Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1877)
- Date
- 1877-08-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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784 die Umstehenden in sichtliche Verwirrung. Da trat Herr Weinberg vor und erklärte Namens derjüd. Gemeinde, zur Erziehung des Mädchens 600 Frs. zu spenden. Die Fürstin war freudig überrascht von diesem zeitgemäßen Anerbieten und dankte in den schmeichelhaftesten Worten. Es ist dies ein wahrer Kiddusch - haschem gewesen, zumal Herr Weinberg den Betrag in Anbetracht der mißlichen Lage der Gemeinde aus Eigenem erlegte. Bukarest. Demeter Bratiano, Bruder deS -rumänischen Ministers des Aeußern, hat eine Broschüre unter dem Titel: „Eine Gewissenspflicht gegen mein Land" veröffentlicht, in welcher er die bisherige Regierungspolitik gegen die Türkei tadelt, das Zusammengehen mit Rußland mißbilligt und es als einen Fehler erklärt, daß man den Russen den Eingang in das Land nicht verwählt hat. Nun sollte man doch glauben, daß Bratiano dies nur in begeisterter Vaterlandsliebe ausspricht. Weit gefehlt! Als Grund dieser Mißbilligung wird «ngegeben, daß 12000 Handelsjuden der russischen Armee folgen, die sich mit dem Gelde der Russen bereichern, anstatt daß dieses, wie man hoffte, in Rumänien bleibe. Die echte rumänische judenfeindliche Gesinnung leuchtet aus der Broschüre hervor. (W. Jsr.) Feuilleton. David Leb Magdeburger. Prager Ghettobild aus dem letzten Viertel des vor. Jahrhunderts.*) Von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel". III. Als Magdeburger in seinen besten FeiertagSgewändern wieder dem oberstburggräflichem Palais zuschritt, konnte er sich eines bänglichen Gefühles nicht erwehren. Er hatte seine Kunden, bisher nur aus Bürger-, nieder« Beamten- und Officierskreisen, rekrutirt; mit dem hohen Adel hatte er fast noch nie verkehrt, und in seltenen einzelnen Fällen, waren das nur Herren gewesen; — und jetzt sollte er der höchsten Dame des Landes gegenüberstehen. Magdeburger war trotz seiner geringen Klugheit, doch vernünftig genug ejnzu- *) Jeder Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden, UebersetzungSrecht Vorbehalten. sehen, daß er mit so hohen Personen nicht umzugehen, ja sie nicht einmal gehörig anzusprechen wisse. Der Respect vor dem Adel war in jener Zeit unendlich höher, ünd bloS der hohe Bamte war ebenso gefürchtet. Die Oberstburggräfin aber war die Gemahlin des ersten CavalierS und des höchsten Beamten des Landes. Sein Herz klopfte, schon als er in Kubitschkas Zimmer trat, wo ihn Anna erwartete. Man hattees so einzurichten gewußt, daß gar keiner von der Dienerschaft im Hause war. Magdeburger fühlte sein Herz bis in den Hals hinaufschlagen, als er dem Kammermädchen über die breite Stiege, die weiten Gänge, durch eine Flucht von Gemächern in das Zimmer der Oberstburggräfin folgte. Anna öffnete die Thüre, und indem sie vor Magdeburger eintrat, sagte sie: „Excellenz, ich bringe den Mann, den hoch Dieselben herzubefehlen geruhten" und zog sich in einem Winkel des geräumigen Salons zurück. Die Oberstburggräfin, Gräfin Lazansky, war eine noch immer stattliche schöne Frau, von etwa achtunddreißig Jahren. Sie blickte den Kundschaftgeher einige Sekunden prüfend an, dann frug sie. „Wie heißt er?* „David Löw Magdeburger Eure Wohlgeboren gnädigste Frau Oberstburggräfin." Diese lächelte ein wenig. „Er weiß wohl um was es sich handelt. — Ich will einen Schmuck verkaufen, aber der Käufer darf nicht erfahren von wem er herrührt, auch weiß ich nicht welchen Werth er besitzt. verstanden?" „Warum soll ich das nit verstehen?" frage dagegen nach seiner Gewohnheit der dumme Kundschaftgeher. „Sie müssen nur so gut sein, meine liebe Frau Oberstburggrafin, mir den Schmuck mitzugeben. Ich will Sie nit betrügen, und Sie wollen mich nit betrügen; Hab* ich nicht ganz recht? und verstehen thun mir beide nix was der Schmuck werth is; is nit wahr? Ich werd' also gehen zu Wolf Zappert, was de is ein feiner braver Mensch und ein großer Juwelier, er is Freund von mir, warum? weil sein Obervetters Stiefsohns zweite Frau, is e Geschwisterkind von meinem Großvater gewesen — der betrügt uns um keinen Kreuzer...." „Ich werde ihm den Schmuck hereinbringen," unterbrach ihn die Gräfin. Während diese in das Nebenzimmer ging, trat das Kammermädchen rasch an den Kundschaftgeher hieran. „Um Gotteswillen," flüsterte sie, „was haben Sie für eigenthümliche Manieren! Sie sprechen ja, als wenn Sie mit, ich weiß nicht wem, reden würden.Sie müsse« stets sagen „die Gnade