Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1877)
- Date
- 1877-08-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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833 Zeitabschnitt hin, den Gottes Liebe selber zum Asyl für Denjenigen bestimmt hat, der sein leichtsinnig verscherztes Lebensglück, wieder neu und unbefleckt aus Gottes Hand empfangen möchte. Und von keines Sterblichen Hand, nicht vom Leben oder Tode des Priesters wird dieses göttliche Gnadengeschenk der Sühne bedingt. *ljni nw •pst’ n« "n Es ist Gott, selber, wie uns ein zweiter Hinweis sagt, der dem Zwiespalt “pDb unserer und unserer Kinder Herzen entgegentritt. Seitdem der erste Elul uns das Walten der göttlichen Liebe gezeigt, seitdem ruft uns Gott mit jedem einzelnen dieser pLi na» zurück in seine allliebende Nähe, geht uns nach in die künstlich verschlungene Jrrgänge unseres gottentfremdeten Lebens, und erwartet von der heiligen Kraft, mit welcher er diese Tage ausgestattet, unsere Besinnung und unsere Rückkehr in die von ihm gezeichneten Bahnen eines gottergebenen Lebens. Derselbe einfache Naturlaut des Schofarhalles, schlägt heute wie vor 3000 Jahren an das jüdische Ohr, ruft uns heute, wie damals dieselbe Mahnung vor denselben Jrrthümern entgegen. Wenn nicht schon die simpelsten Gesetze von Verstand und Vernunft mit aller Entschiedenheit den Stab über das ganze Gebühren brächen, welches den beispiellosen Abfall von der jüdischen Gottessache hinterher mit Scheingründen zu legalisiren sucht, das jüdische Gesetz für antiquirt und abrogirt erklärt, und unsere Zeit als weit darüber erhaben und für sie nicht berechnet, verherrlicht, der einfache Schofarton, der schon das Gotteswort begleitete, als es am Sinai verkündet wurde, der alte Elulruf, der Zeuge war, als diesem Gotteswort die erste und schwerste Kränkung im jüdischen Kreise widerfuhr, die Macht dieser schlichten Töne müßte genügen, um die Lüge zu Boden zu schmettern, welche jeder Zügellosigkeit den Freibrief ausstellt, müßte genügen uns zu überzeugen, daß der alte Gott noch lebt, und noch heute mit demselben Ernste der Verwirklichung seines Wortes wartet, als zur Zeit da es uns geworden. Mag uns immerhin der Wahn bethören, als seien die Zeiten anders geworden, als fordere Gott heute selber nicht mehr so entschieden die unverkürzte Anerkennung seines Willens, Gott ist nun doch derselbe geblieben, alljährlich ruft uns derselbe Gott, sobald sich ein neuer Ring an die große Jahreskette zu schließen im Begriffe ist, mit demselben alten Ruf zu sich und unserer alten jüdischen Pflicht zurück. Wir dürften, ja wir könnten einem solchen Rufe unser Ohr verschließen? Und wenn die bloße Rücksicht auf uns es auch immerhin gerathener finden sollte, den verführerischen Lockstimmen des Leichtsinnes, der Schlaffheit und Bequemlichkeit, zu folgen, müßte nicht die eine Erwägung unsere Herzen dem mahnenden Gottesruf öffnen, daß es eben nicht nur unsere Herzen, sondern auch die unserer Kinder “)jnj 32b sind, welche der göttliche Mahnruf umfaßt? An die Ereignisse des alten ersten Elul hat ja gerade Gottes Wallung die Mahnung geknüpft, daß er an den Kindern noch das Unrecht der Eltern heimsuche , wenn das böse Beispiel von Vater und Mutter in den Kinderherzen fortwuchern sollte. Diese eine Rücksicht allein müßte hinreichen. der Selbstprüfung Folge zu geben, zu welcher der Elul so mächtig mahnt! Er ist ja zudem nicht ein Gott der Rache, der uns unter Androhung von Höllenqualen zur Verantwortung ziehen will, ein Freund ist es, ja unser erster und letzter, unser einziger Freund ist es, der uns losreißen möchte, von allen Einflüssen, welche das Freundschaftsband zwischen ihm und uns zu lockern versuchen. '*? nm nn1? ’JN. Und wir dürften einen solchen Freund stolz von uns weisen, wenn seine ernste mahnende Stimme uns zurück zu sich ruft? Er, der über uns wacht, vom ersten Athemzuge bis zum letzen, der uns trägt, „wie der Wärter den Säugling trägt," der uns liebt mehr als der Vater sein Kind, er hatte keinen Anspruch auf unsere Freundschaft, ihm seien wir nicht zur Liebe verpflichtet, ihm gehörte nicht jeder Splitter unserer Kraft, jeder Gedanke, den wir denken, jeder Blutstropfen, der durch unsere Adern pulst, ihn dürften wir vergessen, aus unserem Leben streichen, seinen Freundesruf überhören, und dann einen Gott der Rache in ihm finden, wenn er als 60p vx als eifersüchtiger Freund, das gelockerte Freundschaftsband mit harten Bindemitteln — — auf's Neue knüpft, weil wir die zarten verschmäht haben? Er bleibt unser Freund, wenn wir ihm auch hundertmal die Freundschaft kündigen, er geht uns nach in die Täuschungen und Scheinfreuden, in welche wir uns stürzten, um einen Ersatz für seine allliebende Nähe zu finden, und keine noch so vollendete Entartung kann den Rus jener Zeitherolde übertäuben, die seine unbegrenzte Liebe zu unserer Ermahnung in die Flucht der Zeiten gestellt hat. Wer könnte diese Liebe fühlen, ohne sie zu erwiedern, ohne sie in seinem kleinen Kreise wenigstens zu bethätigen, wer kann von der Bedeutung des ’b nm nnt> mn durchdrungen sein, ohne den Vorsatz zu fassen, dem nunoi irvi? gerecht zu werden! Diese thätige Menschenliebe, mag sie auch vielfach die Gestalt eines unjüdischen Almosengebens angenommen haben, ist daher Gottlob immer noch eine specifisch-jüdische Cardinal-