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Der Israelit · 1877-07-25 · Heft 30 (25.7.1877) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 30 (25.7.1877)
Date
1877-07-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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716 T ü r k e i. Constantinopel. Der bekannte Philanthrop James Lang hat der isr. Wohlthätigkeitsanstalt 1000 Frs. und der isr. Schule in Galata ZOOO Frs. geschenkt; ebenso hat er sich bereit erklärtster isr. Gemeinde zu Philippopel (Bulgarien) ein Schulgebäude erbauen zu lassen, wenn sich die „All. Isr. Un." dazu entschließt für den Gehalt eines Lehrers zum Unterrichte in der französischen Sprache aufzukommen. (Arch. Isr.) (Kriegsnachrichten.) Herr Joseph Wertheimer in Wien, Präsident der „Wiener isr. Alliance" erhielt von Schumla unterm 12. d. M. folgendes Telegramm: „In Folge der Beschießung von Rusischuk „sind 200 isr. Familien ohne Obdach und dem „Hungertode ausgesetzt; sie flehen um Hilfe." Leider ist die „Wiener Alliance" kaum in der Lage, diesem Hilferuf der Unglücklichen zu entsprechen, da ihr Wirkungskreis zu beschränkt ist und deren Mittel zu klein sind, um dem Elend, welches der Krieg unter unsern Glaubensgenossen anrichtet, abhclfen zu können. In diesem Sinne mußte denn auch, wenngleich schweren Herzens der Hilferuf der Rustfchnker Israeliten beantwortet werden. (W- Isr.) Auf Veranlassung einiger jüd. BanguierS in Constantinopel, speziell durch die Herren Baruch Coen und 2)0 Tiano wurde daselbst zu Gunsten der nothleidenden isr. Familien in stlustschuk und Widdin eine Collccte veranstaltet; die Herren Eamondo haben 10,000 Piaster gezeichnet. Obengenannter Herr Coen hat von der isr. Gemeinde zu Rustschuk eine Depesche erhalten, in der die traurige Lage der isr. Familien daselbst geschildert ist; die Jöraelitkn appelliren an den Edelmuth des Herrn Baron v. Hirsch und bitten ihn dringend, daß er die nöthigeu Ordres an die Eisenbahncompagrrie von Rnstschuk und Schumla ergehen lasse, daß diese die armen Israeliten gratis auf ihren Eisenbahnstrecken fahre:! lasse. Eine Copie dieser Depesche wurde an Herrn v Hirsch gerichtet und man erwartet mit Ungeduld seine günstige Antwort. (Arch. isr.) Aus Bukarest, den 5. Juli wird Demselben Blatte geschrieben: Ebenso eklatante als zahlreiche Thatsachen widerlegen täglich die von den Rumänen gegen die Juden des Landes ausgebrachten Anklagen des Mangels an Patriotismus. In der That, die Gaben, welche die Juden aus allen Thecken des Landes, sei es der Negierung für die Bedürfnisse der Armee, sei es den verschiedenen Comites, welche für die Verwundeten sammeln, unaufhörlich schicken, setzen alle Welt bei uns in Erstaunen und veranlassen von Zeit zu Zeit zu öffentlichen Danksagungen an ihre Adresse. Unter diesen Danksagungen bezeichne ich Ihnen die von dem Ministerpräsidenten Bratiano im „Moniteur officiel" an die spanische isr. Gemeinde, welche ihm die Summe von 11,940 Fr. für die Armee geschickt, und eine andere au einen Juden in der Moldau, welcher 29 Ochsen und 1 Kuh im Werthe von 6000 Frs. für denselben Zweck offerirt hat. Unglücklicherweise haben die Juden trotz ihrer Opferrwlligkeit immer wieder gegen die Rumänen sich zn beklagen. Nachstehende Erzählung ist ein Beweis meiner Behauptung: In der rumänischen Armee dient eine große Anzahl conscribirter Juden, welche schon seit mehreren Jahren dienen; es sind darunter auch einjährige Freiwillige, welche gewisse Vorthcile genießen, weil sie aus guter Familie und eine höhere Erziehung genossen haben. Beim Ausbruche des Krieges hatte die Regierung intelligente und unterrichtete Ofsiciere nöthig; sie gab den Führern der Armeccorps Befebl, alle fähigen einjährige Freiwillige, Sergeanten nach Bukarest zu schicken, um sie einer Prüfung zu unterziehen und sie dann zürn Grade eines Unter-Lieuteuants avarciren zu lassen. Von beinahe dreißig Juden, die die erforderlichen Eigenschaften haben, hat man nur einen Israeliten, Namens Brociner, dahin geschickt, wobei man die Sorgfalt hatte, aus seinem zu präseiw tirendcn Act seine Eigenschuft als Jude mit hervorstechenden Buchstaben zu bezeichnen. Es ist schon viel, daß ein Jude zum Avancement in der Armee v o r g e s ch l a g e n wurde und erregte in militärischen Kreisen großen Lärm. Die Prüfungs- Commission war der Meinung, daß sie einen Juden nicht prüfen könne, aber da sie vuraussah, daß diese Ungerechtigkeit seitens der Inden viele Reklamationen veranlassen würde, beschloß sie, Herr B. zur Prüfung zuzulassen, in der Hoffnung, ihn während derselben als unfähig znrückweisen zu können. Indessen bei der außerordentlich strengen Prüfung zeigte Herr B-, daß er ebenso viel und mehr als die Kapitäne weiß, und die Commission konnte nicht, umhin, ihm eine gute Note zu geben. Die Affaire kam vor den Kriegsrninister. Dieser wußte nicht, was er thun sollte und berieth sich deßhalb mit dem Premierminister, Herrn Bratiano, welcher Herrn Brociner erklärte, daß er trotz seines bessern Willens es bedaure, in die absolute Unmöglichkeit versetzt zu sein, ihm den Grad eines Unter-Lieutenants zu bewilligen und dieses „auf Grund des

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