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Der Israelit · 1877-08-08 · Heft 32 (8.8.1877) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 32 (8.8.1877)
Date
1877-08-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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754 „Ha," rief der König; „der Jude hat eS ge- > wagt, mir ungehorsam zu sein; er hat Lunte gerochen und ist nichZ nach Königstein gegangen. Warte, warte, Behrend, ich lasse Dich hier auf'S Rad flechten!" In diesem Augenblicke erschien der Resident, sich tief verneigend in der Thüre. „Warum warst Du nicht auf dem Königstein?" herrschte ihn der König an. „ „Majestät," " entgegnete der Resident, „ „ich komme von dort!"" „Du kommst von dort? Und hat der Com- Mandant meinen Brief nicht erhalten?" ,, „Der Commandant hat Euer Majestät Schrei- . ben richtig erhalten." " „Und er hat eS gewagt, mir ungehorsam zu sein?" „„Der Commandant hat Euer Majestät Befehl pünktlich vollführt."" „Wie ist das möglich, Du stehst doch hier gesund vor mir!" „,,O, Majestät, waS ist mein Verbrechen, was meine Sünde, daß mein König mir nach dem Leben trachtet? Eure Majestät haben keinen treuern Diener als mich! Habe ich das nicht oft genug bewiesen? Habe ich nicht meinem Könige stets mit Aufopferung gedient? Habe ich nicht mein eigenes Leben gewagt, um Eure Majestät vor schimpflicher Gefangenschaft zu retten? Womit habe ich es verdient, daß mein König mich gleich einem Verbrecher auS dem Leben schaffen wollte?"" „Man hat Dich des Hochverraths überführt, Behrend!" „„Des Hochverraths? Verleumdung, Majestät, nichts als Verleumdung!"" „Man hat mir Documente übergeben, auS denen hervorgeht, dasi Du mit dem Fürsten Sapieha und dem Schweb''- konig in Verbindung stehst, um die Sachsen aut Pulen zu vertreiben und Stanislaus Leszinski wicl>-r zum Könige zu proclamiren." „„Majestät, diese Documente müssen falsch sein; ich habe nie derartige Schriften gesehen, nie mit dem Fürsten Sapieha, nie mit dem Könige von Schweden oder sonst Jemandem geheime Verbindungen unterhalten." " „Und doch hat man diese Dokumente in Deinem Pelze steckend gefunden, in demselben Pelze, den ich Dir einst geschenkt habe und der Dir bei einem Streite mit dem Jäger de- Fürsten LubomirSki ist entrissen worden." „„Es ist Lüge, Majestät, nichts alS^ Lüge. Der Pelz, welchen Eurer Majestät Gnade mir verehrt hat, ist mir bereits vor geraumer Zeit, vor circa sechs Monaten, in Braunschweig gestohlen worden, als ich dort mit den Agnaten des Welfischen Hauses den Verkauf von Sachsen-Lauenburg verhandelte."" Der König setzte einen Schellenzug in Bewegung. Ein Kammerdiener erschien. ,Graf Bünau soll mir den Pelz und die Documente des Residenten Behrend Lehmann sofort hierhersenden!" Der Kammerdiener entfernte sich eilends. „Du hast uns noch nicht berichtet," sagte die Gräfin Kofel, „warum Dich der Commandant von Königstein nicht hat vom Leben zum Tode bringen lassen, wie ihm doch war befohlen worden." „„Gnädigste Gräfin, der allgütige Gott hat zum Schutze der Unschuld Seinen Engel gesandt und mich erettet."" „Wie, einen wirklichen, geflügelten Engel?" „„Nein, sondern die Erfüllung eines der heiligsten Gebote. Ich fand unterweges eine arme Judenfamilie, der ein Söhnchen war geboren worden; ich ließ mich überreden, in Waldenburg zu bleiben und die Beschneidung zu vollziehen, da weit und breit kein anderer Operateur aufzutreiben gewesen wäre. Ich sandte meinen Diener Johann mit dem Schreiben Eurer Majestät nach dem Königstein. Er wurde statt meiner erschossen. Vor seinem Tode gestand er ein, daß er ein ungetreuer Diener gewesen, daß er mich fortwährend bestohlen und auch bei dem Diebstahl in Braunschweig betheiligt war."" „Behrend" , rief die Gräfin, „Dein Wort hat sich wunderbar bewährt; Dein Gott hat Dich beschützt und errettet! Nun müßte ich eigentlich Jüdin werden; ich habe es versprochen, wenn Du von dieser Reise nach dem Königstein wiederkehrst. WaS meinst Du, August, soll ich Jüdin werden?" Der König lachte herzlich. „Werde lieber Türkin", sagte er, „dann würdest Du mich doch nicht mehr mit Deiner Eifersucht quälen." Der Kammerdiener trat ein. legte den Pelz uud die Documente vor den König nieder und entfernte sich dann. (Fortsetzung folgt ) Hierzu vier Beilage«. Verantwortliche Redaetion: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. GottSleben'S Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger).

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