Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1877)
- Date
- 1877-08-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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810 Magdeburger würdigte die Oberstburggräfin gar keines Wortes, er schüttelte jetzt nur still lächelnd den Kopf. „Also zwanzigtausend Gulden," sprach die Gräfin offenbar in der Absicht das Ziel weit zu überschießen. Magdeburger polirte mit erhabener Ruhe den Deckel seiner Tabaksdose und entgegnete: „Ka Gedanke." „Also dreißigtaufend! — so red er doch Mensch! „Alsdann" schrie Magdeburger, und das Helle Vergnügen blitzte aus seinen Augen, „ich habe von Wolf Zappert einundvierzigtausend Gulden bekommen, da ist das Geld — und ganz extra hat er mir noch drei Stück Hunderter, wie die Löwen, auf den Tisch aufgekracht — als meine Confession; oder Confufion, besser von Frad soll ich wissen, as ich weiß, was er gesagt hat — etwas ein griechisches oder spanisches Wort war es — aber was liegt mir auf; Confession oder Konfusion . . . . e Confession, was da is dreihundert Gulden werth, is nit auszulachen — was gnädige Excellenzleben? „Er wird vielleicht Provision gesagt haben." bemerkte Anna, die glücklich war, ihrer Gebieterin einen Mann von so hervorragender Biederkeit empfohlen zu haben. „Haft e Kopf von e Weibsbild! ja Sie haben recht Mamsellinko Anna. Profession hat er gesagt .komisch! All mein Leben Hab ich gemeint, e Profession heißt e Schneider, e Schuster, e Brodbäcker. e Grobschmidt.... auf einmal heißt e Profession, daß man kriegt dreihundert Gulden . ... so für wahr soll ich so leben, das schönste Handwerk!" Die Oberstburggräfin war im höchsten Grade überrascht, sie hatte dem Schmucke nur einen mäßigen Werth beigelegt, und der Erlös einer für jene Zeit so riesigen Summe überstieg ihre höchste Erwartungen. Magdeburger zog ganz ungenirt ein großes Packet aus seiner Hosentasche, und legte es auf den Tisch vor die Oberstburggräfin hin. „Jetzt werd' ich Ihnen Exellenzleben erzählen, wie's mir ergangen ist, werden Sie — so soll ich leben — lachen. — Ich komm' zu Wolf Zappert gegangen, läßt er mich erst e Läng' warten, es waren etwas Cavalieren drinnen bei ihm, endlich komm' ich hinein, sag' ich Mekaß^) Reb Wolf — so muß man zu ihm reden, weil er ein vornehmer Israelit ist — ich Hab' von einem noblen Haus einen Schmuck zu verkaufen, wollen Sie ihn kaufen? und wie er nur so mit dem Kopf nickt, zieh' ich das Futteral aus der Tasch' heraus. Wie ers aufmacht, feh' ich gleich, as ihm der Schmuck gefallen thut. Auf einmal sagt er grad ausm Maul heraus: „Von wem habt Ihr die Brillanten. Sog ich Mec .ß Reb Wolf Leben, ich Hab' sie von einer noblen Dame, was ich nit sagen darf ihren Namen, wenn Sie mir geben tausend Gulden, warum? — weil sie mir's verboten hat; weil sie nit will wissen lassen, as sie sie thut verkaufen, weil sie . . . . thut auf einmal Zappert e Schräg: Gut! redt nit so viel, — ich versteh' schon, so etwas kommt bei mir oft genug vor; nämlich der Wolf Zappert ist ein ganz nobler Mensch; aber wissen Sie Excellenzleben, was man bei uns Israeliten heißt e Ragsen, das heißt ein auffähriger Mensch. - Was soll der Schmuck kosten? fragte er; denk' ich mir: Sie Excellenzleben haben gesagt zweitausend Gulden; nix bieten is e Faulkat^)Nachlassen, denk' ich mir, kann ich doch immer — sag ich dreitausend .Seht mich Wolf Zappert an, wie wenn ich war aus e Tullhaus gekommen; — denk' ich mir, ich Hab überspannt geboten, sagt er. wer hat Euch gesagt, daß der Schmuck dreitausend Gulden werth ist? sag ich darauf, die noble Dame, was mir hat den Schmuck gegeben, verstehts nit gar zu gut; — Sie sind doch nit böse Excellenzleben, as ich das gesagt Hab? — und sie hat so etwas verlangt. Sieht mich Wolf Zappert an und sagt kurz weg: Ihr seid ein ehrlicher Mann aber ein Haupt- Chammer! — wissen Sie Excellenz was das heißt? — das sagt man bei uns Israeliten, wenn einer ein Esel oder ein Ochs ist, und damit hat er mich angestochen 5). Wenn man etwas verkauft, was man nicht versteht, sagt er, so muß man sich's zuerst taxiren lassen; sonst kann man leicht übervortheilt werden. Es ist ein Glück für Euch und für die Dame, die Euch mit dem Verkauf beauftragt hat, daß Ihr zu mir gekommen seid, nicht alle meine College» sind so gewissenhaft wie ich, und Ihr hättet leicht Eure Kundschaft um viele tausend Gulden, und sogar Euch selbst in den Ruf der Unehrlichkeit bringen können .solche Wörter hat der brave Wolf Zappert geredt; und hat sich niedergesetzt, und hat e Stund lang — eine glockedige, geschlagene Stund lang, den Schmuck geprüft, e jedes Stadelb) extra angeguckt, endlich sogt er: Der Schmuck ist eigentlich dreiundvierzig'tausend Gulden werth, aber ich kann doch nicht einen Kreuzer mehr als einuudvierzigtausend geben, warum? sagt Wolf Zappert, weil ich den Schmuck überfaffen muß, und er kann 3) einen Schrei. 4) eine Faulheit. 5) gestichelt. 6) Steinchen. 2) so viel etwa als Euer Ehrwürden.