Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1877)
- Date
- 1877-08-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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837 Feuilleton. Der Königliche Resident. (Eine historische Erzählung.) XXXVII. Rabbi Bärmann war mit dem Brautpaare nach Halberstadt gereist, während sein Sohn Lehmann in Dresden blieb, um die laufenden Geschäfte zu besorgen. Diese wurden mit jedem Tag bedeutender, da des Königs Verschwendung immer mehr wuchs und der vermeintliche Goldmacher Böttger die in 'ihn gesetzten Hoffnungen nicht verwirklichte. In Halberstadt wurde die Hochzeit mit großer Pracht gefeiert; die ganze Gemeinde war dazu eingeladen, auch der Vater des Kindes, dessen Beschneidung dem Residenten daS Leben gerettet hatte. Auf Rabbi Barmanns Verwenden hatte sich dieser in Halberftadt niederlaffev dürfen; man nannte ihn Löb Dresden, und sein Enkel, der denselben Namen, Rabbi Löb Dresden, führte, war im Anfänge dieses Jahrhunderts einer der reichsten Banquiers, nicht allein in Halberstadt, sondern weit und breit. Die Nachkommen dieses letzteren Rabbi Löb Dresden sind von Halberstadt fortgezogen und leben heute in Hamburg, Ballenstädt, Bärenburg und anderen Orten in den besten Verhältnissen. Während der Hochzeitstafel, als die Herzen Aller fröhlich waren beim Weine, erzählte Rabbi Bärmann sein wunderbares Abenteuer, und als die Zuhörer sich in Ausdrücken der Verwunderung und des Preises der göttlichen Vorsehung vielfach ergangen, erhob sich Rabbi Bärmann und sprach: „Meine Freunde, als unser Vater Jakob all den schrecklichen Gefahren entronnen war, die ihn bedroht hatten, als Gott ihn errettet hatte aus der Hand das Laban, der ihn und die Seinen mit dem Tode bedroht, als Gott ihn errettet hatte aus der Hand seines Bruders Esaw, der die Mütter sammt derKinder hatte umbringen wollen,da kam Jakob glücklich und wohlbehalten nach Sückoth in der Nähe von Schechem, wohlbehalten an seinem Körper, denn geheilt war die Verrenkung, die ihm der Schutzengel Esaw's beigebracht hatte, wohlbehalten in Bezug auf die Kenntniß der GotteSlehre, da er im Hause Labans nichts vergessen und nicht gelernt von dessen bösen Thaten, wohlbehalten in Bezug auf sein Vermögen, da all die Geschenke, die er dem Esaw gegeben, kaum eine Lücke in seinen Besitz gebracht; damals sprach Jakob: „Ich will Gutes thun dieser Stadt, nachdem ich all den Gefahren glücklich entronnen bin." Ebenso sprach einst, wie'uns unsere Weisen im Tractat Sabbat erzählen, der große Rabbi Schimeon ben Jochai, als ihn Gott aus der Hand des römischen Kaisers gerettet, der ihn mit dem Tode bedroht hatte. Ebenso spreche ich heute. Ich will etwas Gutes einrichten für meine Vaterstadt, für meine Gemeinde; denn wenn ich auch alle Menschen und namentlich ganz Israel liebe, so schlägt doch mein Herz ganz besonders für die israelitische Gemeinde meiner Vaterstadt, und sie ist mir, nach meinen Familien-Angehörigen, am Theuerften. So will ich denn eine große Stiftung zum Besten dieser Gemeinde ins Leben rufen, und ich fordere Euch auf, Rabbi, mir Vorschläge in Bezug darauf zu machen." Rabbi Hirsch, der Rabbiner, erhob sich sofort und sprach: „Gott segne Euch ferner, Rabbi Bärmann! Ihr, die Ihr Gottes gnädige Fürsorge ganz besonders erfahren habt, Ihr könnt nichts Besseres thun, wie wenn Ihr hier der Gotteslehre eine Heimstätte bereitet für ewige Zeiten. Gründet ein Beth Hamidrasch, ein Lehrhaus, und setzet drei Talmudgelehrte hinein, die nichts Anderes zu tbun haben als dem Studium der Thora obzuliegen, zu lernen und zu lehren. Nicht der Rabbiner allein vermag das Thorastudium zur Blüthe zu bringen und es in der Blüthe zu erhalten, er muß auch Genossen haben, die ihm zur Seite stehen, mit denen er in anregendem Verkehr stehen kann, bei denen die Schüler stete Anregung und Aufmunterung finden. Deßhalb bitte ich Euch, Rabbi Bärmarin, gründet eine Klause, die, abgeschlossen von der übrigen Welt, allein und ausschließlich dem „Lernen und Lehren" geweiht sein .soll. Es gibt keine größere Wohlthat als diese, und Ihr werdet dadurch auf ewig ein Wvhlthäter HalberstadtS werden und bleiben." Rabbi Bürmann gab seine Zustimmung zu diesem Vorschläge. Schon am andern Tage erwarb er, unweit' der Synagoge , am Rosenwinkel, ein großes Grundstück, das bis an die Stadtmauer reichte und ließ zwei prächtige Häuser darin erbauen, in welchen drei Wohnungen für „die Klausgelehrten" eingerichtet wurden. Außerdem enthielt das größere Gebäude eine Synagoge, damit die Klausgelehrten und ihre Schüler selbst nicht einmal zum Gottesdienste das Haus zu verlassen brauchten. Auch wurde ein großes Lehrzimmer mit einer werthvollen Bibliothek ausgestattet. Ein großer, geräumiger Garten, von der Stadtmauer