Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1877)
- Date
- 1877-08-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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785 haben," „geruhen zu wollen" — und stets derartige Redeformen gebrauchen, auch wird die Frau Oberstburggräfin mit dem Tit." Anna wurde in ihrer wohlmeinenden Belehrung unterbrochen, die Gräfin trat wieder ein. Magdeburger, der zuerst sehr erschrocken und verschüchtert war, hatte sich schnell gefaßt. Die Dame war gütig, herablassend gegen ihn. Trotz seiner geringen Klugheit, fühlte er es doch instinktiv . daß er der Gräfin einen Dienst erweise, überdies wollte es dem Kundschaftgeher nach Art aller dummen Leute. die über ihre eigenen Fehler kein Urtheil haben — bedünken, daß er heute ganz prachtvoll spräche; die Worte flössen ihm, so meinte er, wie purer Honigseim von den Lippen, und sein frommes Gemüth wollte in dieser vermeintlichen Redefertigkeit schon ein halbes Wunder erkennen. Auch hoffte er durch seine nahe Verwandtschaft mit Wolf Zappert der Oberburggräfin ganz ungeheuer imponirt zu haben. Der Tadel des Kammermädchens schien ihm vollkommen unbegründet, vielleicht, schmeichelte er sich — neidete sie ihm seine oratorische Triumphe; „die Gnade haben" und „geruhen zu wollen." Kleinigkeit! Das wär' doch leicht in der Rede einzuflicken, dachte er; nur bezüglich der Titulaturen, da fühlte er sich allerdings nicht gavz sicher; aber was lag daran, seine Frau hatte ihm einige ganz wohlklingendeempfohlen, „werd ich einmal der folgen" dachte er. „Hier ist der Schmuck" sprach die Gräfin aus dem Zimmer tretend, indem sie ein umfangreiche- Futteral vorzeigte. Sie drückte an einer Feder, und prachtvolle Ohrgehänge, Busen- und Haarnadeln , allerdings in einer höchst unmodernen Fayon, was aber Magdeburger nicht zu beurtheilen wußte — boten sich seinen erstaunten Blicken dar. Das war ein Schmuck — da war jener, den die Frau des Primator Frankel an Feiertagen trug, nichts dagegen. „Was glaubt er. waS der Schmuck Werth sein mag," frug die Gräfin „ich habe nicht einmal annähernd einen Begriff davon." Magdeburger that es sehr wehe, sich bei der Dame, bei dem ersten Geschäfte, bezüglich seiner Kennerschaft, in so ungünstigem Lichte darstellen zu müssen. Bei Kubitschka, der sein vielumfassen, des gründliches Wissen im Reiche der Kleider, Möbel, Utensilien und dergleichen kannte, konnte ihn eine solche Lücke, die sein merkantilisches Berständniß bezüglich Edelsteine aufwies, nicht herabsetzen — aber da! ... . Magdeburger sah den Schmuck ganz verlegen an, zog feierlich seine schwarze Hornbrille aus der Tasche, besichtigte die Schmucksachen mit bewaffnetem Auge, betastete endlich ganz überflüssigerweise die Steine, als wenn er deren Härte prüfen wollte. „Hm! Euere Majestät," sprach er, der eben empfangenen Lehren eingedenk, einen prächtigen Titel aus seinem Borrathe wählend, „ich versteh! Alles, Eisen, Tuch, Leder, Meß *), mit einem Wort Alles auf der Welt; — aber solches Zeug," er schwenkte die Hand verächtlich über den Schmuck, „Hab' ich noch nicht viel gehandelt, aber Euer Gnaden Frau Hoheit — ich werd' mit Ihnen wie ein Bruder mit dem andern reden. Sie müssen mir den Schmuck geben, und ich werde die Gnade haben und werd zu Wolf Zappert damit gehen, was der geruhen wird Dafür zu geben, ist gewiß der beste Preis; — er is auch e Stück Freund von mir, warum? mein Großvater selig war. Die Gräfin unterbrach den Erguß seiner genealogischen Darstellung mit einer Handbewegung. Sie mußte üver den dummen Menschen, dem die gewöhnlichsten Umgangsformen so fremd waren, lachen. Magdeburger mißdeutete dies, er triumphirte, ihm schiens eine bewundernde Anerkennung seiner gewählten Sprechweise. „Ich halt' ihn nach den Mittheilungen der Anna für einen ehrlichen Menschen; schau' er nur, daß er recht viel Geld dafür bekommt, denn zweitausend Gulden brauche ich unumgänglich nothwendig; sollte er,'gegen mein Erwarten weniger dafür bekommen, so wäre ich wirklich in großer Verlegenheit." „Zweitausend Gulden? viel Geld" meinte Magdeburger kopfschüttelnd — „was ich bekommen werd', werd ich Euer Wohlgeboren Frau Hoheit bringen." „Glaubt er, daß er schon morgen Nachmittag das Geld für den Schmuck haben wird?" „Warum soll ich morgen Nachmittag nicht das Geld dafür haben?" antwortete Magdeburger nach seiner Lieblingsgewohnheit fragend. „So komm' er morgen um vier Uhr herauf, und bring' er mir's — verstanden? Mein Gemahl speist morgen beim Fürsterzbischof, dessen Namenstag morgen ist, und ich erwarte ihn kaum vor Abend. Sollte mein Gemahl, gegen alles Vermuthen, wahrend seiner Anwesenheit kommen, und ihn hier treffen, so sagt er: ich Hab ihn wegen Seidenstoffen, die ich kaufen will, herbefohlen, — verstanden? „Warum soll ich das nit verstehen?" meinte der Kundschaftgeher empfindlch; „Sie reden ja deutsch mit mir Euer Wohlgeboren Majestät; aber wissen Sie Hoheit leben Frau Oberstburggräfiu; 1) Messing.