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Der Israelit · 1877-08-15 · Heft 33 (15.8.1877) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 33 (15.8.1877)
Date
1877-08-15
Page
– (sequence 18)
Language
German
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792 Die Einnahmen betrugen 16,400 Mk., die Ausgaben 10131 Mk. f£ftUtnBu?g. (Bericht eines Reisenden über Jerusalem). Wiederholt aufgefordert, mein Zeugniß über das, was ich in Jerusalem gesehen, wo ich mich im Anfang dieses jüdischen Jahres circa 4 Wochen aufgehalten, abzugeben, und neuerdings von dort selbst dringend ersucht, will ich nicht zögern, öffentlich mitzutheilen, daß ich über die Zahl der vielen Wohlthätigkeits- und Unterrichtsanstalten, der kleinen und großen Synagogen, die letztere bei den Aschkenasim und Chasidim, mit ihrem außerordentlich kühnem und schwungvollen Aufbau erstaunt war. Alle diese Gebäude werden nicht allein vollauf benutzt, sie sind zum öftern unzureichend wie z. B. das Frauenhosprtal der Marocaner, wo 6 bis 7 Bewohnerinnen sich in jedem Zimmer vorfanden und deren ronon rru, in dessen Hof wegen Raumesmangel Neuangekommene lagern mußten. Andere Zufluchtshäuser sah ich, die ein freundliches und geräumiges Ansehen hatten. In den Knabenschulen der deutsch, arabisch und spanisch sprechenden Gemeinden herrscht ein sehr reges Leben: Zimmer reiht sich an Zimmer und halten die Schüler ihre Vorträge mit offenbarem Interesse, mit lebhafter Kopf - und Handbewegung. Zu 13 Jahren sind dieselben gut gebildete -riru-Schüler; tn andern Gegenständen erhalten sie, wo und soweit Lehrkräfte vorhanden sind, Unterricht, die schöne Eintracht jedoch, die unter den sprachlich geschiedenen jüdischen Gemeinden im Allgemeinen herrscht, deren männliche Mitglieder gegenseitig vermöge eines fließenden Hebräisch mit sephardischer Aussprache verkehren, halte ich für die Frucht ihres ernsten rnin-Studiums in der Erziehung, dem allgemeinen Ziel ihres Wetteifers. Im Aeußern findet in Kleidung und Teint Unterschied statt, die Sephardim im Fez oder Tarbusch sind brünett, die Aschkenasim blond mit öfters zart gerötheten Augen, als könnte der aus dem Norden, am meisten aus Rußland und Ungarn, zurückgewanderte Stamm die orientalische Sonne nur schwer ertragen. Die Zunahme der jüdischen Bevölkeung in Jerusalem ist allgemein constatirt und freuen sich meine Begleiter, mit denen ich einen eine halbe Stunde von der Stadt entfernten Weinberg eines Juden besuchte, über die jetzige Sicherheit der Umgegend, eine Folge jener Zunahme. Handel und Handwerk liegt hauptsächlich in den Händen der Juden in Jerusalem und thut man ihnen ein schweres Unrecht, sie öffentlich oder versteckt der Arbeitsscheu zu zeihen. Ich habe Schneider, Schuhmacher, Sattler, Tischler beschäftigt und waren sämmtlich Jehudim. Eine naio ließ ich auf dem platten Dach des Hotels erbauen und waren der Meister und seine 4 Gehülfen mit langen ni*o (Ecklocken) versehen. Mehrere Kleidungsstücke ließ ich anfertigen und haben sich die jüdischen Kleideranfertiger auch hierin geschickt erwiesen. Daß zum Ackerbau viel Neigung vorhanden, beweisen die Vereine zum Ankauf von Land. Als vor einiger Zeit durch Anschlag an die Synagoge ländliche Arbeiter verlangt wurden, haben sich in kurzer Tageszeit mehr als tausend gemeldet. Sie scheuen aber auch die niedrigsten Arbeiten nicht, um sich mit ihren Familien redlich zu ernähren. Daß der jüdische Handel in Jerusalem concurrenzfähig ist, ward mir bald klar. Die beiden ersten Banquiers der Stadt sind ein Jude und ein Christ. Ich mußte einen 1000-Markschein wechseln und ließ ihn beiden anbieten. Der Christ offerirte 1100 Francs, der Jude 1200 Francs. Er war außerdem ein Mann von Bildung, in Jerusalem geboren und mehrerer Sprachen mächtig. Es wäre sehr zu wünschen, daß, wenn diese Zeilen in Jerusalem gelesen werden sollten, eine statistische Uebersicht der dortigen Geschäfte und Handwerke zur gefälligen Mittheilung dem „Israelit" übersendet würde, um die falsche, erfundene und wahrheitswidrigen Anklage: Die Juden in Jerusalem scheuten den arbeitsamen Erwerb, zu widerlegen. An Arbeitskraft und Willen fehlt es nicht, es fehlt an Nachfrage und Bestellung. Welche bedeutende Stellung jüdischer Handel und jüdisches Handwerk inne haben, zeigt das Laubhüttenfest. Niemand arbeitet vom ersten bis zum letzten der acht Tage und wird vor ihnen der Fremde gewarnt und thut wohl daran sich mit dem Röthigen, außer Eßwaaren, zu versehen, um nicht in Verlegenheit zu gerathen. Um schließlich meine Meinung über die jetzige Agitation gegen die npi^>n, das heißt die bisher gewährte Unterstützung zu sagen, so weiß die dortige , in sittlicher Beziehung an der Spitze der Völker stehende jüdische Bevölkerung, wohl am besten, wo der Schuh drückt und sie braucht von uns nicht zu lernen. Der Wunsch dominirend, vermöge der Unterstützung aufzutreten, könnte die traurigsten Folge haben. Will man Neues, vielleicht Verfehltes schaffen, so gewähre man die Mittel dazu, entziehe aber nicht das. Stück Brod denen, die mit Angst und Sorge darauf hoffen. Der Vorschlag, die min 'in allein zu unterstützen, ist ganz unverständlich; es ist fast die ganze jüdische Bevölkerung von Jerusalem zu den 'Ja min zu zählen, indem sie ei« festes und gefchlos-

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