Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1877)
- Date
- 1877-08-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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781 nie gesehen bis eben jetzt; sie sind gefälscht. Per Fürst Lubomirski ist mein Feind, weil ich ihn damals verhinderte, an meinen Glaubensgenossen sich zu rächen und weil ich es später Hintertrieb, daß er König von Polen wurde. Er hat mir wiederholt Rache geschworen." „„Aber Lubomirski kann doch diese Documente nicht gefälscht haben!"" „Majestät, auch Graf Flemming zürnt mir, Weil . . „ „Weil er die Hälfte seines Trinkgeldes herausgeben mußte, wie Hanie sagt. Du magst Recht haben, Behrend, Flemming ist zu solchen Dingen fähig. Aber der Pelz! Es ist doch derselbe Pelz, den ich Dir in Warschau selbst ausgesucht habe!"" Rabbi Bärmann nahm den Pelz und breitete ihn aus. .„Majestät," sagte er, „der Pelz sieht dem weinigen zwar sehr ähnlich, allein er ist es dennoch nicht. Ich habe den weinigen vielfach auf Reisen benützt; er war nicht mehr so gut erhalten wie dieser da. Eure Majestät können sich leicht überzeugen, daß dieser Pelz nie mir gehörte. Erinnern sich Eure Majestät, daß der Garderobier Francis Duval in Allerhöchster Gegenwart...." „„Die Näthe auftrennte und die Einlagen von Leinwand herausnahm! Ja, ich erinnere mich."" Er zog den Glockenzug und rief dem eintrelenden Kammerdiener zu: „Duval soll kommen!" „„Was bedeutet das?"" fragte die Gräfin. „Gnädigste Gräfin, wir Juden dürfen nicht Kleider tragen, die aus Wolle und Leinen verfertigt sind. Als Seiner Majestät Gnade mir den Pelzrock verehrte, ließ ich, ehe ich den Rock anzog, die Leinwand entfernen und durch Seide ersetzen." „„Welch' sonderbare Vorschriften!"" sagtedie Gräfin. „„Ist auch dieses Gebot ein schützender Engel?"" „Eure Erlaucht werden sich überzeugen. Nicht dachte ich damals daran, daß die Beobachtung dieses Gottesgebotes dazu dienen würde, meine Unschuld und die Schuld meiner Feinde zu erweisen. Ich that so, weil es Pflicht ist, Gottes Gebot zu beobachten." Francis Duval, der Ober-Garderobier des Königs, erschien. Auf Geheiß des Monarchen trennte er die Näthe von einander: die Näthe waren mit Leinwand-Garn genäht; inwendig fanden sich Einlagen aus Leinwand vor. „Wahrhaftig," rief der König, „Euer Gott ist ein wahrhafter Gott, und die Gesetze, die Er Euch gegeben, sind Wahrheit, der höchsten Weisheit voll. Glücklich, wer Ihm dient und Seine Gebote beobachtet. Auch ich danke Ihm, daß Er mich gehindert hat, unschuldig Blut zu vergießen. Du bist gerechtfertigt, Behrend, Du bist glanzend gerechtfertigt. Niemals werde ich wieder Jemandem Glauben schenken, der Dich verleumden wird wollen. Aber Deine Feinde und Verleumder, die sollen es büßen. Flemming und Lubomirski soll die Strafe ereilen, die sie Dir zugedacht hatten." „ „Erlauben Eure Majestät, daß ich ein Wort rede?" " „Sprich, Behrend!" „ „Als ich in Waldenburg aufgehalten wurde, um die Beschneidung zu vollziehen, mußte ich einen ganzen Tag dort verweilen, an welchem ich nichts zu thun hatte. Da erzälte mir der arme Mann, der Vater des Kindes, seine Geschichte. Derselbe war vordem ein begüterter Mann in Franken gewesen. Fanatiker hatten seinen Bruder ermordet; er rief die Hilfe der Gerichte an; die Mörder wurden bestraft; aber der unglückliche Jude wurde von der Rache des Pöbels verfolgt; er mußte mit Zurücklassung seiner Habe entfliehen und mit seinem jungen Weibe als Bettler durch die Welt ziehen. Majestät, unser Gott befiehlt uns: „Du sollst Dich nicht rächen, Du sollst keinen Haß nachtragen!" Ich wünsche nicht, daß meinetwegen zweimächtige Männer mit einflußreicher Verwandschaft, wie Fürst Lubomirski und Graf Flemming, sterben sollen. Ihr Blut würde noch ihre späten Enkel zum Hasse gegen meine Glaubensgenossen aufreizen, und wenn Eure Majestät mir eine Gnade erweisen wollen, so bitte ich, daß Sie meinen Feinden verzeihen wie ich ihnen verziehen habe."" „O, Behrend," rief die Gräfin, „welch' ein edler, guter Mensch bist Du! Verzeihe auch mir! Auch ich hätte einen großen Antheil an Deinem Unglück gehabt, wenn Gott Dich nicht in so wunderbarer Weise gerettet hätte. Ich kannte die Juden nicht; in meiner Heimath, in Holstein, wohnen nur wenige. Ich war voller Vorurtheil gegen die Juden. Man hatte mich schon als Kind gelehrt, daß sie verflucht seien als Heilandsmörder, daß sie nichts seien als Wucherer, Betrüger und Diebsgesindel. Dies Vorurtheil übertrug ich auch auf Dich und schürte den Zorn des Königs gegen Dich." „„Gnädigste Gräfin, ich habe Ihnen nichts zu verzeihen. Es ist ja leider schlimm genug, daß so schreckliche Vorurtheile gegen mein Volk herrschen, daß die Kinder den Haß gegen uns Juden mit der Muttermilch einsaugen. Vielleicht wird einst eine Zeit kommen, in welcher dieser Haß verschwinden wird. Eine solche Zeit anbahnen zu helfen, ist mein sehnlichster Wunsch. Und deßhalb verzeihe ich meinen Feinden gern, damit diese erkennen, daß meine Religion ihren Angehörigen Liebe undVer-