Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1877)
- Date
- 1877-08-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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809 „Ah was!" sagte jener „der schäbige Jud.... der bei Euch wie's Kind im Haus ist; — wird halt was gestohlen, oder Jemanden betrogen haben, und jetzt wird er arretirt — die Hundsseele. Er muß schon ein Capitalverbrechen begangen haben, daß drei Mann mit ihm gehen, sie führen ihn halt auf die Wachtstube, ich will gleich hingehen und ihn mit einigen freundlichen Worten begrüßen," fuhr der Jäger boshaft lachend fort. Aber plötzlich änderte sich die Scene in überraschendster Weise. Als nämlich die Gruppe beim Thore anlangte , setzte Magdeburger vorerst gravitätisch seine schwarze Hornbrille auf die Nase — ohne Zweifel, um seinen Feind, dem rothen Franz, zu impvniren; dann zog er drei Silbergulden aus der Tasche; gab jedem der drei Polizeileute einen davon, diese legten, mit einem zu jener Zeit Juden gegenüber, ungewöhnlichen Respecte, die Finger salutirend an die Helme. „Ich danke Ihnen schönstens, meine Herren Polizeien, vor die Begleitung," sprach Magdeburger, „hier bin ich ganz sicher, gehen Sie in Gottes Namen!" Der rothe Franz wußte sich das nicht zu erklären, auch Anna nicht; aber diese athmete erleichtert auf, und auch die hohe Dame im ersten ^Ltock ward beruhigt und schloß rasch das Fenster; sie sah wenigstens, daß Magdeburger nicht verhaftet worden war. „Ihre Excellenz die gnädige Frau Oberstburggräfin zu Hause?" frug Magdeburger den Jäger und das Kammermädchen fast hochmüthig. Er hatte sich jetzt schon gemerkt, daß er nur „Excellenz" sagen dürfe, nur mit der „Gnade" und dem „geruhen," das ging seinem widerspenstigen Kopfe nicht gehörig ein. „Ihre Excellenz hat befohlen ich soll ihr schöne Seidenstoffe auf Bettdecken bringen, und ich habe die Gnade ihr prächtige Muster zu bringen, melden Sie mich, Mamsell Anninko!" Einige Minuten später stand David Leb Magdeburger vor der Oberstburggräfin. „Hat er den Schmuck verkauft?" frug die Dame erregt. „Warum soll ich den Schmuck nit verkauft haben?" gegenredete David Leb in gewohnter Weise. „Hat er zweitausend Gulden dafür erhalten?" Magdeburger schüttelte energisch den Kopf; während ein pfiffiges Lächeln seines ehrliches Gesicht überflog. „Rathen Sie einmal Euer Wohlgeboren Ho . . . > . ah! Excellenzleben will ich sagen, was mir Wolf Zappert für den Schmuck gegeben hat?" „Aber Herr Magdeburger seien Sie doch nicht so schrecklich albern!" wagte Anna sich entrüstet in die Unterhandlung zu mischen, „so darf man nicht mit Ihrer Excellenz sprechen." „So soll mir mein Weib gesund sein", rief Magdeburger „wie Ihre Excellenz rathen muß!" „So red er doch, er dummer Mensch! was hat er für den Schmuck bekommen? gleich, sagt ers ohne Umschweife, ich befehl's ihm, er ... . langweiliger Patron!" „Aber, wenn ich beim Gesund') meiner Frau geschworen Hab'" rief Magdeburger in wehmüthig vorwurfsvollem Tone „so darf ich's noch nit sagen; da müssen Sie ja rathen Excellenzleben . . . ,,Der Mensch tyrannisirt mich!" sprach die Gräfin mit verdrießlichem Lächeln „also achtzehnhundert?" Magdeburger schüttelte den Kopf. „Fünfzehnhundert?" „Ah nein!' „Also zwölfhundert? — nicht? — nun bin ich's müde, red' er doch, er dummer Klotz!" Magdeburger konnte nicht anders als in Fragen antworten, und er rief ungeduldig, sogar lauter als nothwendig: „Aber Excellenzleben, sein Sie gesund und stark, Hab ich denn gesagt, daß ich weniger als zweitausend Gulden bekommen? — umgekehrt, ich Hab' mehr bekommen!" „Mehr?! ah!" sagte die Oberstburggräfin, „ei sieh da! — das läßt sich hören! also wie viel hat er bekommen?" „Rathen, rathen müssen Sie, Excellenzleben!" rief der dumme Kundschaftgeher. „Also dreitausend!" „Höher! höher! Die Dame, die nun vollständig beruhigt war, fand an dem komischen Gesellen nach und nach Spaß. „Also viertausend!" „Höher, höher Excellenzleben!" „Fünftausend." „Nur weiter" und vor Vergnügen griff Magdeburger nach seiner Dose und schnupfte herzhaft mit vielem Geräusche. Anna Kubitschka versucht es gar nicht mehr ihrem ungelehrigen Zögling seine Umgangsformen beizubringen, und blickte mit komischer Verzweiflung auf das eigenthümliche Gebühren des Kundschaftgehers. „Aber jetzt werd' ich recht viel rathen, damit die Sache ein End nimmt — also zehntausend Gulden.... 1) der Gesundheit.