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Der Israelit · 1877-08-08 · Heft 32 (8.8.1877) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 32 (8.8.1877)
Date
1877-08-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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749 „Und wie der Sand am Ufer des Meeres." — Einst hatte Wasser die Oberfläche der Erde bedeckt; Gott hieß die Fluthen zurücktreten, damit Raum werde für die Geschöpfe, die auf dem Trockenen leben sollten. Das große, ungeheure Becken des Weltmeeres ist mit Wasser gefüllt, genug, um in einem Augenblicke die Erde zu überschwemmen , die Menschen und ihre Gebilde zu vernichten. Hast Du, lieber Leser, schon einmal vom Strande aus auf die endlos sich dehnende Meeresfläche geschaut zur Zeit, da der Sturm die Wogen thürmt? Da kommen sie heran, die onn« D’ natpo, die mächtigen Wogen des Meeres, thurmhoch, Berge-groß, und es sieht aus, wie wenn sie die ganze Welt überfluthen wollten; aber pn niajp Ntn, eine Grenze hat Gott gesetzt, welche die Fluthen nicht überschreiten können. Und diese Grenze bildet der Sand, der unscheinbare Sand, die mächtigen, gewaltigen, brausenden Flutheu müssen sich im Sande verlaufen, müssen zurück in das ihnen angewiesene Becken — nicht läßt fcer Sand sie weiter Vordringen. Und dieser S.and als Grenze, als Bollwerk gegen dre heranstürmende Fluth ist ein Bild Israels. Es stürmen die Völker mit ihren mächtigen, ungebrochenen Leidenschaften gleich den Wogen des Meeres Aber als Bollwerk der sittlichen Weltordnung tritt ihnen Israel mit seiner reinen Gotteslehre entgegen, und die gewaltigen Wellen müssen sich brechen und zurückströmen. Israel selbst, unscheinbar gleich dem Sande, den man mit Fügen tritt, dessen einzelnes Körnlein nicht die geringste Wichtigkeit zuhaben scheint, ist dennoch der schützende Damm, welcher die Ueberfluthung verhindert. Die reinen erhabenen Lehren, die von ihm und seiner Thora ausgehen, brechen die Leidenschaften und wehren dem zerstörenden Verderben. So ist unser heiliges Volk ein Bundesgenosse der Gottheit, die Wahrheit bezeugend, die Wahrheit fruchtbringend machend, die Wahrheit schützend. Und dieser Bund, den Gott mit den Vätern geschlossen, und den die Kinder mit ihrem Blute besiegeln, dieser Bund hört niemals auf und gewährleistet die Dauer Israels. Diesen Bund wird Gott nicht vergessen, und kommen wird der Tag, an dem wir sprechen werden: „Siehe da unser Gott, auf den wir gehofft haben, und Er wird uns helfen; siehe da, der Ewige, auf den wir gehofft haben, wir wollen frohlocken und uns freuen mit seiner Hilfe!" (Fortsetzung folgt.) Die Petition preußischer IynagogtnoorMudr um obligatorischen jni>. Neligiouruntericht. ix. Für die Einführung des obligatorischen jüdischen Religionsunterrichts hört man oft — nicht von Seiten der Petition, oder des „Aufrufs an die isr. Gemeinden in Preußen" — einen Umstand geltend machen, der weil er der einzige ist. welcher einen Schein von Berechtigung für sich hat, hier noch einer Besprechung unterzogen werden möge. Wenn auch ein zweistündiger jüdischer Religionsunterricht gewissenhaften Eltern nimmermehr genügen könne und genügen würde, so könne man doch nicht in Abrede stellen, daß diejenigen Eltern, welche ihre Kinder traurigerweise ohne jeglichen Religionsunterricht heranwachsen lassen, auf diese Weise genöthigt sind ihre Kinder wenigstens etwas Religion lernen zn lassen, so viel oder so wenig als eben ein zweistündiger Religionsunterricht bieten kann. Man müsse also einer Organisation das Wort reden, die doch unleugbar dazu angethan sei, der leider täglich mehr und mehr um sich greifenden Religionslosigkeit, wenigstens in Etwas entgegen zu treten. Wir haben dabei Folgendes zu bemerken: Angenommen diese Lichtseite des obligatorischen Religionsunterrichts wäre so ganz schattenfrei, wie sie es nach unserer weiterhin darzulegenden innersten Ueberzeugung eben nicht ist, so bliebe es doch immerhin mehr als fraglich, ob es rath» sam, ja ob es statthaft ist, einer Einrichtung, die, von welcher Seite man sie auch betrachten mag, so gefahrdrohend und daher verwerflich erscheint, deshalb das Wort zu reden, weil sie auch einen einzigen allerdings bedeutenden Vortheil mit sich führte; kurz ob das toicra Kön nnoi« p« -pan rapp nicht im vollsten Maaße hier seine Anwendung habe. Daß vom Standpunkte der Gewissensfreiheit dieser Vortheil aufhört als ein solcher zu erscheinen, weil er für diejenigen Kinder einen Zwang ausübt. deren Eltern eben eine religionslose Erziehung wünschen, verdient in erster Reihe betont zu werden. Das orthod. und neologe Gewissen haben dem Staate gegenüber gleichen Anspruch auf ihre Freiheit. Seine Hand dazu bieten, daß Kinder gegen den Willen ihrer. Eltern zwangsweise für ein bestimmtes religiöses Prinzip erzögen werden, ist und bleibt ein geradezu unmenschliche Härte, die durch keine etwaigen Segnungen des aufoctroyirten Religionsunterrichts gemildert wird. — Man braucht eben nur diesen zweistündigen Religions'.'.nterricht einmal näher zu

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