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Der Israelit · 1877-08-22 · Heft 34 (22.8.1877) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 34 (22.8.1877)
Date
1877-08-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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805 Feuilleton. Der Königliche Ncsident. (Eine historische Erzählung.) XXXVI. Im Hause des Residenten herrschte unterdeß die größte Sorge. Asarjah hatte seine Besorgnisse nicht mehr für sich allein behalten können und hatte sie den Kindern seines Herrn, Lehmann und Röschen, mitgetheilt. Die drei jungen Leute saßen im Privat-Cabinet des Residenten beisammen und beriethen, was zu thun sei. Da öffnete sich die Thüre und derjenige, dem ihre Sorge gegolten hatte, trat herein. ..„Gottlob." rief Asarjah, „so ist meine Angst grundlos gewesen!"" „Nein, mein Sohn," sagte Rabbi Bärmann, „sie war nur zu wohl begründet, und nächst Gott verdanke ich meine Rettung Dir und dem vermummten Warner." Und Rabbi Bärmann erzählte den Seinigen alle seine Abenteuer und die wunderbare Rettung, die Gott ihm hatte zu Theil werden lassen. „Ich habe das Leben am Hofe satt", schloß Rabbi Bärmann seine Erzählung. „Ich werde nach Halberstadt zurückkehren und dort meinen bleibenden Wohnsitz nehmen. Du, Lehmann, bleibst hier an der Spitze des Geschäfts. Du bist aber noch sung. deßhalb habe ich Dir einen erfahrenen Compagnon ausgesucht. Ein gewisser Jonas Meier soll Dein Compagnon und Schwager werden. Du, Röschen, sollst Dich mit diesem Jonas Meier verloben. Röschen erblaßte. Thränen traten ihr in die Augen. Asarjah sah betrübt vor sich nieder. ' „Auch für Dich habe ich gesorgt, Asarjah," sagte der Resident, „der König will Dir einen Schutzbrief ausfertigen lassen; aber Dein Name ist ihm zu schwer zu behalten. Du sollst denselben in „Jonas" umwandeln, und da Dein Vater, gesegneten Andenkens, Meier hieß, so wirst Du von heute an Jonas Meier heißen; und wenn Du willst, so kannst Du mein Schwiegersohn und der Compagnon meines Sohnes werden." Welchen Jubel diese Worte Rabbi Bärmann's hervorbrachten, das entzieht sich jeder Beschreibung. Die jungen Leute stürzten aus ihn zu und bedeckten seine Hände mit Thränen und mit Küssen. Am andern Tage durchlief die Kunde Dresden , daß Fürst Lubomirski beim Könige in Ungnade gefallen und nach Polen zurückgekehrt sei. Auch Flemming sollte dasselbe Schicksal haben; schon war sein Abschied ausgefertigt und lag zum Expediren bereit in der Kanzlei. Aber als Flemming, der den König gar zu genau kannte und ihn durch seine Schwächen zu beherrschen wußte, davon hörte, drang er, trotz des ausdrücklichen Verbotes, bis zur Person des Monarchen vor. „Flemming," schrie ihn der König an, „entferne Dich augenblicklich oder ich lasse Dich verhaften und auf den Königstein transportiren!" „„Um dieses Juden willen!"" „Dieser Jude ist mehr werth als tausend Deinesgleichen. Der edle Mann hat Dir verziehen und mich gebeten, Dich nicht zu bestrafen, sonst hätte ich Dich schon verhaften und Dir den Prozeß machen lassen. Ihm zu Liebe, sollst. Du Deine Schlechtigkeiten. Fälschung und Mord, nicht büßen; aber aus meinen Diensten bist Du entlassen." „ .August, um unserer alten Freundschaft willen, bitte ich Dich, mich nicht ungehört aus Deiner Nähe zu verbannen."" ,,Du willst Dich noch verheidigen?" „„Ich bitte Dich, August, höre mich an. Ich gestehe, es war schlecht, was ich gethan; ich habe mich durch meine Leidenschaft verleiten lassen, diesen Juden verderben zu wollen. Allein, ich habe es doch erst gethan, nachdem Du seiner nicht mehr bedurftest; denn was ich auch ihne, Dein Dienst geht mir über Au es. Du hast keinen treuern Diener als mich und Du darfst mich nicht mit dem gewöhnlichen Maßstabe der Moral messen. War ich es nicht, der Dir die polnische Krone verschafft hat? Wäre das möglich gewesen, wenn ich so streng nach den Gesetzen des Rechts und der Sittlichkeit Verfahren wäre? Und Du selbst, August, mit Dir beginnt eine neue Epoche in der Weltgeschichte. Du bist bestimmt, Europa mit dem Beispiele voranzugehen, wie man mit den Traditionen der traurigen Zeit der Religionskriege bricht. Du hast Sachsen aus den starren Banden des Lutherthums befreit, hast durch Deinen Uebertritt zum Katholicismus die religiöse Toleranz auf die Fahne Deiner Herrschaft geschrieben, hast begonnen, Kunst und Wissenschaft zu fördern, hast Sammlungen von Kunstwerken angelegt wie sie Deutschland noch nicht besessen, hast französische und italienische Künstler. Sänger und Sängerinnen, Tänzer und Tänzerinnen hierlierberufen. hast Dich emancipirt von den Anschauungen Deiner Vorfahren, hast dieses Dresden in ein Elb-Athen umwandelt. Was meinst Du, wenn Dein Vater Johann Georg der Dritte oder gar Dein Großvater Johann Georg der Zweite einmal wiederkehrten — wen würden sie strenger beurtheilen. Dich und Deinen glänzenden Hof, Dich und Deine Aurora, Deine Ursula, Deine Anna, Dich und Deine Feste, Deine Schauspiele, Deine Tänzerin-

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