Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1877)
- Date
- 1877-08-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447695-2447728--14008-2469899- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XVIII. Jahrgang. Zwrite Seilage zu Nr. 33 des Äsraelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 8. August. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurde der Versammlung die Mittheilung, daß Herr Leo Lorch (Israelit) der Stadt 40 Stück 3-proz. Staatsbahn-Prioritäten zu dem Zwecke übergeben hat, deren alljährliche Zinsen von Mt 480 am Todestage seines Sohnes Simon (28. August) einer armen dem Handwerkerstande ungehörigen Familie, ohne Unterschied der Confession, zutommen zu lassen. Mainz, 10. August. Wir haben heute wiederum 3492 M. 85 Pf. an das Centralcomito zu Amsterdam zum Besten der Nothleidenden im heil. Lande abgeschickt. 2000 Mark davon sind uns durch Herrn Bezirksrabbiner Dr. Salvendi in Dürkheim zugekommen. Die Summe der von uns in diesem Jahre zum Besten der Armen, Nothleidenden, Kranken, Wittwen, Waisen rc. im heil. Lande gesammelten und übersandten Spenden beträgt nunmehr 29,578 M. 3 Pf. Mainz, 10. August. Wir haben heute an das Comitö in Memel zum Besten der Abgebrannten in WUkomir in Rußland 1000 Mark abgesandt. Paderborn, 8. August. Bei dem Nekrolog der verstorbenen Frl. Fanny Nathan ist ein Punkt, welcher so besonders zur Würde des Trauertages beigetragen, nicht erwähnt worden. — Einsender dieses im Einverständniß mit Vielen, welche der Trauerfeier beiwohnten, hält sich daher verpflichtet, das Fehlende nachzuholen. Es betrifft die Trauerrede. welche Herr vr. Horowitz, Oberrabbiner zu Crefeld, am Sarge der Verklärten hielt. — Trotz des strömenden Regens war eine große Menschenmenge herbeigeeilt, Arm und Reich drängte sich in bunter Menge um den Sarg, der einfach und schmucklos in der Vorhalle des Waisenhauses aufgestellt war. Se. Excellenz, der Oberpräsident von Westfalen, Herr v. Kühlwetter, war durch den Provinzial-Landtag verhindert, zu erscheinen und ließ sich durch Herrn Landrath Jentsch vertreten, alle Honorationen der Stadt waren gegenwärtig. Herr vr. Horowitz sprach nun als Freund der edlen Verblichenen und j der Anstalt mit so hoher Begeisterung und Ueber- ] zeugung. daß alle Zuhörer mit Rührung an den ' Lippen des selbst so tief bewegten Redners hingen;! er entwarf in so ergreifenden Worten ein kurzes Lebensbild der Verblichenen, ihres Wirkens und Waltens, daß wohl kein Auge trocken blieb. Wir wollen hier nicht näher auf den Text und dessen herrliche Ausführung eingehen, da die Rede auf den Wunsch des Curatoriums gedruckt und den Freunden des Waisenhauses z'ugeschickt werden soll. Als einen Gewinn für die' Anstalt müssen wir es aber betrachten, daß Herr Oberrabbiner, Dr. Horowitz, sich bereit erklärte. in das Curatorium derselben einzutreten, und sind wir daher überzeugt, daß damit eirke große, geistige Kraft und ein väterlicher Freund für die Waisen gewonnen worden. Posen. Dem neunundreißigsten Bericht über die Verwaltung und den Zustand der israel. Waisen-Knaben-Anstalt zu Posen (Jahr 1876) entnehmen wir: Namhafte Zuwendungen der ständigen Mitglieder, wie auch solcher, welche dem Institut als Mitglieder nicht angehören, haben zu unserer Freude das rege und steigende Interesse bekundet, welches unsere Anstalt, wie die Art und Weise, in welcher sie ihrer Aufgabe gerecht zu werden sich bemüht, auch in weiteren Kreisen findet. Die Wohlthat der Anstalt genossen im Laufe des Jahres 18 Zöglinge. Neu ausgenommen wurden in diesem Jahre 4 Knaben. ' Der Obhut der Anstalt unterstanden ferner 6 Lehrlinge. An Dotationen und Legaten find 3600 Mk. zugegangen. Ferner hat der zu Wiesbaden verstorbene Rentier Meyer Brock 1500 Mark, vermacht. Derselbe hat außerdem letztwillig einen Theil seines Vermögens zur Begründung einer Familienstiftung für die Dauer von 100 Jahren unter dem Namen: „Meyer Brock-Stiftung" bestimmt. Das Grundkapital dieser Stiftung, welche von dem Vorstande der Baruch Auerbach'schen Waisen- Erziehungs - Anstalten zu Berlin verwaltet wird, beträgt 30,000 Mark und soll bei der am 17. Jan. 1976 erfolgenden Auflösung dieser Stiftung von dem alsdann vorhandenen Stiftungscapitale die Hälfte unserer Anstalt zufallen.