Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1877-08-22 · Heft 34 (22.8.1877) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 34 (22.8.1877)
Date
1877-08-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2447695-2447729--14026-2469918
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

808 Der Vertreter des Klägers macht geltend, daß der Thatbeftand der Ehrenbeleidigung durch die Aussage seines Clienten hinlänglich erbracht sei, während der Vertheidiger die Anklage zu entkräften sucht. Das Urtheil lautete auf Freispruch des angeklagten Bezirksrichters, mit der Begründung, daß der Beweis über die zur Anklage erhobene Ehrenbeleidigung objektiv keinesfalls erbracht sei, abgesehen davon, daß untersucht werden müßte, ob in der Charakterisirung des Angeklagten eine Ehrenbeleidigung überhaupt gelegen sei. — Der Kläger meldete die Berufung an. R u m ä n i e n. Bukarest. Nach einer Mittheilung des „W. Jsr." ist das Ehepaar Zimara, welches den Judenkrawall in Darabani veranstaltet, aus der Haft entlassen worden. Der Mann ist ganz frei und feine Frau hat nur noch Hausarrest. In Rumänien ist Alles möglich. Feuilleton. David Leb Magdeburger. Prager Ehettobild aus dem letzten Viertel des vor. Jahrhunderts. *) Von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel". IV. Es war Nachmittags, die Thurmglocke der — dem damaligen Gubernialgebaude, — der fetzigen Statthalterei, wo der Oberstburggraf residirte — zunächst gelegene Niklaskirche, dann die Schloßthurmuhr hatten schon längst fünf Uhr geschlagen und unser Freund Magdeburger, der Morgens den Schmuck vom Portier abgebolt hatte, und pünktlich um vier Uhr erscheinen sollte, hatte sich noch immer nicht eingestellt. Die Gräfin begann unruhig zu werden. „Anna" sprach sie zu dem Kammermädchen, „ob wir nicht doch einen dummen Streich gemacht haben, den Schmuck dem Juden anzuvcrtrauen — wenn er mit dem Schmucke oder mit dem Gelde durchginge, wäre mir dies höchst unangenehm. Vor Allem wäre ich wegen meines Bruders in peinlichster Verlegenheit; ' ich wüßte in der That *) Jeder Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden, Uebersetzungsrecht Vorbehalten. , nicht, wo ich, bis morgen, da er seinen Ehrenfchein > einlösen muß, das nöthige Geld verschaffen sollte, dann würde uns der Jud' noch auslachen — denn! verfolgen könnte ich ihn doch nicht, — ich würde! ja dadurch verrathen, daß ich hinter dem Rücken,! und gegen den Willen meines Gemahles meinen j lieben leichtsinnigen Bruder unterstützen wollte ... > fatale Situation!"! „Ah! Excellenz können vollkommen ruhig sein"! meinte Anna, „mein Bruder kennt den Magdeburger I ganz genau," aber auch das Kammermädchen, war i nach und nach unruhig geworden, sie fühlte, daß | sie sich mit ihrer Empfehlung eineschwere Verj antwortlichkeit aufgeladen hatte. Sie trat an das I Eckfenster, von welchem aus man den ganzen kleinseitener Ring übersehen konnte, und blickte in die z beginnende Dämmerung hinaus. „Excellenz!" rief sie plötzlich ganz erschrocken, ..da kommt Magdeburger, aber drei Polizeileute begleiten ihn, — zwei gehen ihm zur Seite, der dritte, geht ,wei Schritte hinter ihm, und jagt die Buben weg, die mitlaufen wollen .... um Gotteswillen, was ist da vorgefallen!" Die Oberstburggräsin erblaßte. Nais c’est abonimable! — enfin hat der Mensch vielleicht mit dem Schmuck oder dem Gelde durchgehen wollen; die Polizei hat irgend etwas gewittert, ihn festgehalten, und kommt nun Erkundigungen einzuziehen .... ab o'ätais allrenx! das war vollständig mißlungen. — Da müßte ja mein Gemahl Alles erfahren .... aber in diesem Falle wäre die Polizei wohl doch so rücksichtsvoll gewesen, ihn dort festzuhallen und einen höheren Beamten herzuschicken." Die Obersldurggräftn trat auch zum Fenster, von dem das Kammermädchen sofort ehrfurchtsvoll zurücktrat, und sah durch eine Lorgnette auf den Ringplatz hinab. „Es ist merkwürdig wie langsam der Mensch geht; — wie eine Schnecke, und dabei lacht er und conversirt mit den Polizeileuten — ich vergehe vor Ungeduld — Anna spring hinunter, und frage den Franz, den Jäger, das ist ein pfiffiger Bursch, er soll sich erkundigen, was da vorgeht .... aber Anna es versteht sich selbst, Du fragst nur, als wenn Du neugierig wärst." „Zu Befehl Excellenz!" rief das Kammermädchen und eilte hinunter. Von Neugier und Angst geplagt öffnete die Oberstburggräsin, trotz der Abendfrische das Fenster, und steckte den Kopf aus demselben. Die Gruppe halte sich dem Palais bis auf etwa dreißig Schritte genähert, und die Oberstburggräsin konnte auch deutlich das Gespräch des vor dem Thore stehenden rothen Jägers mit dem Kammermädchen hören. t

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.