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Der Israelit · 1877-08-08 · Heft 32 (8.8.1877) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 32 (8.8.1877)
Date
1877-08-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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748 hung eines Theiles seiner Macht entäußert. ^12.1 O'Dff nrr->'!2 pn O'OlLk '->'2 „Alles steht in Gottes Hand mit Ausnahme der Gottesfurcht." Der Mensch hat die Freiheit des Willens; er kann unabhängig handeln; er kann das Gute üben und das Böse meiden, er kann aber auch das Böse wählen und das Gute verschmähen. Diese erhabene Lehre von der Freiheit des Willens ist zuerst durch die Religion Israels der Welt offenbart worden, kern Volk des Alterthums kannte sie; die gebildetsten Völker der alten Welt vermeinten, daß die Freiheit des Menschen nur eine scheinbare sei, daß er in Wirklichkeit den Gesetzen der Nothwendigkeit gehorche. Nur von dem Standpunkte der menschlichen Freiheit aus ist ein Bund mit der Gottheit denkbar. Gott wählt sich in frommen, edlen Menschen Bundesgenossen; D^iyn rw □ •av!pan D’p’nyn, „die Frommen, die zur Erhaltung der Schöpfung beitragen," sind Gottes Bundesgenossen gegen ü’ytcnn D^yn n« D'aaNDn „die Bösewichter, welche Gottes Schöpfung zu vernichten streben." Mit den ersten Menschengeschlechtern schloß Gott kein Bündniß. „Zehn Geschlechter von Adam bis Noah, und alle erzürnten Ihn," und von Gewaltthat und Entartung ward voll die Erde, „bis Er über sie brachte die Gewässer der Fluth." Eine neue Welt begann, nach der Fluth, mit Noach, und mit ihm schloß Gott einen Bund, durch den Er verhieß, nie mehr alles Lebende durch eine allgemeine Fluth zu vernichten. Gott hat den Bund nicht wieder aufgehoben, aber schon im Todesjahre Noachs empörte sich das Menschengeschlecht, wollte einen Thurm bauen, dessen Spitze dis in den Himmel rage, um — thörichte Menschen? — die Gottheit zu bekriegen. Das frevle Unternehmen scheiterte und führte zur Theilung des Menschengeschlechts in sich befehdende Nationen. Gott aber schloß auf's Neue einen Bund mit Abraham; Er bestätigte diesen Bund mit Jizchak, und hielt ihn aufrecht für Jakob und dessen Nachkommen, bis der Bund am Sinai erneut und bestätigt wurde für alle Zeiten. Es sind drei segnende Verheißungen, die Gott dem Abraham bei Schließung des Bundes gegeben und die alle drei dasselbe jedesmal mit einem andern Bilde veranschaulichen. „Und Ich werde machen Deine Nachkommen so zahlreich, wie der Staub der Erde, den Niemand zu zählen vermag. <1. B. M. c. 43, v. 16). — „Schaue doch hin auf den Himmel und zähle die Sterne, ob du sie zu zahlen vermagst. Und Er sprach zu Ihm: Also soll sein dein Samens (1. B. M. c 15 v 5).— „Denn Ich werde dich segnen und vermehren, vermehreu werde ich deinen Samen wie die Sterne des Himmels und wie der Sand am Ufer des Meeres." (I. B. M. c. 22. v. 17). In diesen drei Bildern, die in Bezug auf die große, für uns unvorstellbare Zahl dasselbe besagen , die aber in der Art und Weise der Darstellung ganz verschiedene Eindrücke hervorbringen, ist der Beruf des Gottesvolkes, des Bundesgenossen der Gottheit, ausgesprochen. „Wie die Sterne des Himmels." — „Gott hat durch Seinen Ausspruch dgs Firmament erschaffen und durch den Hauch Seines Mundes das Heer der Gestirne. Gesetz und Frist hat Er ihnen gegeben, daß sie nicht verändern das ihnen Aufgetragene Sie freuen sich wonnevoll zu erfüllen den Willen ihres Schöpfers." — So soll Israel seine Wallfahrt vollbringen. Unbeirrt durch irgend welchen Einfluß soll es, wie die Sterne am Himmel , keine andern Wunsch, keine andere Freude kennen als die Vollbringung des göttlichen Willens. In unveränderlicher Schöne und Erhabenheit soll es hoch über allen irdischen Verhältnissen stehend, für den nax lröiyB» pdn zeugen. Die Gestirne können den ihnen bestimmten Lauf nicht ändern; die geringste Veränderung würde die Welt aus dem Gleichgewicht bringen und sie zerstören; sie, in der umwandelbaren Vollendung ihrer Laufbahn , bezeugen die höchste Wahrheit, zeugen für den Weltenschöpfer und Welterhalter. So soll auch Israel für Ihn zeugen. Die Wahrheit ist Israels Panier; nie darf es diese Fahne verlassen; würde die Gesammtheit Israels, ddjd , jemals der Wahrheit untreu werden, so könnte die Welt nicht einen Augenblick bestehen. „Wie der Staub der Erde." — der pNn ->sy ist der fruchtbringende humu8, für den wir in der deutschen Sprache kaum einen entsprechenden Ausdruck haben. Die Erde ist die Ernährerin aller auf ihr lebenden Wesen; die fruchtbare Oberfläche derselben bringt die Nahrung hervor, welche das Leben bedingt ps*n ja Dnb «’sinb. Und diese fruchtbare Erde, unsre größte Wohlthäterin, sie wird mit Füßen getreten, mit dem Spaten umgegraben, mit dem Pfluge zerschnitten — und gerade so ergeht es Israel. „Auf meinem Rücken pflügen die Pflüger, ziehen lang ihre Furchen." Israel, der größte Wohlrhäter des Menschengeschlechts, ward von den Völkern mißhandelt wie kein anderes Volk der Erde. Als Dank' für die Fülle der Wohlthaten, die es spendet, empfängt es Verletzungen und Verwundungen ohne Zahl, und all bas Böse vergilt Israel nur durch neue Wohlthaten; Haß und Rache haben nicht Raum in seiner weichen Seele; und seine härtesten Dränger müssen beschämt zugeftehen, daß es stets bereit ist, Böses mit Gutem zu vergelten.

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