Bohnenbeeten und versteckten uns in den Nischen der Stadtmauer. Freilich, die Stadtmauer, die exiftirt nicht mehr, die ist abgerissen, und auch das ganze Klausgebäude ist ein Anderes geworden. Die alten, von Rabbi Bärmann errichteten Häuser waren im Laufe der Zeit baufällig geworden. Da hat der Commerzienrath Joseph Hirsch, gesegneten Andenkes, vor ungefähr fünfzehn Jahren in Verbindung mit einigen Freunden ein ganz neues Gebäude aufbauen lassen; das eine Haüs wurde abgerissen und der Raum desselben mit zum Hofe verwendet. Das andere Haus dagegen wurde größer und schöner wieder aufgebaut; außer der Synagoge, dem Beth Hamidrasch, den Wohnungen der Klausgelehrten, die eleganter, größer und bequemer geworden sind, umfaßt das neue Gebäude auch die Räume für die israelitische Schule, eine Elementarschule, in welcher das Thorastudium mit der Pflege der Elementar - Lehr - Gegenstände Hand in Hand geht. Rabbi Bärmann war der Gründer, Rabbi Joseph Hirsch wurde der Regenator der Klaus. Für Rabbi Bärmann war nun eine Zeit der Ruhe und des Friedens gekommen. Seine Stiftung, mit drei tüchtigen Gelehrten besetzt, gedieh ersichtlich; die israelitische Gemeinde wuchs von Tag zu Tag; zahlreiche Talmudschüler kamen nach Halberstadt, um dort aus den Quellen des Wissens zu schöpfen. Aber Mirjam, die treue Gattin, die schon lange Zeit gekränkelt hatte, starb. Zwar betrauerte sie Rabbi Bärmann sehr; dennoch gab er dem Drangen seiner Freunde und namentlich des Rabbinen nach und vermählte sich zum zweiten Male. Die zweite Frau, Hannchen, war eine Tochter des Präses der isr. Gemeinde zu Frankfurt am Main, Rabbi Mendel Bär; sie, wiewohl bedeutend jünger als ihr bereits alternder Gatte, wurde ihm ebenfalls eine treue Genossin, eine edle Lebensgefährtin. Sie gebar ihm einen Sohn, welchem der Vater den Namen Kosmann gab. Nach Dresden kam Rabbi Bärmann nicht; sein Sohn und sein Schwiegersohn führten das dortige Geschäft mit Glück und Segen weiter. Rabbi Bärmann's Hauptthätigkeit bestand nun, mehr in der Beaufsichtigung seiner großartigen Stiftung, in der Verwaltung der israelitichen Gemeinde, in der Erziehung seines Sohnes Kosmann, den er fleißig im Talmud studiren ließ. Da wurde sein Still-Leben unterbrochen; ein Eilbote, zwar nicht vom Könige, aber von der Reichsgrästn Kosel gesandt, forderte ihn dringend auf, sofort nach Dresden zu kommen. (Schluß folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Nedaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger).