Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1877)
- Date
- 1877-08-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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782 oebung selbst den Feinden gegenüber zur Pflicht wacht."" „So sollen sie sich wenigstens vor Dir demüthigen," sagte der König. „„Auch das möge Eurer Maiestät Gnade mir zu Liebe unterlassen. Die Verzeihung ist nur eine halbe, wenn sie einen Stachel zurückläßt, und die Demüthigung versöhnt den Gegner nicht, sie verbittert ihn nur."" „So sei eS nach Deinem Wunsche; aber Du sollst heute nicht fortgehen von hier ohne ein Zeichen meiner königlichen Huld." „„Ich danke Eurer Majestät für die gütige Zusage; ich wollte mir schon eine Gnade erbitten. Ich fühle, daß ich anfange, alt zu werden. Genehmigen Euer Majestät, daß mein Sohn Lehmann Behrend das hiesige Geschäft übernehme; ich möchte noch Halberstadt zurückkehren und dort bleiben."" „Es sei Dir gewährt, Behrend, so sehr ich Dich auch entbehren werde. Doch wirst Du kommen, wenn ich Dich rufe?" „„Ich stehe immer zu Eurer Majestät Diensten; allein, ich habe noch etwas zu erbitten. Mein Sohn ist noch sehr jung; ich möchte ihm einen erfahrenen Compagnon geben."" „Und wer soll das sein?" „„Mein künftiger Schwiegersohn, Asarjah Meier."" „Asarjah — den Namen kann ich nicht behalten. Ich will Dir die Bitte gewähren und Deinem Schwiegersohn einen Schutzbrief ausstellen lassen, aber unter der Bedingung, daß er seinen Namen ändere." „„Und wie befehlen Eure Majestät, daß er sich nennen soll?"" „Sag' Du, Anna, wie soll der Schwiegersohn des Residenten heißen? Abraham, Jsak, Jakob oder Joseph?" „„Ich meine,"" sagte die Gräfin, „„man solle ihn Jonas nennen zum Andenken daran, daß, wenn nicht er, doch sein Schwiegervater von dem Rachen des Raubfisches verschlungen und wieder frei ist gegeben worden."" Wiederum zog der König an dem Glockenzuge und befahl dem eintretenden Kammerdiener, den Geheimen Kabinets-Secretär, Herrn von Könneritz, herzubescheiden. Als dieser erschien, befahl ihm der König, ein Deeret auszufertigen, durch welches Lehmann Behrend, der Sohn des Königlichen Residenten Behrend Lehmann, zum zweiten Residenten ernannt werde und ferner einen Schutzbrief für den von nun an in Dresden ansässigen Kaufmann JonaS Meier, den Compagnon des zweiten Residenten Lehmann Behrend verabfolgen zu lassen. Herr von Könneritz verneigte sich. „Erlauben Eure Majestät," sagte er. „daß ich gleich hier dem Herrn Residenten eine Mittheilung mache?" Der König nickte zustimmend. „Es ist für den Herrn Residenten beim hiesigen Hofgericht, dem er als Königlicher Resident untersteht, eine Sendung von Hannover angekommen, bestehend in einem Pelz und einer Tabativre. Man hat nämlich in Hannover eine Diebesbande eingefangen, welche geständig ist, im September vorigen Jahres den Herrn Residenten mit Hilfe seines Dieners in Braunschweig bestohlen zu haben; das Geld sei gleich wieder aufgefunden worden; den Pelz und die Tabatiere aber hätten die Diebe damals in Sicherheit gebracht. Beides ist heute angekommen und befindet sich im Cabinet. Gegen Quittung kann es der Herr Resident sofort in Empfang nehmen." „„Wunderbar, wunderbar,"" sagte der König. „„Wenn es noch einer Bestätigung Deiner Angaben bedurft hätte, Behrend, das wäre eine solche gewesen."" „Schade," sagte die Gräfin, „daß Du von hier fortziehen willst, Behrend; ich hätte gewünscht, daß Du mir Unterricht in der jüdischen Religion ertheiltest." „„Du willst wohl allen Ernstes Jüdin werden?"" fragte der König lachend. „Allen Ernstes," entgegnete die Gräfin. , „„Da wäre ich wenigstens nicht der erste König von Polen, der eine Jüdin liebte. König Kasimir der Große liebte ebenfalls eine Jüdin. Wie hieß sie doch, Behrend?"" „Esterka Regina, Majestät." „„Esterka Regina,"" wiederholte die Gräfin. „„Heißt das nicht so viel wie: Königin Esther? Wenn die Königin stirbt und ich Deine wirkliche Frau werde, August, so will ich zuvor Jüdin werden und dann den Namen Esterka Regina annehmen. (Fortsetzung folgt) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger).